Die Grundlage der missionalen Theologie (3/6)

„Missionale Theologie nimmt die Tatsache ernst, dass Gott die Welt liebt (Joh 3,16) und ihre umfassende Erlösung und Wiederherstellung zum Ziel hat. Sie ist dem Rettungshandeln Gottes verpflichtet, indem sie den Menschen durch die Bindung an die Person Jesu in die ursprüngliche Schöpfungsordnung hineinführt, in der die Fülle des Lebens zu finden ist.“

Im März 2009 hat IGW „12 Thesen zur missionalen Theologie“ veröffentlicht, die seither rege diskutiert werden. Viele fragen sich: „Was bedeutet dieser Satz für mein persönliches Leben und für das meiner Kirche / meiner Gemeinschaft / meines Werkes?“ In den kommenden Wochen gehen geben IGW-Studierende ihre Gedanken dazu weiter. Der nachfolgende Post ist ein Gastbeitrag von Claudia Grimm, Jörg Kessler und Gisele Zürcher, der sich mit der obigen These (3/12) auseinandersetzt.

Gott liebt die Welt so sehr, dass er ihre umfassende Erlösung und Wiederherstellung zum Ziel hat. Er hat frei gewählt uns zu lieben. Gott liebt nicht nur die „guten Menschen“ und möchte nicht nur Seelenheil schenken, sondern der gesamten Schöpfung ganzheitlich Heil geben. Doch inwiefern sind wir an diesem Handeln Gottes beteiligt? Jesus fordert uns auf seine Gute Nachricht den Menschen in allen Nationen zu verkündigen (Mt 28,19-20). Nun könnten wir diesen Auftrag aus Pflichtgefühl ausführen, wie Maschinen funktionieren, statt aus Liebe angetrieben sein. Gottes treibende Kraft für den Erlösungsplan ist seine bedingungslose Liebe für die Menschen. Welche Rolle spielt diese Liebe in unseren Begegnungen mit Menschen und der Verkündigung des Wort Gottes? Ist diese Liebe auch für uns absolute Voraussetzung?

Vielleicht sind wir Christen manchmal in der Gefahr für Gott leisten zu wollen. Wir legen grossen Wert darauf, wie wir ihm gefallen, gehorchen, ja dienen können. Unser Handeln soll jedoch Hand in Hand mit unserer persönlichen Gottesbeziehung geschehen. Die Liebe Gottes soll auch unsere treibende Kraft sein. Deshalb ist es unumgänglich, Gottes Vaterherz kennen zulernen und wie Jesus, eine innige Beziehung zum Vater zu leben.

Christen müssen Gottes Gegenwart nicht nur zwischen Kirchenbänken, sondern auch „draussen“ in der Welt erwarten. Die Richtung hat von der zentripetalen (hinein fliessenden) zur zentrifugalen (hinaus fliessenden) Dynamik gewechselt. Gott wirkt in der Welt. Unsere Rolle ist es, heraus zu finden, wo er wirkt und dann neben ihm zu gehen. Viele Evangelikale glauben, dass sie Gott in die Welt nehmen. Das ist ein Dualismus, welcher die missionale Theologie nicht unterstützt. Es kommt oft vor, dass Menschen an Jesus glauben, um nach ihrem Tod in den Himmel zu kommen. In diesem Fall wird für den Himmel im Jenseits geworben. Stattdessen geht es im Evangelium darum, für Gott lebendiger in der Welt zu sein. Umfassende Wiederherstellung bedeutet zu versuchen, in allem, was man tut, das Reich Gottes auszudrücken. Diese Aktivitäten reflektieren den lokalen Kontext und sind deshalb in ihren Formen mannigfaltig.

Für uns Christen gibt es keine örtlichen und strukturellen Einschränkungen, um Menschen mit Gottes Liebe zu begegnen. Überall kann Gott hinein wirken. Aller moderne Dualismus kann überwunden werden. In der evangelikalen Kirche existiert oft nur ein Bild, wie Kirche sein kann, dabei lässt uns die Bibel viele Möglichkeiten offen, wie Gemeinschaft gelebt werden kann. Wenn wir das Ziel verfolgen, dass Gottes umfassende Erlösung und Wiederherstellung auf dieser Welt geschehen können, müssen wir auch unsere Denkweise und unser Verhalten verändern. Wir können auch im gewöhnlichen Alltag Menschen mit Gottes Liebe konfrontieren, damit sie die Fülle des Lebens finden können.

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4 Responses to “Die Grundlage der missionalen Theologie (3/6)”

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  1. Ingold says:

    Euer dogmatischer Glauben ist grundlegend falsch und darum Ethik-zerstörend:
    „Wenn ich schon in die Hölle gehen soll, weil ich nicht im rechten Sinne glauben kann und will, will ich mir zumindest die Hölle redlich verdienen.“ Das heisst auch: Der ausschliessende Dogmatismus ist Ethik zerstörend. Wer das Heil nicht hat, weil er nicht richtig glaubt, lebt am Besten nach Nietzsches Ethik und tut was dem „Teufel“ gefällt. Anstand, Respekt, und Liebe zu den Werken Gottes macht ja doch keinen Sinn!
    Das sagt natürlich keine Religion so wörtlich und undiplomatisch direkt. So aber verhalten sich die Geistlichen. Beispiel: Ich stellte die konkrete Liebe zu den Werken über dogmatische Regeln, Traditionen, Opferkult, Gebetswaschungen. Doch ein islamischer Geistlicher sagte, Allah hätte die Regeln, Gebetswaschungen und Traditionen gewollt. Über die Unterlassungssünden an den Werken Allahs würde Allah am Jüngsten Gericht urteilen.
    Also, wenn ich die islamischen Vorgaben nicht lebe, aber Natur, die Tiere und die Schwächsten der Gesellschaft schütze, bin ich kein Rechtgläubiger. Halte ich die islamischen Vorgaben aber pflichtgetreu und lebe an der konkreten Liebe zu den Werken Allahs vorbei, bin ich bei den islamisch Gläubigen akzeptiert.
    Bei den Christen ist es ähnlich: Wer die konkrete Liebe zu den Werken lebt, aber die dogmatischen Vorgaben nicht glaubt, hat kein Recht, das Wort zu verkündigen. Stimmen aber die dogmatischen Vorgaben, lässt man selbst diebische und tötende Masslose auf die Kanzel steigen. Amerikanisch Fernseh-Geistliche sind dafür herausragende Negativvorbilder. Oder lässt die Kirche von einem diebischen und tötenden Königshaus leiten. Wie das in England der Fall ist. Im Islam ist es kaum besser. Und das Judentum hat Unrecht erfahren und meint heute, wegen des erfahrenen Unrechts ähnliches Unrecht tun zu dürfen. Alle drei Religionen ihr Gutes aber auch ihr Ungutes im Namen Gottes. Herausgestrichen wird aber immer nur das „Gute“ und alle drei Religionen zeigen mit den Fingern auf die jeweils anderen Religionen.
    Gerhard

  2. Frank says:

    Was soll die Schärfe in dem Kommentar? Jede Religion hat nunmal Ihre Vor- und Nachteile.

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