Ganz Gemeinde – ganz praktisch

Kongressteilnehmer berichten

Thema:

Was hat dich angesprochen? Welche Impulse nimmst du mit? Welche Konsequenzen könnte der Kongress und deine Erkenntnisse ganz praktisch haben? Welche Relevanz könnte eine solche missional geprägte Theologie auf die Art und Weise haben, wie du deinen Glauben in deinem institutionellem Umfeld lebst? Was könnte sich ändern, und welche Auswirkungen hätte das?

Nimm (d)einen konkreten Kontext (Kirche, Gemeinschaft, Werk) als Grundlage und beantworte die Frage im Blick auf diesen Kontext.

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26 Responses to “Ganz Gemeinde – ganz praktisch”

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  1. Päsci Hess says:

    Zur Zeit schwingt bei mir vor allem noch das Buch von Johannes Reimer nach. Dies darum, weil es für traditionelle gottesdienstzentrierte Gemeinden Anknüpfungspunkte zur missionalen Theologie bzw. zum missionalen Gottesdienst bietet. Ich behaupte damit nicht, dass seine Ausführungen leicht umzusetzen sind und dass es ein kein totales Umdenken braucht. Vom Gefühl her, lässt Reimer den bestehenden Gottesdienstformen aber eine Chance, zum missionalen Erlebnis zu werden. Bei anderen missionalen Ausführungen klang eher die Überflüssigkeit des Gottesdienstes oder seine ungeeignete Form an – erst etwas total neues kann missional werden.

    Ich bleibe bei Reimers Gedankengut zum missionalen Gottesdienst – für den Moment liegen diese Gedanken näher an meiner Erlebniswelt als Kommunitätsgemeinschaften, etc! Die Relevanz und die Unterschiedlichkeit der missionalen Theologie ist frappant. Es beginnt mit der Haltung zum Gottesdienst, in den ich komme um ein persönliches spirituelles Erlebnis zu holen – es geht um mich und nur sekundär um Gott. Der missionale Gottesdienst hingegen, denkt alles von Gott her (Reimer 2010:44). Eine solche radikale Veränderungen des gottesdienstliches Bedürfnisses hätte in meinen Augen bedeutende Folgen. Menschen kommen nicht einfach in einen Gottesdienst weil sie sollten. Sie begegnen Gott und entdecken seine Mission. Die Verantwortung von geistlichem Wachstum wird nicht alleine von der Predigt abhängig gemacht. Man hört auf, blosser Betrachter des Gottesdienstes zu sein. Gottesdienstliche Formen reden in den alltäglichen Kontext der Menschen und die Mittel der Verkündigung stammen von der Kultur selbst (:51).

    Ein solcher Kulturwechsel beginnt wie vieles im Reich Gottes, im Kleinen – ganz persönlich oder in kleinen Gruppen. Zuerst bin ich gefordert darüber nachzudenken, wie ich Gottesdienst denke und lebe. Gottesdienst muss von Gott her gedacht und gelebt werden und nicht von mir aus – eigentlich eine Selbstverständlichkeit, was aber in der Realität leider nicht immer so ist. Erst wenn ich den missionalen Gedanken eines Gottesdienst verstanden habe, bin ich fähig andere dafür zu begeistern. Ich gebe dies meiner Familie, Freunden und sogar meiner Gemeindeleitung weiter. So könnte es in meinem Umfeld in kleinen Schritten ganz praktisch beginnen.

    Doch die missionale Theologie spielt sich ja nicht nur im Gottesdienst ab – sondern ist eine Lebenseinstellung. Das missionale bewegt sich von der gottesdienstlichen Gottesbegegnung bis hin zur neutestamentlichen zwischenmenschlichen Gemeinschaft. Eine Gemeinschaft geprägt von teilendem Leben, Korrektur, Herausforderung und Liebe. Auch hier stellt sich die Frage – bin ich bereit diesen Weg und diesen Gesinnungswechsel zu gehen? Der Erste und mir bekanntere Schritt ist die gottesdienstliche Begegnung zu korrigieren und anzupacken. Habe ich das geschafft, wird auch die Umsetzung der missionalen Theologie im alltäglichen Leben als zweiter Schritt irgendwann möglich werden.

