Archiv für März 2009
30. März 2009 von Matthias Ziehli | 40 Kommentare
Vom letzten Donnerstag bis Samstag hat in Aarau der Kongress “Zukunft gestalten” mit Michel Frost stattgefunden. Wir sind gespannt, was euch beschäftigt. Was sind die ersten Eindrücke, Gedanken, Diskussionspunkte?
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24. März 2009 von Cla | 3 Kommentare
In einem Kommentar zum Artikel über die 12 Thesen zur missionalen Theologie wurden wir angeregt, hier doch mal den Unterschied zwischen missional und missionarisch zu skizzieren. Ich habe Mathias Burri, Leiter des MA-Programmes bei IGW und Mitglied der Schulleitung, gebeten, dazu einige Sätze zu Papier zu bringen. Somit bleibt mir die Freude, unseren ersten Gastbeitrag anzumoderieren. (Danke Mathias!)
Missionalist ein aus dem Englischen übernommenes Adjektiv und ist nach Oxford English Dictionary ein Synonym für missionarisch. In der theologischen Literatur wurde jedoch das Adjektiv missional in den letzten Jahrzehnten weiter entwickelt und muss heute klar von missionarisch unterschiedenwerden. Allerdings dürfen die beiden Adjektive nicht gegeneinander ausgespieltwerden, wie es teilweise im Sinne einer plumpen Bewertung von “früher waren wir missionarisch” und “heute sind wir missional” zu finden ist.
Missionarisch betont die Tätigkeit der Mission, also das Tun einer Person oder Kirche. Missional beschreibt die Identität und das Wesen, also das Selbstverständnis einer Person oder Kirche. Bei missional ist die Mission im Zentrum der Theologie, der Kirche, der Person und bestimmt ihr ganzes Sein und ihren Auftrag. (Der Begriff Mission wäre dann natürlich ebenfalls noch zu klären.) Hier eine Gegenüberstellung der beiden Adjektive:
- Missionarisch = Beschreibung des TUNS = Mission ist eine Tätigkeit
- Missional = Beschreibung des SEINS = Mission bestimmt die Identität
Eine missionale Kirche ist auch missionarisch. Eine missionarische Kirche muss aber nicht zwingend missional sein, da ihre missionarische Tätigkeit nur eine von vielen Aktivitäten sein kann und sie Mission nicht als Zentrum sondern als Teilaufgabe der Gemeinde sehen kann. In diesem Fall wäre die Kirche nicht missional.
Das Adjektiv missional wurzelt in der missio dei. Wichtig für den Begriff ist das Verständnis, dass Gott das Subjekt der Mission ist und nicht die Kirche. Bis zum Aufkommen des Begriffs missio dei in den 50er-Jahren fühlte sich sozusagen die Kirche als Subjekt, also verantwortlich für die Mission. Seither setzte sich das Bewusstsein durch, dass Gott selbst verantwortlich für die Mission ist. Gott ist Ausgangspunkt der Mission, er ist ein sendender Gott: “Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch” (Joh 20,21). Wir sind als Christen und Kirchen das Instrument von Gottes Mission in dieser Welt, also von unserer Bestimmung her missional. Die (missionale) Kirche ist eine von Gott in diese Welt gesendete Kirche. Dazu ein Zitat von der Website von Acts 29:
Eine Kirche, die nicht missional ist, ist nicht wirklich eine Kirche. Eine Kirche existiert durch die Mission wie die Sonne existiert durch ihr Scheinen. Wenn die Sonne nicht mehr scheint, dann hört sie auf, Sonne zu sein. Wenn eine Kirche ihre Mission verliert, dann hört sie auf, Kirche zu sein.
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19. März 2009 von Matthias Ziehli | kein Kommentar
In 8 Tagen beginnt der Kongress “Zukunft gestalten”. Wir freuen uns als IGW auf diesen Kongress uns sind gespannt, was daraus entstehen wird.
