Ein Gastbeitrag von Heinz Röthlisberger, Studienleiter IGW Zürich. Der Text stammt aus einer theologischen Diskussion, die per E-Mail geführt wurde – und vielleicht noch wird…
Ich habe mir in den Ferien 4 je ungefähr einstündige Referate von Bischof Nicholas Thomas (N. T.) Wright (einem der führenden Neutestamentler weltweit) angehört. Inhalt: Jesus und das Reich Gottes, Jesus und das Kreuz, Jesus und Gott, Jesus als das Licht der Welt. [Die Referate gibt's auf Englisch hier zum Download.] In diesen Referaten spannt er einen faszinierenden und für mich in vielen Aspekten neuen Bogen: Jesus Christus als derjenige, der an Israels Stelle steht, an Israels Stelle das Gericht für Ungehorsam auf sich nimmt und schliesslich an Israels Stelle als wahres Licht für alle Nationen aufersteht und eine neue Schöpfung beginnt. In Christus wird Gottes Gegenwart, die Israel zugedacht war, konkret. Er stellt Jesus konsequent und radikal als Juden, als Israeliten, als Menschen aus seiner Zeit und seinem Umfeld dar. Er zeigt auf, welches die Messiaserwartungen und Gottesreichvorstellungen waren und wie Jesus Christus voll und ganz in jüdischer Tradition stand, wenn auch nicht von allen so erkannt. Kurz gesagt: Wir sollen heute für die Welt das sein, was Christus für Israel war.
Weshalb erzähle ich das?
Vor diesem Hintergrund erhalten einige Gleichnisse (die N. T. Wright klar als an Israel, und nicht als an Jesu Nachfolger im engeren, und schon gar nicht als an Christen im nachpfingstlichen Sinn gerichtet sieht) eine neue Bedeutung: Zum Beispiel wird theologisch verständlich, weshalb gemäss einigen Jesus-Gleichnissen doch ein paar Nachfolger in der Hölle landen (Mt 25,30!). Wir verstehen das als an Nachfolger Jesu gerichtet. Christus ist dann derjenige, der nach seinem ersten Kommen nun im Himmel ist und bei seinem zweiten Kommen Rechenschaft von seinen Nachfolgern einfordern wird. Wenn das so wäre, hätte man (und ich hatte es bisher immer…) das Problem, wie man das Verlorengehen/Verstossenwerden von Gläubigen im Endgericht erklären soll. Das passt nicht in die innerbiblische Gesamtbotschaft.
Die alternative Sicht N. T. Wrights: Israel war zwar physisch aus dem Exil zurück, vom Volksempfinden her dauerte aber das Exil immer noch an, denn Gottes volle Gegenwart war durch verschiedene äussere politische und soziale Umstände nicht spürbar, was auch die Messiaserwartung förderte. Man erwartete den Messias, der den Kampf gegen die Heiden gewinnt und dem Tempeldienst wieder die volle Herrlichkeit zurückgibt. Das wiederum hätte dann die Tür geöffnet, damit wieder die volle Gegenwart JHWHs bei seinem Volk möglich gewesen wäre. Da kam Jesus ins Spiel: Er übernahm nicht nur das erste (wobei, nicht in einem wörtlichen, sondern in einem symbolischen Sinn, siehe Tempelreinigung), sondern er ging noch weiter, als die jüdische Messiaserwartung je reichte: In ihm wurde Gottes Gegenwart greifbar.
Aber eben: Der weggehende Herr im Gleichnis ist dann NICHT Jesus, sondern JHWH, auf den Israel wartet. Und wenn aber die Reden an Israel gerichtet sind, so geht es um den einen Teil Israels, der sich in Gehorsam auf Gottes Reich einlässt (die spätere messianische Gemeinschaft / ntl. Gemeinde) und den anderen Teil, der Gottes wahres Licht der Nationen, Jesus, zurückweist und dadurch unter das Gericht fällt. In diesem Zusammenhang interpretiert er auch das Gleichnis der Talente neu.
Jetzt bin ich länger geworden als geplant, die Theologie hat mich gepackt. Ist das nachvollziehbar? Ich werde auch selber noch sehr viel daran weiterhirnen… und beten… und zweifeln… und glauben.
