Von Unberührbaren, Fehlern und Hoffnung

Es gäbe so viel aus Kapstadt vom dritten Lausanner Kongress zu berichten! In den beiden letzten Tagen haben wir Erfahrungsberichte aus Indien, Palästina, Ruanda, Usbekistan, Iran und so vielen anderen Teilen der Welt gehört, wo auf eindrückliche Weise geschildert wurde, was die Versöhnung mit Gott durch Christus in Menschen auslösen kann. Sie verändern ihre Umgebung zum Guten. Ein Beispiel aus Indien:
Das Kastensystem hat nach wie vor verheerende Folgen in Indien. Die so genannten Unberührbaren (Dalit) erleiden Schreckliches. Kinder werden ausgenutzt, ausgegrenzt und missbraucht, Frauen werden als Tempelprostituierte ausgenutzt. Und „Unberührbare“ haben weniger Wert als Tiere. Eine junge Christin aus Indien sagte: „Die Kirche muss global protestieren und die betroffenen Menschen aus der Sklaverei befreien.“ Tatsächlich ist auch Sklaverei nach wie vor an der Tagesordnung in Indien: Schwarzarbeit mit Menschen, die nicht bezahlt werden. 27 Mio Menschen sind in Indien davon betroffen.
Auch ein Bericht aus Ruanda stimmte mich sehr nachdenklich: Antoine Rutayisire, Komission Nationale Einheit und Versöhnung, berichtet, dass sich vor dem Krieg 90% als Christen verstanden. Es gab grosse Aufbrüche im Land mit Einfluss auch auf Nachbarländer. Wie konnte es unter diesen Umständen 1994 zum Genozid kommen? Was lief falsch? Rtaysire sieht vier Gründe:
1. Fehlende Kontextualisierung des Evangeliums, indem viele soziale Ungerechtigkeiten missachtet wurden.
2. Katechetik mit ausschliesslichem Fokus auf Memorisieren, ohne Bezug zu alltäglichen Sorgen.
3. Christliche Missionare zeigten keine Integrität und waren schlechte Vorbilder.
4. Eine zu enge Verbindung von Kirche und Politik, so dass die Kirche es nicht mehr wagte die Politik zu kritisieren.
Heute bezeichnen sich in Ruanda 95% als Christen: Versöhnungsarbeit bringt Täter und Opfer zusammen und glaubwürdige Mission ist die natürliche Folge.

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