Die Konferenz wie auch ihr Thema haben ihren Ursprung im Fragen nach der Zukunft und dem Auftrag der Kirche im 21. Jahrhundert. Jede Generation, jede Kirche muss sich der Herausforderung dieser Frage stellen. Gemeinsam wollen wir nun nach zukunftsorientierten Antworten suchen. Wir tun dies in der Gelassenheit und im Wissen darum, dass der Herr der Kirche seine Gemeinde in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft geführt hat und führen wird. Die Geschichte der Kirche manifestiert so das Handeln und die Treue Gottes. Der Auftrag, die Zukunft der Kirche zu gestalten, bleibt faszinierend, so dass wir mutig die Frage nach ihrer Zukunft stellen. Denn – um es mit den Worten Nehemias zu sagen – „sie ist ja dein Volk“ (Neh 1,10).
Was wir wollen.
Wir wollen Impulse und Denkanstösse für Mission und Evangelisation der Kirche des 21. Jahrunderts vermitteln. Wir wollen grundsätzliche Fragen zur Gestalt der Gemeinde in der postmodernen und nachchristlichen Kultur diskutieren. Wichtige Stichworte sind dabei: missional, inkarnatorisch, organisch, kontextualisiert, transformierend, Netzwerk, christozentrisch, Kontrastgesellschaft, Kairos, Leben im Spannungsfeld des Reiches Gottes, in die Welt gesandt und doch nicht von der Welt, Kirche unterwegs, Multiplikation, nachhaltig. Wir wollen Denker und Praktiker verschiedener Kirchen (bestehender, re-vitalisierter, neu gegründeter usw.) zu einem innovativen Gespräch einladen, um miteinander und voneinander zu lernen. Gemeindeälteste und Pastoren, Gemeindegründer und Gemeindebewahrer, Mentoren und Mentoranden, Praktiker und Theoretiker, Studierende und Lehrende vernetzen sich so miteinander; neue Ideen und Initiativen können diskutiert und bekannt gemacht werden. Wir wollen dazu ermutigen, die eigene praktische Arbeit in der Kirche mit Freude und Leidenschaft weiterzugestalten.
Was wir nicht wollen.
Wir wollen keine Modelldiskussionen führen, sondern intensiv über die Grundlagen der Kirche der Zukunft nachdenken. Wir wollen nicht bei unseren negativen Erfahrungen stehenbleiben, sondern uns für die Mission der Kirche stark machen. Wir verachten nicht die segensreiche und teilweise notvolle Vergangenheit der Kirche, sondern lernen daraus für die Zukunft. Wir wollen nicht übereinander, sondern miteinander reden, aufeinander hören und voneinander lernen.
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14. März 2009 von Cla | 10 Kommentare
Manche Legenden sind schwer unterzukriegen. Vor allem, wenn sie sich so gut anhören, dass man sich einfach wünscht, sie seien wahr. Eine solche Legende ist die Behauptung, dass das griechische Wort ekklesia, das im Deutschen meist mit Gemeinde wiedergegeben wird, eigentlich “herausgerufen” bedeute und dass in dieser Bedeutung ein Wesensmerkmal dieser Gemeinde zum Ausdruck komme.
Die Argumentation läuft folgendermassen:
- Das griechische Wort ekklesia geht auf die Bestandteile ek (“heraus”) und kaleo (“rufen”) zurück.
- Ekkaleo bedeutet “herausrufen”.
- Aus diesem Grund ist die Gemeinde als die “Herausgerufene” zu verstehen. Sie ist die Gemeinschaft der Gläubigen, die aus der Welt “herausgerufen wurden”.