Ein Gastbeitrag von Heinz Röthlisberger, Studienleiter IGW Zürich. Der Text stammt aus einer theologischen Diskussion, die per E-Mail geführt wurde – und vielleicht noch wird…
Ich habe mir in den Ferien 4 je ungefähr einstündige Referate von Bischof Nicholas Thomas (N. T.) Wright (einer der führenden Neutestamentler weltweit) angehört. Inhalt: Jesus und das Reich Gottes, Jesus und das Kreuz, Jesus und Gott, Jesus als das Licht der Welt. (Die Referate gibt’s auf Englisch hier zum Download.) In diesen Referaten spannt er einen faszinierenden und für mich in vielen Aspekten neuen Bogen: Jesus Christus als derjenige, der an Israels Stelle steht, an Israels Stelle das Gericht für Ungehorsam auf sich nimmt und schliesslich an Israels Stelle als wahres Licht für alle Nationen aufersteht und eine neue Schöpfung beginnt. In Christus wird Gottes Gegenwart, die Israel zugedacht war, konkret. Er stellt Jesus konsequent und radikal als Juden, als Israeliten, als Menschen aus seiner Zeit und seinem Umfeld dar. Er zeigt auf, welches die Messiaserwartungen und Gottesreichvorstellungen waren und wie Jesus Christus voll und ganz in jüdischer Tradition stand, wenn auch nicht von allen so erkannt. Kurz gesagt: Wir sollen heute für die Welt das sein, was Christus für Israel war.
Weshalb erzähle ich das?
Vor diesem Hintergrund erhalten einige Gleichnisse (die N. T. Wright klar als an Israel, und nicht als an Jesu Nachfolger im engeren, und schon gar nicht als an Christen im nachpfingstlichen Sinn gerichtet sieht) eine neue Bedeutung: Zum Beispiel wird theologisch verständlich, weshalb gemäss einigen Jesus-Gleichnissen doch ein paar Nachfolger in der Hölle landen (Mt 25,30!). Wir verstehen das als an Nachfolger Jesu gerichtet. Christus ist dann derjenige, der nach seinem ersten Kommen nun im Himmel ist und bei seinem zweiten Kommen Rechenschaft von seinen Nachfolgern einfordern wird. Wenn das so wäre, hätte man (und ich hatte es bisher immer…) das Problem, wie man das Verlorengehen/Verstossenwerden von Gläubigen im Endgericht erklären soll. Das passt nicht in die innerbiblische Gesamtbotschaft.
Die alternative Sicht N. T. Wrights: Israel war zwar physisch aus dem Exil zurück, vom Volksempfinden her dauerte aber das Exil immer noch an, denn Gottes volle Gegenwart war durch verschiedene äussere politische und soziale Umstände nicht spürbar, was auch die Messiaserwartung förderte. Man erwartete den Messias, der den Kampf gegen die Heiden gewinnt und dem Tempeldienst wieder die volle Herrlichkeit zurückgibt. Das wiederum hätte dann die Tür geöffnet, damit wieder die volle Gegenwart JHWHs bei seinem Volk möglich gewesen wäre. Da kam Jesus ins Spiel: Er übernahm nicht nur das erste (wobei, nicht in einem wörtlichen, sondern in einem symbolischen Sinn, siehe Tempelreinigung), sondern er ging noch weiter, als die jüdische Messiaserwartung je reichte: In ihm wurde Gottes Gegenwart greifbar.
Aber eben: Der weggehende Herr im Gleichnis ist dann NICHT Jesus, sondern JHWH, auf den Israel wartet. Und wenn aber die Reden an Israel gerichtet sind, so geht es um den einen Teil Israels, der sich in Gehorsam auf Gottes Reich einlässt (die spätere messianische Gemeinschaft / ntl. Gemeinde) und den anderen Teil, der Gottes wahres Licht der Nationen, Jesus, zurückweist und dadurch unter das Gericht fällt. In diesem Zusammenhang interpretiert er auch das Gleichnis der Talente neu.
Jetzt bin ich länger geworden als geplant, die Theologie hat mich gepackt. Ist das nachvollziehbar? Ich werde auch selber noch sehr viel daran weiterhirnen… und beten… und zweifeln… und glauben.
Im Oktober erschien nach langer Arbeit und langem Warten das komplette Neue Testament der Neuen Genfer Übersetzung (NGÜ). Ich war gespannt darauf, vor allem seit ich eine Vorschau auf das geplante Layout erhalten hatte. Das NGÜ-NT ist als exklusives, den populären Moleskine-Notizbüchern nachempfundenes Schmuckstück erschienen. Die Präsentation spricht mich sehr an. Ich finde sie überraschend frisch, kreativ, mutig und inspirierend. Wer gerne schöne Bücher hat, wird sich daran freuen können. Doch natürlich geht es nicht nur um die Präsentation. Die Gesamtausgabe des NGÜ-NT wurde sehnlichst erwartet, weil diese Übersetzung sich in den letzten Jahre bei vielen Bibellesern fest etabliert hat: Sie ist sehr gut lesbar und bemüht sich dabei doch um Nähe zum Originaltext. Ich finde, die Arbeit ist gut gelungen.
