Kirche der Zukunft: Fortschritt mit Rückspiegel

Auf der Suche nach geeigneter Lektüre über die Kirche der Zukunft bin ich unerwartet fündig geworden. Gerade rechtzeitig brachte mir die Post die „Theologischen Beiträge“ ins Haus. Besonders der Artikel von Hennecke über „Glänzende Aussichten“ hat es mir angetan. Ich lege alles beiseite und vertiefe mich in den Aufsatz.

Zwei Dinge faszinieren an diesem Beitrag von Hennecke:

  1. Eine Vision muss geklärt werden. Alle mögliche Visionen über die Zukunft der Kirche werden unreflektiert verbreitet und an den Mann und an die Frau gebracht. Hennecke macht sich die Mühe, klare Fragen an die Vision zu stellen, an eine Vision, die eigentlich eine Wiederherstellung alter Zustände darstellt. Vielleicht glorifizierter, unwirklicher und noch mehr in die Ferne gerückt.
  2. Die Gestalt der Kirche der Zukunft muss sich nicht daran erinnern, was wir sind. Oder gar was wir einst waren und damit die Vergangenheit glorifizieren. Die Frage nach der Zukunft der Kirche orientiert sich daran, wie die Gestalt der Kirche aussehen wird.

Im Originalton:

Und so wird deutlich, dass hier wohl keiner von uns ohne eine Vision auskommt. Um Kirche zu gestalten, braucht es eine solche Vision. Die Frage ist nur, woran diese uns zutiefst anziehende und prägende Grunderfahrung orientiert ist. Damit gilt nicht nur das Wort aus dem Buch der Sprüche: „Ohne Vision verkommt das Volk“ (Spr 27,11), sondern auch: „Mit welcher Vision verkommt das Volk?“ Denn es kann ja sein, dass wir mit einer Vision umgehen, die nicht in unserer Zukunft liegt, sondern in unserer Vergangenheit. Und der Verdacht liegt nahe, dass wir unsere derzeitige Mangellage orientieren an einer Vision, die in der Vergangenheit liegt: einer Re-Vision gewissermaßen. (:244)

Ich habe mich gefragt, wieso angesichts der Früchte, die es zweifellos gibt, wir doch immer wieder zurückschauen auf das, was war. Es hat mir unserer Vision zutun. Die Vision, die die meisten von uns prägt, die in die Kirche gehen, ist das, wie es war, und nicht, wie es wird. Und das ist immer stärker. Darum glaube ich nicht, dass wir schon über den Jordan ins verheissene Land gegangen sind, sondern ich glaube, dass wir zurzeit in diesem Übergang des Sterbens und Auferstehens stehen. Eine Kirchengestalt und mit ihr eine Generation des Volkes Gottes stirbt, sodass in ihrem Schutz ein neuer Beginn erfolgt, der eine ganz andere Kirchengestalt hervorbringt. (:246)

Auf jeden Fall lohnt es sich, mit Geduld auf die Kirche der Zukunft hinzuarbeiten.

Lit: Hennecke, Christian 2009. Glänzende Aussichten – Wie die Kirche einfach wird: Erfahrungen zukünftiger Ekklesiogenesis. ThBr 40. S. 238-254.

Der ganze Artikel ist auf der Seite der Theologischen Beiträge als PDF herunterzuladen.

P.S. : An der IGW-Konferenz liegen Gratisexemplare der Theologischen Beiträge auf.

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