Die ekklesiologischen Auswirkungen (4/4 – Schluss)

„Die Kirche kann ihren Auftrag nur erfüllen, wenn sie sich als Alternative zu gottfeindlichen und lebenszerstörerischen Tendenzen in der Gesellschaft versteht. Als Kontrastgesellschaft kann sie umfassend und glaubhaft göttliches Heilshandeln veranschaulichen und zugänglich machen und so die Gesellschaft tiefgreifend verändern.“

Viele fragen sich: Was bedeutet dieser Satz für mein persönliches Leben und für das meiner Kirche / meiner Gemeinschaft / meines Werkes? Der nachfolgende Post ist ein Gastbeitrag von Fabian Baumgartner, Heinz Berger und Peter Mosimann, der sich mit der obigen These (12/12) auseinandersetzt. Damit endet die Serie der Gastbeiträge der IGW-Studierenden, welche die im März 2009 veröffentlichten „12 Thesen zur missionalen Theologie“ von IGW betrachteten.

Als wir diese These zusammen diskutierten, wurden uns einige Punkte enorm wichtig, die jede Gemeinde und jedes Gemeindemitglied im Auge behalten sollte, egal aus welcher Denomination man stammt.

Es ist als Gemeinde entscheidend wichtig zu verstehen, dass draussen vor den Türen nicht die böse und kaputte Welt anfängt, mit deren man nichts zu tun haben will, sondern dass wir als Gemeinde DIE Alternative zu den gottesfeindlichen und lebenszerstörerischen Tendenzen sind. Wir dürfen nicht erwarten, dass die kirchendistanzierten Menschen draussen vor den Gemeinden sehnsüchtig darauf warten, dass wir einmal in der Woche, und zwar am Sonntag, die Türen für eine Stunde öffnen und sie dann in Scharen auf unseren Stühlen Platz nehmen. In einer Zeit, in welcher ein Grossteil der Menschen in der Schweiz keinen kirchlichen Hintergrund mehr hat, müssen wir als Gemeinde das göttliche Heilshandeln nach draussen tragen und den Menschen dieses Heilshandeln veranschaulichen.

Wie Frost an der Konferenz erklärte, muss die Mission das organisierende Prinzip einer Gemeinde sein. Und wir verstehen Mission nicht „nur“ so, dass wir als Gemeinde eine Missionarin nach Bolivien aussenden. Wie es auch schon in anderen Blogs oder Statements aufgegriffen wurde, ist es wichtig, dass in der Gemeinde die Gemeindemitglieder immer wieder herausgefordert, motiviert und angeleitet werden, missional zu leben und so richtig in die säkulare Gesellschaft einzutauchen. Und dieses Eintauchen kann 1000 verschiedene Gesichter haben. Ob das ein Treffen unter Mütter auf dem Quartiersspielplatz, ein regelmässiger Pokerabend mit nichtchristlichen Freunden, die Mitgliedschaft in einer Wandergruppe oder ein Verein der Modelleisenbahnfreunde ist > wenn wir als Königskinder des höchsten Gottes immer wieder in diese Subkulturen eintauchen und durch unser Leben und Handeln Gott veranschaulichen, dann wird das die Gesellschaft spürbar verändern. Das Leben in diesen Subkulturen ist natürlich eine grosse Herausforderung. Wenn man missional lebt, ist man immer im Spannungsfeld zwischen mitmachen/mitlachen und sich zurückhalten – oder wie es Frost ausdrückte: widerstehen und sich darauf einlassen. Aber dieser schönen Herausforderung sollten wir uns alle stellen und nicht aus Angst vor einem Fehltritt die Augen vor den Subkulturen verschliessen. Die Menschen in diesen Subkulturen erreichen, mit ihnen das Leben teilen, ihnen das göttliche Heilshandeln aufzeigen und sie einfach zu lieben > das soll unsere Perspektive sein. Und aus eigenen Erfahrungen wissen wir, dass es wunderschön und erbauend ist, wenn wir Freundschaften zu anderen Menschen in diesen Subkulturen schliessen und mit ihnen das Leben teilen.

Wenn unsere Gemeinden die Mission als organisierendes Prinzip sehnen, werden die anderen Bereiche wie Anbetungszeiten, Gottesdienste, Jüngerschaft oder Gemeinschaft einen ganz anderen Stellenwert erhalten. Wenn wir die Menschen unserer Zeit in den Subkulturen erreichen, können wir noch vielen Menschen die Gemeinde zugänglich machen und ihnen auch ein Zuhause sein. Deshalb sollten die Menschen in unseren Gemeinden immer wieder darin angeleitet werden, wie jede/r Einzelne in diesen Subkulturen leben kann oder wie auch Dienstzweige der Gemeinde als Gruppe in den „Sumpf“ steigen und dort Gottes Heilshandeln veranschaulichen.

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3 Responses to “Die ekklesiologischen Auswirkungen (4/4 – Schluss)”

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  1. Gaestebuch says:

    “Die Kirche kann ihren Auftrag nur erfüllen, wenn sie sich als Alternative zu gottfeindlichen und lebenszerstörerischen Tendenzen in der Gesellschaft versteht……..

    Nun und wo ist das bitte zu finden ganz ehlrlich die kirche hat und wird immer diese tendenzen aufweisen um ihren glkauben aufzuzwingen

  2. Hmmm, ich wage dem hier zu widersprechen. Natürlich gebe ich dem hier beschriebenen inhaltlich allem Recht. These 12 fasst ein paar alte und gute Schlagworte zusammen, aber wirkt doch seltsam deplatziert im Kontext der missionalen Theologie.

    Denn:

    Wenn die Kirche eine „Kontrastgesellschaft“ zur wirklichen Gesellschaft ist, dann lebt sie nicht in der Gesellschaft, sondern grenzt sich ab. Und das ist genau das, gegen das Michael Frost argumentiert.

    Unser Leben soll einen Kontrast zeigen, aber wir sollen in der Gesellschaft leben und keine kirchliche Kontrastgesellschaft aufbauen, sondern Gesellschaft durchdringen, sonst kann man sie ja auch nicht „verändern“, wie es der fromme (und berechtigte) Wunsch der meisten Autoren hier ist.

    Im übrigen würde mich interessieren, wer den Begriff der „Kontrastgesellschaft“ geprägt hat…kann mir jemand helfen?

  3. BroccOli says:

    Ich kann und will mich hier nicht lange darüber auslassen, aber wenigstens kurz soviel dazu: Der Begriff ist meines Wissens weniger institutionell oder strukturell zu verstehen, sondern betont mehr den (hoffentlich positiven 😉 Kontrast hinsichtlich des Lebensstils der Christen mitten in der Welt. Dadurch wird etwas vom bereits jetzt angebrochenen aber noch nicht vollendeten Reich Gottes erfahrbar und für alle Menschen zugänglich. Soviel ich nachvollziehen kann, wurde der Begriff stark neutestamentlich-theologisch geprägt bzw. und geprägt (auch zu Themen wie „Soziale Gerechtigkeit“ usw.).

    Mir fallen spontan zum Begriff Theologen wie Barth, Cullmann, Ladd, Wright usw. ein sowie die Themenkreise Staat und Kirche u.ä. Diese Namen und Themen fallen mir dazu spontan ein.

    Wer kann Konkreteres sagen?