Und doch wirft das Erscheinen der NGÜ bei mir Fragen auf: noch eine deutsche Übersetzung? Wozu? Wird die Bibel deshalb mehr gelesen? Wird sie besser verstanden? Kommt sie im Leben der Gläubigen besser zum Ausdruck? – Im deutschen Sprachraum schwimmen wir in Bibelübersetzungen, während es in anderen Teilen der Welt immer noch Christen gibt, die noch nicht einmal ein einziges biblisches Buch in ihrer Sprache lesen können. Sind die enormen Ressourcen, die in die Übersetzungsarbeit fliessen, wirklich gerecht eingesetzt? Können wir eine weitere deutsche Übersetzung verantworten? (Diese Fragen sind natürlich nicht an die NGÜ gebunden. Ihr Erscheinen hat sie bei mir einfach neu in den Vordergrund getragen.)
Bei jeder neuen Übersetzung schwingt ja mit, dass das, was bisher an deutschen Bibeln zur Verfügung stand, (noch) nicht das Gelbe vom Ei war. Dieses Gelbe vom Ei braucht es aber unbedingt, damit … ja, wozu eigentlich? Ein wichtiges Anliegen scheint zu sein, dass der Einzelne von seiner Bibellektüre optimal profitieren kann. Dazu brauche es auch die optimale Formulierung in der Muttersprache. Die Annahme, dass die beste Übersetzung den wichtigsten Schlüssel zum wahren Verständnis der Bibel bedeutet, halte ich jedoch für einen Trugschluss. Sie fördert das Bild des einsamen Bibellesers, der in der stillen Kammer über der Bibel brütet und nichts anderes benötigt. Die Bibel – davon bin ich fest überzeugt – will uns aber ins Gespräch führen – ins Gespräch miteinander und ins Gespräch mit all denen, die sie vor uns gelesen und ihre Überlegungen aufgeschrieben haben. Diese Impulse brauchen wir, wenn wir die Schriften des Alten und des Neuen Testamentes verstehen und leben wollen. Sie sind nötiger als möglichst “textnahe”, “zuverlässige”, “verständliche” oder wie man sie auch immer bewerben möchte deutsche Übersetzungen. Wir müssen Bücher lesen, die uns helfen, Denken und Leben jener Menschen zu verstehen, deren Geschichten wir hier lesen. Vor allem aber brauchen wir das offene und engagierte Gespräch über den biblischen Texten und über die Konsequenzen, die sie nach sich ziehen. Dieses Gespräch bringt uns mehr lebensverändernde Erkenntnis – selbst wenn die Lektüre auf der unrevidierten Lutherbibel beruht
Unsere Bürozeiten sind sehr unterschiedlich. Wir sind zu den verschiedensten Zeiten (Tag und Nachts) bei Gasseneinsätzen unterwegs.
(Von der Heartwings-Website)
Vieles war nicht gelaufen wie erwünscht oder erhofft, als Peter Widmer mit seiner Frau Dorothée vor bald zwei Jahren den pastoralen Dienst verliess. Doch der Abschied von der Arbeit im klassischen Gemeindekontext wurde für das Ehepaar – zusammen mit den beiden Töchtern – zum Auftakt für ein neues Kapitel, das weite Kreise ziehen sollte.
2006 schloss Peter sein BA-Studium bei IGW ab. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits seit mehreren Jahren in einer Gemeinde als Pastor angestellt. Hier vermisste er jedoch den Kontakt zu ausgegrenzten Menschen, die ja kaum eine Kirche besuchen. 2008 lancierten Peter und Dorothée Widmer deshalb im Zürcher Milieu die Gassenarbeit Heartwings.
Unterstützt von freiwilligen Mitarbeitern suchen Sie in Gasseneinsätzen den Kontakt zu Prostituierten, Dealern und Drogensüchtigen. Das Angebot von Heartwings umfasst dazu auch längerfristige Betreuung mit Seelsorge und Coaching. Zu diesem Zweck konnte Heartwings einen Büroraum an der Langstrasse mieten.