Es liegt auf der Hand, dass sich hier ein spannungsvoller Kontrast zur missionalen Theologie abzeichnet, welche die Gemeinde ja als grundsätzlich gesendet sieht. Herausgerufen oder hineingesandt: Was stimmt denn nun? Ohne diese Frage hier abschliessend beantworten zu wollen, erlaube ich mir doch den Hinweis, dass es mit der oben beschriebenen Deutung von ekklesia diverse sprachliche Probleme gibt. (Zu den theologischen Problemen darf sich gerne ein Experte für missionale Theologie äussern.) Auf zwei möchte ich hinweisen:
Erstens ist es ein Trugschluss, davon auszugehen, dass ein Wort die Bedeutung seiner Grundbestandteile als eine Art verborgenen Sinnkern mit sich trägt. Oder sie überhaupt mit sich trägt. Gut, beim Wagenheber mag das noch funktionieren. Aber wie sieht es bei Auflauf aus? Das sind ja auch zwei Teile, was aber kaum (mehr) jemand merkt. Die Zusammensetzung hat sich verselbstständigt und niemand würde auf die Idee kommen, das Wort zu zerlegen um darüber zu reden, was ein Auflauf eigentlich sei. Das gilt sowohl für die kulinarische wie auch für die biblische (unten zitierte) Verwendung. Auch der Rückgriff auf frühere Bedeutungen eines Wortes ist meistens eine schlechte Idee, weil diese in der aktuellen Verwendung in den allerallermeisten Fällen nicht mehr ins Gewicht fallen. Dass Weib (viel) früher einfach eine Ehefrau bezeichnete, dürfte mir heute kaum Punkte bringen, wenn ich die Teilnehmerinnen an einem Eheseminar so begrüsse.
Zweitens stellt das Neue Testament selbst den, der die Ekklesia als eine exklusive von Gott herausgerufene Gruppe sehen möchte, vor beträchtliche Probleme. Da wird nämlich in der Apostelgeschichte (Kap. 19) von einer Konkurrenzorganisation gesprochen:
32 Die einen nun schrien dies, die anderen jenes; denn die Versammlung war in Verwirrung, und die meisten wussten nicht, weshalb sie zusammengekommen waren … 39 “Wenn ihr aber wegen anderer Dinge ein Gesuch habt, so wird es in der gesetzlichen Versammlung erledigt werden. 40 Denn wir sind auch in Gefahr, wegen des heutigen Aufruhrs angeklagt zu werden, da es keine Ursache gibt, weshalb wir uns über diesen Auflauf werden verantworten können. Und als er dies gesagt hatte, entliess er die Versammlung.”
Dem unterstrichenen Versammlung liegt im Griechischen ekklesia zugrunde. In diesem Abschnitt ist jedoch nicht von einer oder der christlichen Gemeinde die Rede (auch wenn V. 32 durchaus Erinnerungen an die eine oder andere Mitgliederversammlung wecken dürfte). Es geht überhaupt nicht um Christen, sondern
- in V. 32 und 40 um einen Mob, der sich in Ephesus versammelt hatte, weil das lokale Silbergewerbe sich durch die missionarischen Aktivitäten von Paulus und seinen Mitarbeitern bedroht sah und
- in V. 39 um eine offizielle Ratsversammlung in Ephesus.
Diese Verse zeigen, dass ekklesia nicht für christliche Versammlungen und Gemeinschaften reserviert war. Stattdessen scheinen wir einen Begriff vor uns zu haben, der für ganz verschiedene Versammlungen verschiedener Menschen verwendet wurde. (Diese Vermutung wird von der Verwendung ausserhalb des NT gestützt.) In diesem Sinne ist Gemeinde eine durchaus angemessene Übersetzung, gerade in der Schweiz, wo sie laufend Missverständnisse in der Abgrenzung zur politischen Gemeinde mit sich bringt. Die Gemeinschaft der an Jesus Gläubigen verwendet mit diesem Wort einen Begriff ohne Anspruch auf Exklusivität und macht vielleicht auch dadurch deutlich, dass sie sich als Teil des Lebens hier und jetzt versteht.
