Theologie als Dienstleistung

Wissenschaft ist eine Dienstleistung, die dazu beitragen soll, dass es den Menschen besser geht. Dennoch erhält man bisweilen den Eindruck, Wissenschaft und Gesellschaft seien getrennte Systeme, die nichts miteinander zu tun haben.

So äussert sich Walter Leimgruber, Professor für Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie an der Universität Basel, in Horizonte, dem Magazin des Schweizerischen Nationalfonds (Ausgabe Juni 2009). Diese Feststellung und die darin enthaltene Forderung freuen und provozieren mich gleichzeitig. Sie provozieren mich, über mein eigenes Forschen nachzudenken: Wen habe ich dabei vor Augen? Will ich einen Beitrag leisten? Einen Beitrag wozu?

FensterputzerIch stelle fest, dass theologische Forschungsarbeit kaum als Dienstleistung verstanden wird. Der Zusammenhang zwischen ihr und dem Leben in Gesellschaft und Kirche ist nicht erkennbar oder zumindest nicht nachvollziehbar. Schnell ist dann die Frage zu hören: „Was bringt das?“ Dabei wird vergessen, dass unser theologisches Denken und Handeln auf einem Fundament von Forschung steht, auf der Arbeit von Menschen, die Fragen gestellt haben, deren „Praxisbezug“ vielleicht nicht auf den ersten Blick klar war, deren Beantwortung aber weitere Schritte ermöglichte. Wo wären wir beispielsweise, wenn Menschen nicht die Strukturen der alten Sprachen erforscht hätten, um uns mit Übersetzungen der Bibel zu (be-)dienen? Zu den Fragen, die sie stellten, gehörten auch solche nach den bei Paulus beliebtesten Partizipialkonstruktionen oder dem direkten Artikel im Johannesevangelium. (Man verzeihe mir die NT-lastigen Beispiele.) Heute schütteln bei solchen und ähnlichen Themen viele den Kopf. Dabei ist es nicht so, dass einmal beantwortete Fragen nicht wieder neu gestellt und beantwortet werden dürften oder müssten. Die Wissenschaft bewegt sich (hoffentlich vorwärts).

Als ich ein Kind war, füllte man Löcher in den Zähnen mit Quecksilber-Amalgam. Dass man das heute nicht mehr macht, liegt daran, dass jemand trotz bestehender Lösung weitergefragt hat.

Ich will hier nicht zum grossen Jammern anstimmen. Im Gegenteil. Denn das Problem beginnt ja bei den Theologen, die sich fragen müssen: Diene ich Gesellschaft und Kirche? Oder noch etwas schlichter ausgedrückt: Diene ich den Menschen? (Und es soll jetzt bitte keiner mit dem Einwand kommen, dass der Theologe Gott zu dienen habe.) Leimgruber spricht sich dafür aus, dass diese Diensthaltung in der Kommunikation zum Ausdruck kommen müsse:

Vielen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern graut vor der Kommunikation mit einer nichtfachlichen Öffentlichkeit … Die wissenschaftliche Gemeinschaft sollte sich also verstärkt Gedanken machen, wie die Fach- und Wissenschaftsgrenzen überschreitende Kommunikation verbessert werden kann.

Ähnlich sieht es Markus Bernhard (Leiter der Kommunikationsabteilung im ETH-Rat) in der Neuen Zürcher Zeitung vom 22. September (S. 40):

Die Gesellschaft – für welche die Medien Sprachrohr und Forum bilden – ist immer Zielpublikum der Wissenschaft und an der Wissenschaft teilhabende. Den Dialog von Wissenschaft und Gesellschaft sicherzustellen, war und ist daher eine zentrale Aufgabe.

IGW bemüht sich, Theologinnen und Theologen in Ausbildung ein Umfeld zur Verfügung zu stellen, in dem die Verbindung  von Forschungsarbeit (= Fragen stellen und Fragen beantworten) und Leben selbstverständlich ist. In meinen Augen ist das eine ausgezeichnete Voraussetzung dafür, das eigene Forschen immer mehr als Dienstleistung zu sehen und zu gestalten.

Der ganze Artikel von Walter Leimgruber (1 Seite) steht auf der Seite des Nationalfonds zum Download bereit.

Horizonte – Das Schweizer Forschungsmagazin erscheint viermal jährlich und kann hier gratis abonniert werden.

Dienstleistung Theologie
Theologen sind Dienstleister
Welche Dienstleistung erbringen Theologen?
Theologie als Dienstleistung

Wissenschaft ist eine Dienstleistung, die dazu beitragen soll, dass es den Menschen besser geht.