Die Webseite heartwings.ch gibt Einblick in die bewegende und umfassende Arbeit. Hier ist auch der Newsletter zu abonnieren, der etwa vierteljährlich über aktuelle Entwicklungen und Erlebnisse informiert. (Die aktuelle Ausgabe gibt es hier.)
Peter und Dorothée Widmer stehen auch für Vorträge zur Verfügung, in denen sie aus erster Hand über ihren Dienst und ihre Erfahrungen mit Menschen am Rande dieser Gesellschaft berichten.
Die Arbeit und die Geschichte der Familie Widmer zeigt, wohin die missionale Theologie uns treiben will – und wird, wenn wir sie konsequent weiterdenken und befolgen. Beunruhigend.
Vor einigen Wochen ging auf St. Chrischona die SSK (Strategie- und Schulungskonferenz) über die Bühne. Gast war Shane Claiborne, der mit seinem Buch “Ich muss verrückt sein, so zu leben – Kompromisslose Experimente in Sachen Nächstenliebe” in den letzten zwei Jahren für einigen Diskussionsstoff gesorgt hat. Ich habe das Buch selbst noch nicht gelesen, freue mich aber sehr, dass die Veranstalter die Referate nun als MP3-Dateien zum Download zur Verfügung stellen. Und zwar so, wie wir es gerne haben: gratis!
Sehr interessant. Die folgende Präsentation kann ich sehr empfehlen (leider nur in Englisch) zum Thema E-Learning und Social Learning. Viele Jugendliche bewegen sich mit Social-Learning Plattformen (Twitter, FaceBook, dimdim, flikr). Wie können wir das in unseren Unterricht einbauen?
Ich denke, da haben wir in theologischen Ausbildungsstätten, noch einigen Entwicklungsbedarf.
Was jetzt kommt, hat nur am Rand mit Theologie zu tun. Ich bin jedoch dermassen begeistert von dieser Entdeckung, dass ich ein Ventil brauche. Dazu kommt, dass allenfalls der eine oder andere Leser so froh ist um diesen Tipp wie ich. Und schliesslich sollen auch Theologen alle Register der Kommunikationskunst ziehen.
Zuerst konnte ich es gar nicht glauben. Die Lösung schien zu einfach. Wie entfernt man Geschreibsel vom Whiteboard, für das man versehentlich einen Permanentmarker anstelle des trocken abwischbaren Whiteboard-Stiftes verwendet hat? – Man schreibt mit einem dieser trocken abwischbaren Stifte darüber und tut dann genau das: trocken abwischen. Alles verschwindet, auch die scheinbar unauslöschliche Permanentschrift.
Ich hab’s gleich ausprobiert, da auf meinem Whiteboard im Büro schon lange “More or less” stand, das seit dem letzten Abwischen jedem Reinigungsversuch trotzig Widerstand leistete. Und siehe da: Weg war’s. (Jetzt fehlt es mir fast ein bisschen.)
Wissenschaft ist eine Dienstleistung, die dazu beitragen soll, dass es den Menschen besser geht. Dennoch erhält man bisweilen den Eindruck, Wissenschaft und Gesellschaft seien getrennte Systeme, die nichts miteinander zu tun haben.
So äussert sich Walter Leimgruber, Professor für Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie an der Universität Basel, in Horizonte, dem Magazin des Schweizerischen Nationalfonds (Ausgabe Juni 2009). Diese Feststellung und die darin enthaltene Forderung freuen und provozieren mich gleichzeitig. Sie provozieren mich, über mein eigenes Forschen nachzudenken: Wen habe ich dabei vor Augen? Will ich einen Beitrag leisten? Einen Beitrag wozu?
Ich stelle fest, dass theologische Forschungsarbeit kaum als Dienstleistung verstanden wird. Der Zusammenhang zwischen ihr und dem Leben in Gesellschaft und Kirche ist nicht erkennbar oder zumindest nicht nachvollziehbar. Schnell ist dann die Frage zu hören: “Was bringt das?” Dabei wird vergessen, dass unser theologisches Denken und Handeln auf einem Fundament von Forschung steht, auf der Arbeit von Menschen, die Fragen gestellt haben, deren “Praxisbezug” vielleicht nicht auf den ersten Blick klar war, deren Beantwortung aber weitere Schritte ermöglichte. Wo wären wir beispielsweise, wenn Menschen nicht die Strukturen der alten Sprachen erforscht hätten, um uns mit Übersetzungen der Bibel zu (be-)dienen? Zu den Fragen, die sie stellten, gehörten auch solche nach den bei Paulus beliebtesten Partizipialkonstruktionen oder dem direkten Artikel im Johannesevangelium. (Man verzeihe mir die NT-lastigen Beispiele.) Heute schütteln bei solchen und ähnlichen Themen viele den Kopf. Dabei ist es nicht so, dass einmal beantwortete Fragen nicht wieder neu gestellt und beantwortet werden dürften oder müssten. Die Wissenschaft bewegt sich (hoffentlich vorwärts).
