Leonard Cohen in Basel: Demut ist schön.

Das letzte Mal sah ich Leonard Cohen 1988 auf der Bühne. Damals war ich ein Teenager (gerade noch) und er Mitte fünfzig.

Inzwischen sind wir beide älter geworden. Und da er sich selbst auch so bezeichnete (mit einem Zwinkern allerdings), darf ich hier wohl auch sagen: Leonard Cohen ist ein alter Mann geworden. Doch was für ein alter Mann!

Meine Mutter war es, die mich mit seiner Musik in Kontakt brachte, ich war 15 oder so. Glücklicherweise war das genau die Zeit, in der ich das erste Mal eine Gitarre in die Hand nahm. Und Cohens Lieder sind wie gemacht dafür, nachgespielt zu werden. Ich zupfte und schrummte „Bird on a Wire“, „Suzanne“ oder „So Long, Marianne“, Lieder, die auch dadurch längst Teil meines Lebens geworden sind.

Und jetzt ist Cohen alt und ich bin im mittleren Alter (40 immerhin). Ihn zu hören, wie er mit ungebrochener Kraft und ansteckender Freude und Lust die vertrauten Klassiker vortrug, war ein wunderbares Erlebnis. Doch noch mehr als die Musik hat er selbst mich beeindruckt. Er war ja noch nie der Showstar, der gross und pompös auftrat. Er wirkte immer bescheiden. Doch jetzt ist diese Bescheidenheit gereift zu – Demut. Ja, demütig ist er mir erschienen und freundlich, dankbar, fröhlich. Das zeigte sich darin, wie er seiner brillanten Band seine Anerkennung ausdrückte, es zeigt sich in den Worten, die er ans Publikum richtete, an der Art wie er seine Lieder interpretierte, an seiner Körpersprache, an der Dauer des Konzertes (über 3 Stunden). Es war überall zu lesen.

Und es war einfach schön anzusehen.

Demut ist schön. Freundlichkeit ist schön. Höflich zu sein ist schön. In einem Youtube-Kommentar zu einem Konzertvideo schrieb jemand: „Cohen ist ein wahrer Gentleman.“ Das bringt es auf den Punkt. Und das zu sehe, war einfach schön.

Dass Demut etwas Schönes ist, war mir noch nie so bewusst. Dass Demut und Bescheidenheit attraktiv sind, war mir bei allem Diskutieren und Theologisieren über diese Tugenden noch nie so klar wie gestern, als ich den 76-jährigen Leonard Cohen auf der Bühne sah.

Und vor 40 Jahren:

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4 Responses to “Leonard Cohen in Basel: Demut ist schön.”

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  1. Stephan says:

    SEHR SCHÖN GESAGT – 100% D’ACCORD!!!!

  2. Peter says:

    Bei „If it be your will“ bekomme ich auch immer Gänsehaut…

  3. Profilbild von Cla Cla says:

    @Peter
    Auf der Tour singt Cohen das Lied nicht selbst, sondern überlässt es zwei seiner grossartigen Background-Sängerinnen. Das ging unter die Haut.
    http://www.youtube.com/watch?v=RygLzY2xOVA

  4. Klaus Krebs says:

    Das sind wunderbare Aufnahmen.Für mich hat der MAnn eine natürliche und überzeugende Rhetorik und Körpersprache in all seinen Auftritten. In einigen meiner Seminare verwende ich ähnliche Aufnahmen und man kann wirklich spüren, wie ein solches Auftreten jeden emotional packt.