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10. März 2009 von Matthias Ziehli | 7 Kommentare
IGW denkt im laufenden Studienjahr intensiv über die missionale Theologie nach. Im Rahmen der IGW-Konferenz haben wir öffentlich, an Weiterbildungstagen für Mitarbeitende intern diskutiert. In drei Ausgaben des Magazins VISION haben wir zu zeigen versucht, wie missionale Theologie Gemeinde und Christenleben fördert. Die Referate, Diskussionen und Artikel münden nun in die vorliegenden Thesen.
Wir verstehen die Thesen als engagierten Beitrag an eine weiterführende Diskussion. Wir sind überzeugt, dass die missionale Theologie ihre Kraft und ihre Wirkung in jeder Form von Kirche entfalten kann. Sie wird Veränderungen in der theologischen Arbeit, im Leben und Denken sowie im Glauben und Handeln der Christen auslösen. Es geht um das Grundanliegen der Kirche Jesu: Gottes Auftrag in dieser Welt zu leben.
Die Grundlage der missionalen Theologie
1. Missionale Theologie weiss sich einer umfassenden biblischen Grundlage verpflichtet. Sie gründet auf Leben und Werk von Jesus Christus, auf dem Missionsbefehl (Mt 10, Mt 28, Mk 16, Lk 24, Apg 1) und auf dem Alten Testament.
2. Missionale Theologie ist eine Theologie der aktiven Teilnahme an Gottes Schöpfungs- und Erlösungshandeln. Damit die christliche Mission in einer leidenden Welt bedeutsam ist, muss die Kirche auf die aktuellen Fragen und Nöte ihres Umfeldes eingehen.
3. Missionale Theologie nimmt die Tatsache ernst, dass Gott die Welt liebt (Joh 3,16) und ihre umfassende Erlösung und Wiederherstellung zum Ziel hat. Sie ist dem Rettungshandeln Gottes verpflichtet, indem sie den Menschen durch die Bindung an die Person Jesu in die ursprüngliche Schöpfungsordnung hineinführt, in der die Fülle des Lebens zu finden ist.
4. Missionale Theologie versteht den Begriff der Bibeltreue umfassend. Sie strebt ein Gleichgewicht von Wort und Tat (Orthodoxie und Orthopraxis) an und misst die Treue zur Bibel nicht nur am Festhalten an der Wahrheit, sondern auch an der Fähigkeit, das Evangelium in der Welt zu inkarnieren.
5. Missionale Theologie setzt grenzüberschreitende Lernbereitschaft voraus. Sie hört auf die Brüder und Schwestern in unseren Kirchen sowie auf unsere Brüder und Schwestern in der Zweidrittelwelt, die durch ihre ganzheitliche Denkweise den Weg zu einer missionalen Theologie vorgezeichnet haben.
6. Missionale Theologie dient der Anbetung Gottes. Mission geschieht, weil Gott noch nicht überall angebetet wird, und sie geschieht bis zur Wiederkunft Jesu und der endgültigen Aufrichtung der Herrschaft Gottes. Die unterschiedlichsten Aktivitäten fördern die Anbetung Gottes: die Sorge um die Schöpfung, die es zukünftigen Generationen erlaubt, in ihr die Herrlichkeit Gottes zu erkennen; Entwicklungshilfe als Hinweis auf den suchenden Gott, der ganzheitliches Heil will; Kunst und Kultur, die Gottes Weisheit und Schönheit widerspiegeln.
Die christologische Begründung
7. Jesus Christus ist das Zentrum der Heiligen Schrift. Jesus Christus als wahrer Gott und wahrer Mensch sowie als Lehrer und Prophet ist massgebend für eine missionale Theologie, für die christliche Lebensführung, das Leben der Kirche und ihre Mission in der Welt.
8. Missionale Theologie findet dort statt, wo in der Kraft des Heiligen Geistes das Evangelium von Jesus Christus und der Ruf zum Glauben verkündet, wo Gewalt eingedämmt, soziale Gerechtigkeit geübt, aus Armut und Unterdrückung befreit und Menschen zu Würde verholfen wird (Lk 4,18-19; Mt 10,6-8).