Als ich ein Kind war, füllte man Löcher in den Zähnen mit Quecksilber-Amalgam. Dass man das heute nicht mehr macht, liegt daran, dass jemand trotz bestehender Lösung weitergefragt hat.
Ich will hier nicht zum grossen Jammern anstimmen. Im Gegenteil. Denn das Problem beginnt ja bei den Theologen, die sich fragen müssen: Diene ich Gesellschaft und Kirche? Oder noch etwas schlichter ausgedrückt: Diene ich den Menschen? (Und es soll jetzt bitte keiner mit dem Einwand kommen, dass der Theologe Gott zu dienen habe.) Leimgruber spricht sich dafür aus, dass diese Diensthaltung in der Kommunikation zum Ausdruck kommen müsse:
Vielen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern graut vor der Kommunikation mit einer nichtfachlichen Öffentlichkeit … Die wissenschaftliche Gemeinschaft sollte sich also verstärkt Gedanken machen, wie die Fach- und Wissenschaftsgrenzen überschreitende Kommunikation verbessert werden kann.
Ähnlich sieht es Markus Bernhard (Leiter der Kommunikationsabteilung im ETH-Rat) in der Neuen Zürcher Zeitung vom 22. September (S. 40):
Die Gesellschaft – für welche die Medien Sprachrohr und Forum bilden – ist immer Zielpublikum der Wissenschaft und an der Wissenschaft teilhabende. Den Dialog von Wissenschaft und Gesellschaft sicherzustellen, war und ist daher eine zentrale Aufgabe.
IGW bemüht sich, Theologinnen und Theologen in Ausbildung ein Umfeld zur Verfügung zu stellen, in dem die Verbindung von Forschungsarbeit (= Fragen stellen und Fragen beantworten) und Leben selbstverständlich ist. In meinen Augen ist das eine ausgezeichnete Voraussetzung dafür, das eigene Forschen immer mehr als Dienstleistung zu sehen und zu gestalten.
Der ganze Artikel von Walter Leimgruber (1 Seite) steht auf der Seite des Nationalfonds zum Download bereit.
Horizonte – Das Schweizer Forschungsmagazin erscheint viermal jährlich und kann hier gratis abonniert werden.
Dienstleistung Theologie
Theologen sind Dienstleister
Welche Dienstleistung erbringen Theologen?
Theologie als Dienstleistung
Wissenschaft ist eine Dienstleistung, die dazu beitragen soll, dass es den Menschen besser geht.
Dennoch erhält man bisweilen den Eindruck, Wissenschaft und Gesellschaft seien getrennte Systeme, die
nichts miteinander zu tun haben.
So äussert sich Walter Leimgruber, Professor für Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie an der
Universität Basel, in Horizonte, dem Magazin des Schweizerischen Nationalfonds (Ausgabe Juni 2009).
Diese Feststellung und die darin enthaltene Forderung freuen und provozieren mich gleichzeitig. Sie
provozieren mich, über mein eigenes Forschen nachzudenken: Wen habe ich dabei vor Augen? Will ich
einen Beitrag leisten? Einen Beitrag wozu?
Ich stelle fest, dass theologische Forschungsarbeit kaum als Dienstleistung verstanden wird. Der
Zusammenhang zwischen ihr und dem Leben in Gesellschaft und Kirche ist nicht erkennbar oder zumindest
nicht nachvollziehbar. Schnell ist dann die Frage zu hören: “Was bringt das?” Dabei wird vergessen,
dass unser theolgisches Denken und Handeln auf einem Fundament von Forschung steht, auf der Arbeit von
Menschen, die Fragen gestellt haben, deren “Praxisbezug” vielleicht nicht auf den ersten Blick klar
war, deren Beantwortung aber weitere Schritte ermöglichte. Wo wären wir beispielsweise, wenn Menschen nicht die Strukturen der alten Sprachen erforscht hätten, um uns mit Übersetzungen der Bibel zu (be-)dienen? Zu den Fragen, die sie stellten, gehörten auch solche nach den bei Paulus beliebtesten Partizipialkonstruktionen oder dem direkten Artikel im Johannesevangelium. (Man verzeihe mir die NT-lastigen Beispiele.) Heute schütteln bei solchen und ähnlichen Themen viele den Kopf. Dabei ist es nicht so, dass einmal beantwortete Fragen nicht wieder neu gestellt und beantwortet werden dürften oder müssten. Die Wissenschaft bewegt sich (hoffentlich vorwärts).