Dennoch erhält man bisweilen den Eindruck, Wissenschaft und Gesellschaft seien getrennte Systeme, die

nichts miteinander zu tun haben.

So äussert sich Walter Leimgruber, Professor für Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie an der

Universität Basel, in Horizonte, dem Magazin des Schweizerischen Nationalfonds (Ausgabe Juni 2009).

Diese Feststellung und die darin enthaltene Forderung freuen und provozieren mich gleichzeitig. Sie

provozieren mich, über mein eigenes Forschen nachzudenken: Wen habe ich dabei vor Augen? Will ich

einen Beitrag leisten? Einen Beitrag wozu?

Ich stelle fest, dass theologische Forschungsarbeit kaum als Dienstleistung verstanden wird. Der

Zusammenhang zwischen ihr und dem Leben in Gesellschaft und Kirche ist nicht erkennbar oder zumindest

nicht nachvollziehbar. Schnell ist dann die Frage zu hören: „Was bringt das?“ Dabei wird vergessen,

dass unser theolgisches Denken und Handeln auf einem Fundament von Forschung steht, auf der Arbeit von

Menschen, die Fragen gestellt haben, deren „Praxisbezug“ vielleicht nicht auf den ersten Blick klar

war, deren Beantwortung aber weitere Schritte ermöglichte. Wo wären wir beispielsweise, wenn Menschen nicht die Strukturen der alten Sprachen erforscht hätten, um uns mit Übersetzungen der Bibel zu (be-)dienen? Zu den Fragen, die sie stellten, gehörten auch solche nach den bei Paulus beliebtesten Partizipialkonstruktionen oder dem direkten Artikel im Johannesevangelium. (Man verzeihe mir die NT-lastigen Beispiele.) Heute schütteln bei solchen und ähnlichen Themen viele den Kopf. Dabei ist es nicht so, dass einmal beantwortete Fragen nicht wieder neu gestellt und beantwortet werden dürften oder müssten. Die Wissenschaft bewegt sich (hoffentlich vorwärts).

Als ich ein Kind war, füllte man Löcher in den Zähnen mit Quecksilber-Amalgam. Dass man das heute

nicht mehr macht, liegt daran, dass jemand trotz bestehender Lösung weitergefragt hat.

Ich will hier nicht zum grossen Jammern anstimmen. Im Gegenteil. Denn das Problem (wenn es denn

tatsächlcih eines ist) beginnt ja bei den Theologen, die sich fragen müssen: Diene ich Gesellschaft

und Kirche? Oder noch etwas schlichter ausgedrückt: Diene ich den Menschen? (Und es soll jetzt bitte

keiner mit dem Einwand kommen, dass der Theologe Gott zu dienen habe.) Leimgruber spricht sich dafür

aus, dass diese Diensthaltung in der Kommunikation zum Ausdruck kommen müsse:

Vielen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern graut vor der Kommunikation mit einer nichtfachlichen

Öffentlichkeit … Die wissenschaftliche Gemeinschaft sollte sich also verstärkt Gedanken machen, wie

die Fach- und Wissenschaftsgrenzen überschreitende Kommunikation verbessert werden kann.

Ähnlich sieht es Markus Bernhard (Leiter der Kommunikationsabteilung im ETH-Rat) in der Neuen Zürcher

Zeitung vom 22. September (S. 40):

Die Gesellschaft – für welche die Medien Sprachrohr und Forum bilden – ist immer Zielpublikum der

Wissenschaft und an der Wissenschaft teilhabende. Den Dialog von Wissenschaft und Gesellschaft

sicherzustellen, war und ist daher eine zentrale Aufgabe.

IGW bemüht sich, Theologinnen und Theologen in Ausbildung ein Umfeld zur Verfügung zu stellen, in dem

die Verbindung  von Forschungsarbeit (= Fragen stellen und Fragen beantworten) und Leben

selbstverständlich ist. In meinen Augen ist das eine ausgezeichnete Voraussetzung dafür, das eigene

Forschen immer mehr als Dienstleistung zu sehen und zu gestalten.

Der ganze Artikel von Walter Leimgruber (1 Seite) steht auf der Seite des Nationalfonds zum Download

bereit: http://www.snf.ch/SiteCollectionDocuments/horizonte/81/81_20_33_d.pdf

Das Magazin Horizonte erscheint viermal jährlich und kann gratis hier abonniert werden:

http://www.snf.ch/D/Aktuell/Horizonte/Seiten/Bestellung.aspx

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