Die ekklesiologischen Auswirkungen
9. Eine für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts relevante Kirche ist eine Kirche, die sich als Manifestation des Reiches Gottes begreift und entsprechend handelt.
10. Die wichtigste Aufgabe der Kirche ist die Verkündigung des Evangeliums vom Reich Gottes und seinem gekreuzigten und auferstandenen König Jesus. Die Verkündigung des Evangeliums in Wort und Tat auf der ganzen Welt ist ein heilsgeschichtliches Muss (Mk 13,10).
11. Frieden und Gerechtigkeit sind den alttestamentlichen Propheten gemäss ein Hauptmerkmal des Reiches Gottes. In der Kirche bildet sich dieses Reich zeichenhaft ab, und darum gehört der Einsatz für Frieden und soziale Gerechtigkeit zum Auftrag der Kirche (Jes 2,2-4; 42,1-4; Mt 5,9; Röm 14,17).
12. Die Kirche kann ihren Auftrag nur erfüllen, wenn sie sich als Alternative zu gottfeindlichen und lebenszerstörerischen Tendenzen in der Gesellschaft versteht. Als Kontrastgesellschaft kann sie umfassend und glaubhaft göttliches Heilshandeln veranschaulichen und zugänglich machen und so die Gesellschaft tiefgreifend verändern.
Begriffsklärungen
Zum besseren Verständnis klären wir einige wichtige Begriffe:
Missional: Dieser Begriff umschreibt eine durch und durch dem missionarischen Sein und Handeln Gottes in dieser Welt verpflichtete und davon durchdrungene Denk- und Handlungsweise.
Missionale Theologie: Dieser Begriff umschreibt das Bemühen, alles Reden und Lehren über Gott in erster Linie vom grundsätzlich missionarischen Wesen und Handeln Gottes in Welt und Geschichte bestimmen zu lassen.
Inkarnation: Dieser Begriff umschreibt das Geheimnis der Menschwerdung Gottes in der Person Jesu Christi mit der Konsequenz, dass sich Gott dadurch ganz in die Lebenswirklichkeit seiner Schöpfung und Geschöpfe hineinbegeben hat.
Orthodoxie: Dieser Begriff umschreibt an dieser Stelle das Bemühen um ganzheitlich reflektierte und gefestigte christliche Lehrüberzeugungen und Lehre.
Orthopraxis: Dieser Begriff umschreibt das Bestreben nach einer an christlichen Grund- und Lehrüberzeugungen orientierten praktischen Lebensführung.
Kontrastgesellschaft: Dieser Begriff umschreibt die lokale und globale christliche Weg-Gemeinschaft als gelebten Ausdruck des jetzt schon angebrochenen aber noch nicht vollendeten Reiches Gottes.
Ekklesiologie: Dieser Begriff umschreibt die christliche Lehre über die Kirche.
Christologie: Dieser Begriff umschreibt die christliche Lehre über Leben, Dienst und Werk von Jesus Christus.
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Die 12 Thesen zur missionalen Theologie als PDF-Download: 12 Thesen zur missionalen Theologie
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6. März 2009 von Eveline Schürch | 5 Kommentare
Müde und mit knurrendem Magen durchquerte ich die Halle des Zürcher Hauptbahnhofes. Plötzlich erblickte ich einen Stand voller Bilder von Feta-Käse. In der Hoffnung auf eine kleine Kostprobe näherte ich mich. Doch wo ist der Käse? Aber auch nach dreimaliger Umrundung des Standes erblickte ich nichts als ein Meer von Prospekten mit Rezepten zur korrekten Zubereitung griechischen Salates. Ich fragte mich: Wie kommt jemand auf die Idee, einen Fetakäse-Stand ohne Käse, dafür mit tausenden Prospekten auszustatten? Da sollte man doch was zu schmecken, riechen und sehen bekommen! Verständnislos und frustriert stand ich da.