Als ich ein Kind war, füllte man Löcher in den Zähnen mit Quecksilber-Amalgam. Dass man das heute
nicht mehr macht, liegt daran, dass jemand trotz bestehender Lösung weitergefragt hat.
Ich will hier nicht zum grossen Jammern anstimmen. Im Gegenteil. Denn das Problem (wenn es denn
tatsächlcih eines ist) beginnt ja bei den Theologen, die sich fragen müssen: Diene ich Gesellschaft
und Kirche? Oder noch etwas schlichter ausgedrückt: Diene ich den Menschen? (Und es soll jetzt bitte
keiner mit dem Einwand kommen, dass der Theologe Gott zu dienen habe.) Leimgruber spricht sich dafür
aus, dass diese Diensthaltung in der Kommunikation zum Ausdruck kommen müsse:
Vielen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern graut vor der Kommunikation mit einer nichtfachlichen
Öffentlichkeit … Die wissenschaftliche Gemeinschaft sollte sich also verstärkt Gedanken machen, wie
die Fach- und Wissenschaftsgrenzen überschreitende Kommunikation verbessert werden kann.
Ähnlich sieht es Markus Bernhard (Leiter der Kommunikationsabteilung im ETH-Rat) in der Neuen Zürcher
Zeitung vom 22. September (S. 40):
Die Gesellschaft – für welche die Medien Sprachrohr und Forum bilden – ist immer Zielpublikum der
Wissenschaft und an der Wissenschaft teilhabende. Den Dialog von Wissenschaft und Gesellschaft
sicherzustellen, war und ist daher eine zentrale Aufgabe.
IGW bemüht sich, Theologinnen und Theologen in Ausbildung ein Umfeld zur Verfügung zu stellen, in dem
die Verbindung von Forschungsarbeit (= Fragen stellen und Fragen beantworten) und Leben
selbstverständlich ist. In meinen Augen ist das eine ausgezeichnete Voraussetzung dafür, das eigene
Forschen immer mehr als Dienstleistung zu sehen und zu gestalten.
Der ganze Artikel von Walter Leimgruber (1 Seite) steht auf der Seite des Nationalfonds zum Download
Zugegeben, im christlichen Blätterwald gibt es, auch nicht mehr so viele Magazine wie auch schon… und von denen, die es gibt, stammen die meisten aus ein – zwei Verlagshäusern….
Da ist es umso erfreulicher, die zweite Ausgabe des erfrischenden Magazins Namens FROH aus der Taufe zu heben.
FROH! ist ein Gesellschaftsmagazin, das besondere Ereignisse des Jahres aufgreift und sich neugierig auf die Fragen und Themen hinter diesen Anlässen einlässt. Die Beitragenden schenken dem Magazin nicht nur ihre Texte und Bilder, sondern dem Leser auch neue und überraschende Blickwinkel. Durch die sorgfältige Komposition von Beiträgen aus Kultur, Gesellschaft, Spiritualität und nachhaltigen Lebenskonzepten entsteht ein hochwertig gestaltetes Magazin, das nicht nur FROH! heisst, sondern auch froh macht.
“Ich glaube, dass Religion und Politik eine sehr schlechte Mischung abgeben. Als geistlicher Leiter bitte ich alle, die das hören, eindringlich: Geben Sie einem geistlichen Leiter niemals Macht! Wir können damit nicht umgehen! Das liegt daran, dass Politik vom Kompromiss abhängt, was politisch gesehen eine Tugend ist, geistlich gesehen jedoch ein Laster.”
Sir Jonathan Sacks, Oberrabbiner der United Hebrew Congregation of the Commonwealth, in der Sendung “All Things Considered” auf BBC Radio Wales (28. 6. 09). Der Podcast ist hier zu abonnieren.
Willkommen auf dem Blog von IGW International!
Wir schreiben und diskutieren aus der Überzeugung heraus, dass Theologie nicht nur nahe am Leben sein kann, sondern dass sie das sogar muss, dass diese Nähe zum Leben unverzichtbarer Teil ihres Wesens ist.