  2. Philipp Baumann says:

    In einem der ersten Referate sprach Steve über unseren Lebenswandel. Wir sollen ein heiliges Leben führen, ein Leben das Gott gefällt und das ihn verehrt. Bevor ich nun darüber nachdenken will, wie meine Gemeinde missional sein kann, beziehungsweise, was sie verändern muss, ist es nötig mein eigenes Leben zu reflektieren. Ich bin davon überzeugt, dass wenn ich einen heiligen Lebensstil vor Gott führe, ich dann zusätzlich auch einen missionalen Lebensstil führe. Ein heiliger Lebensstil reflektiert schlussendlich auch einen Teil Gottes. Gott ist ein Gott, welcher die Menschen sucht und erretten möchte. Er begegnet jedem Menschen auf eine andere Weise. Dem Einen begegnet Jesus persönlich oder in einem Traum, der Andere liest die Bibel, jemand hört eine Predigt oder sieht Gott als Schöpfer in der Natur. Was heisst dies für mich? Ich muss offen dafür sein, dass Gott durch mich jedem Menschen anders begegnet. Sei dies in der Kirche wenn ich predige, am Arbeitsplatz in einem Kaffeegespräch mit dem Mitarbeiter oder wenn ich jemandem meine Hilfe auf der Strasse anbietet. Missional bedeutet für mich Gottes Reich in jedem Ecken der Welt sehen und erkennen. Die Gemeinde kann zwar selber missional tätig sein, doch ist es auch ihre Aufgabe die Mitglieder so auszurüsten, dass sie in ihrem Umfeld missional leben. Hier hilft die Theologie der Gemeinde, immer wieder den Fokus zu legen, dass Menschen gesucht und gerettet werden. Dies muss eine zentrale Kernaufgabe der missionalen Gemeinde sein. Zurück zum Anfang zum heiligen Lebensstil. Wenn ich mir nicht bewusst bin, dass mein heiliger Lebensstil eng mit meinem missionalen Lebensstil verknüpft ist, so kann ich noch so missional leben, die Leute werden`s mir nicht abnehmen. Lebe ich ihnen ab vor, was Jesus uns gelehrt hat, dass ich jeden Menschen gleich achte, dass ich treu bin, mich für Gerechtigkeit einsetze oder mich nicht scheue kompromisslos zu lieben, dann glaube ich, dass ich eine Chance habe, ihnen etwas von Jesus zu erzählen. Wir als Gemeinde brauchen als nicht neue Formen und Strategien, sondern ein Lebenswandel, der Gott gefällig ist und ein brennendes Herz, dass die Menschen um uns herum zu Jesus finden.

  3. Christoph Bachmann says:

    Johannes Reimer (2010:18) stellte die folgende provokative Frage in den Raum: Wird „die Unterhaltungsmentalität [im Gottesdienst] am Ende zum Leichenhaus der Kirche“? Diese Frage beschäftigt mich sehr. Gerade letzten Sonntag waren das Komiker-Duo „SuperZwei“ (ehemals „NimmZwei“) zu Gast in unserer Kirche. Volle Kirche, Gelächter, Pfiffe und …? Ja und was bleibt am Schluss? Oder in der Frage, die auch Postman (zit. in Reimer 2010:18) stellt: „Amüsieren wir uns nicht auch in der Kirche zu Tode, wenn wir unsere Urteilsbildung im Zeitalter der Unterhaltungsindustrie dem Zeitgeist überlassen?“
    Die „einfache“ Antwort Reimers darauf, was einen missionalen Gottesdienst ausmacht, hat mich herausgefordert. Er (:30) schreibt: „Es geht im Gottesdienst um Gott und seine Ehre. Und es geht im Gottesdienst um den Menschen und seine Wiederherstellung.“ Es geht primär und zuerst um Gott. Er lädt ein (Missio Dei). Dieser Gedanke faszinierte mich neu. Immer noch erkenne ich meine starke Prägung, dass ich zum Gottesdienst gehe, um etwas abzuholen und aufzutanken. Ich, ich und nochmals ich… Aus der Perspektive eines Mitarbeiters, gestalten wir den Gottesdienst für Aussenstehende, für „unsere Schafe“, aber letzt endlich nicht für Gott. Ich bemerkte, dass dieses grundlegende Missverständnis gezwungenermassen zum Konsumverhalten führt. Und genau diese Herausforderung haben wir in unseren Gottesdiensten, trotz aller neuen Ansätze.
    Einmal mehr war ich auch über das klare Bekenntnis im Manifest von Manila vom Jahre 1989 erstaunt: „Indem wir die Liebe Gottes verkündigen, müssen wir gleichzeitig in liebendem Dienst engagiert sein; indem wir das Evangelium vom Reich Gottes predigen, müssen wir seinen Forderungen für Gerechtigkeit und Frieden verpflichtet sein.“(:14) und gesteht ein:„Wir sind tief beschämt darüber, dass wir zeitweise als einzelne und als christliche Gemeinden zwar Christus im Wort bekannt, ihn aber in der Tat verleugnet haben.“ (:19) Das Wahrnehmen der sozialen Verantwortung bei den Evangelikalen ist eindeutig. Weiter zeigt sich die missionale Theologie in der Aussage: „Eine Gemeinde, die Missionare aussendet, darf darüber nicht ihren eigenen Ort vergessen.“ (:20) und führt weiter aus unter Punkt 18 (Wozu wir stehen): „Wir bekräftigen unsere Pflicht, die Gesellschaft, in der wir leben, zu untersuchen, um ihre Strukturen, Werte und Bedürfnisse zu verstehen und so eine angemessene Missionsstrategie zu entwickeln.“ Es gilt eine gesellschaftsrelevante Kirche zu sein und das heisst: Profil bekennen und raus in die Gesellschaft! Bekenntnisse sind gut, verändern aber noch nicht die Situation. Sie sind erst der Beginn, die Einsicht.
    Doch was hindert Mitglieder unserer Gemeinde, ihre Türen, ihr zu Hause für Nachbarn und Menschen zu öffnen? Was hindert sie, sich weg von ihrer Ich-Bezogenheit hin zu anderen Menschen zu gehen? Es braucht einen Perspektivenwechsel. Nicht ich und Gott, sondern Gott und ich. Diese kleine Nuance hat grosse Auswirkungen. Erklärend kommt hinzu was Stott (1989:3) schreibt und Steve Timmis am Kongress lehrte: „Wo ist heute die Bereitschaft, für das Evangelium zu leiden?“ Meine tiefe Überzeugung ist, dass die Geh-hin Struktur eine hohe Leidensbereitschaft fordert, die wir nicht mehr bezahlen möchten. Die freiwillige (!) Aufgabe unserer Privilegien und die Konfrontation mit dem Elend der Welt sind aber genau das, was Jesus gelebt hat und wozu er heute noch jeden auffordert: „Kommt! Folgt mir nach!“ (Mt 4,19; vgl. besonders 1 Joh 2,6).