Plötzlich kam mir der Gedanke, ob wir manchmal nicht auf ähnliche Art und Weise das Evangelium schmackhaft machen wollen. Auf eine Art, die zwar gut gemeint, aber dennoch etwas steril ist und weder Herz noch Sinne anrührt. Wie würde eine Evangelisation aussehen, bei der man das Evangelium schmecken, sehen und riechen könnte? Indem gratis Esswaren verteilen würden, zum Beispiel Bratwürste? Allerdings würde man dahinter wahrscheinlich eher eine Werbeaktion einer Metzgerei vermuten, als einen Versuch das Evangelium lebendig werden zu lassen. (Wobei: nach Fritz Peyer soll Evangelisieren viel mit Metzgen gemein haben). Ich überlege weiter. Vielleicht kommt euch ja eine Idee.
P.S. Der Feta-Stand war vom Griechischen Ministerium für landwirtschaftliche Entwicklung und Ernährung organisiert.
P.P.S Die Rechnung des Griechischen Ministerium für landwirtschaftliche Entwicklung und Ernährung ging zumindest bei mir auf: Ich ging nach Hause und habe einen – wenn auch nicht korrekten, so zumindest leckeren – Griechischensalat zubereitet mit viel Fetakäse.
P.P.P.S Wer die Parallele zwischen Metzgen und Evangelisieren nicht erkennt: Fritz Peyer erzählt jedem gerne seine Kuh-Metzg-Geschichte
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3. März 2009 von Matthias Ziehli | 3 Kommentare
Einfach gesagt: Das Evangelium ist die Geschichte eines Gottes, der mitten in die Existenz seiner Geschöpfe hereinbrach. Lebensnaher geht es kaum. Dass die Theologie heute oft als Disziplin fern des realen Lebens gesehen wird und ihre Vertreter als weltfremd gelten, weist auf ein grosses Versagen hin. (Ein grosses Versagen der Theologie, nicht derer, die sie so empfinden.) Auch das darf man einmal so einfach auf den Punkt bringen.
Dieser Blog will zeigen, dass Theologie nicht nur nahe am Leben sein kann. Wir schreiben und diskutieren aus der Überzeugung heraus, dass sie das sogar muss, dass diese Nähe zum Leben unverzichtbarer Teil ihres Wesens ist. Diese Nähe zum Leben zeigt sich gerade auch in der missionalen Theologie, die nicht nur bei IGW ein grosses Thema ist; ein Thema, über das wir auch hier informieren und diskutieren werden.
Dieses Verständnis von Theologie, die Überzeugung, dass sie sich nahe am Leben – mitten im Leben – abzuspielen hat, lässt diesen Blog umso angemessener erscheinen. Eine interaktive Plattform lädt zur Diskussion ein, zum Dialog. Das theologische Gespräch kann so Räume für Begegnung schaffen. Unser Ziel ist dabei nicht Einigkeit in allen Details, und auch um die abschliessende Beantwortung aller Fragen geht es uns nicht. Stattdessen wünschen wir uns, im Dialog gemeinsam als Lernende unterwegs zu sein und dabei Horizont und Herz kontinuierlich zu weiten.
Ausdrücklich möchten wir darauf hinweisen, dass die Autorinnen und Autoren auf diesem Blog ihre persönliche Sicht, ihre Meinung und ihre Fragen zum Ausdruck bringen. Sie sind wohl alle mit IGW verbunden, äussern sich hier aber nicht als offizielle Sprecher. Die Beiträge sind daher bewusst subjektiv und repräsentieren nicht die offizielle Position von IGW International.
Wir laden Leserinnen und Leser ein am Denken und Diskutieren, am Ringen um lebensrelevante Theologie aktiv teilzunehmen und freuen uns auf den Austausch!
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