Verkaufen sich Theologen unter ihrem Wert?

Nachdem ich meine Stelle als Pastor gekündigt hatte, träumte ich davon, meine Brötchen für einen nächsten Lebensabschnitt in der Privatwirtschaft zu verdienen.

Einfacher gesagt als getan. Beim Erstellen der Bewerbungsunterlagen stolperte ich immer wieder. Ich kann mein Diplom beilegen, eine Auflistung der Fächer, die ich besucht habe, kann erzählen von den x Lagern, Events die ich organisiert habe, die Erfahrungen in einem Projekt in der Ukraine festhalten, die Predigten, Gespräche, Leitersitzungen, und und und…. Nur, so kam der Gedanke immer stärker, wird irgendwo in einem Büro ein HR Consultant wohl mein Bewerbungscouvert öffnen, lesen, dass ich Theologie studiert habe, freundlich lächeln und meine Bewerbung auf den höheren Stapel legen. Die meisten werden sich wohl unter „Theologe“ nichts vorstellen können (oder zumindest nichts Lebensnahes, Praktisches) und damit wäre die Sache erledigt.

Irgendwie wurde mir bewusst, dass ich da wohl in eine Falle getappt bin, die wie für Theologen prädestiniert ist: Man redet auf die Leute ein, ohne dass sie etwas von dem verstehen, was man da quasselt.

Was wäre, wenn unsere Unterrichtsfächer einfacher verständliche Namen tragen würden, oder wenn man sich bei einer Bewerbung die Mühe macht, die Dinge so zu schreiben, dass die Privatwirtschaft sie versteht?

So würde beispielsweise…

  • aus Seelsorge das Fach: Beratung, Coaching, Persönlichkeitsentwicklung
  • aus Homiletik  würde evtl. Rhetorik
  • aus dem Projekt in der Ukraine wird eine Kompetenz in Interkultureller Kommunikation
  • die Anlässe würden zu Event Management
  • etc.

Natürlich will ich hier nicht zum Bluffen oder Übertreiben motivieren. Und doch, in einer Zeit wo der Abwart „Facility Manager“ genannt wird, wäre es wohl angebracht, sich als Theologe so zu verkaufen, dass die Leute auch verstehen, was damit verbunden ist.

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4 Responses to “Verkaufen sich Theologen unter ihrem Wert?”

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  1. Ja, du hast Recht. Auch hier gilt, was ja ohnehin für Theologen gilt oder gelten sollte: wir müssen eine Sprache sprechen, die auch verstanden wird.

    Grüße! Und Segen vom Auferstandenen!

  2. Matthias Loeffel says:

    Hm ja, das klingt ganz realistisch. Ein interessanter Gedanke von Seite IGW dürfte vielleicht auch sein, dass das Notenblatt mit den aufgelisteten, besuchten Kursen auf Englisch abgegeben werden könnte, damit die deutschen, verstaubten und kirchlichen Ausdrücke verschwinden. So kann in einer Bewerbung dann in Klammern ausführlich mit modernen Wörten und Ausdrücken erklärt werden, worum es sich eigentlich handelt 😉 Professioneller geht’s wohl nicht!! 🙂

  3. Markus Schwitter says:

    Das mit den englischen beriffen ist grundsätztlich ein guter Gedanke. Ist es aber nicht so, dass es von der Bedeutung her ganz egal ist ob Englisch oder Deutsch aber englische Titel werden professioneller wahrgenommen.??

  4. Profilbild von Chrigu Chrigu says:

    Lieber Achim, Matthias und Markus,
    danke für euer Mitgehen. Ich teile eure Wahrnehmung, dass die englischen Titel wohl grundsätzlich besser dastehen als die Deutschen – ob man dies nun angebracht findet oder nicht. Aber auch im Englischen kann man so oder so schreiben. Es gilt auch da, möglichst präzis und verständlich zu schreiben. Nach dem Motto, den Juden ein Jude den Griechen ein Grieche….

    Notenblatt auf Englisch: Die Idee haben wir auch schon im IGW-BA-Team besprochen. Sie ist von unserem System (IGW Campus) nicht so einfach umsetzbar – darum fiel sie damals wieder weg. Ist sicher aber der Wert, wieder neu diskutiert zu werden.