  4. Tom Weiler says:

    Nun ist einige Zeit gegangen seit der Konferenz „Ganz Gemeinde“ und wenn ich zurück denke hat mich angesprochen wie biblisch fundiert die Theorie von Timmis ist.
    Ganz speziell hat mich folgender Vers betroffen:
    „Ihr habt euer Innerstes gereinigt, indem ihr euch der Wahrheit im Gehorsam unterstellt habt, sodass ihr euch jetzt als Geschwister eine Liebe entgegenbringen könnt, die frei ist von jeder Heuchelei. Darum hört nicht auf einander aufrichtig und von Herzen zu lieben.“ (1 Pet 1.22)

    Eigentlich erzählt Timmis nichts neues, es steht schon lange alles in der Bibel aber er hat es auf eine Art erklärt die sehr verständlich war. Vor allem die praktische Beispiele und Erfahrungen aus seiner Gemeinde waren sehr hilfreich.
    Es hat verschiedene Impulse gegeben die ich mitgenommen habe. Ich fand es sehr interessant wie er seine Gemeinde, Familie und soziales Umfeld miteinander verbunden hat.
    Die praktische Konsequenz von so einer Vermischung der Kreise könnte sein, dass sie einander nicht nur kennenlernen sondern auch voneinander profitieren können. Was an dieser Vermischung speziell ist, ist dass mindestens einer von diesen Kreisen durch Gott geprägt ist (oder sein sollte…).
    Ich finde grosser Relevanz von dieser missional geprägte Theologie auf die Art wie ich mein Glauben im persönlichen institutionellen Umfeld auslebe. Der Wunsch wäre, dass dieser Gemeindenkreis einen Zugang bietet zu Gottes Gegenwart für die Nichtchristen in den anderen Kreisen.
    Es könnte sich dadurch vieles verändern, durch den Umgang miteinander, durch Erfahrungen und Zeugnisse sieht so ein Nichtchrist aktiv und praktisch wie Gott in einem Leben wirken kann und hat somit auch ein viel kleinerer Hemmschwelle zur Kirche. Wenn Nichtchristen Gott anfangen zu erleben durch ihre christlichen Kollegen, gibt es keine Grenzen für Gott!

  5. Stefan Heusser says:

    Sehr in Erinnerung geblieben ist mir das Thema Leid in Bezug auf Mission. Wollen und sehen wir diesen Gedanken bei uns in der Gemeinde? Ich selber beobachte bei mir, wie sehr ich mich dagegen sträube. In persönlichen Gesprächen mit Christen höre ich immer wieder, wie sehr sie sich nach Erweckung sehnen, nach „Zustände“ wie zur Zeiten der Apostel und der Ersten Gemeinde. Doch sind wir auch wirklich bereit in diesen Fusstapfen zu gehen und ihnen zu Folgen? Alles dafür zu opfern, wie sie es taten? John Stott geht in „Christus und Mission – die Herausforderung der Gegenwart“ sogar soweit, Leiden als Bedingung und Voraussetzung dafür zu nennen, dass andere Menschen das Heil erfahren könnten. Steve Timmis bezeichnet in seinem Ersten Referat Christen sogar als „Ausgestossene“ und „Zerstreute“.
    Reimer (2010:18) warnt in seinem Buch „Gott in der Welt feiern“ über die Gefahren von „menschengerechten Gottesdiensten“. All zu schnell werde solch ein Gottesdienst zur reinen Unterhaltung, in der die Besucher Ihren spirituellen Kick bekämen. Doch dabei stelle sich die Frage, ob wir uns dort nicht einfach „zu Tode“ amüsieren würden? Rufe uns die Traditionen , Erwartungen und der Kick zum Gottesdienst, so Reimer (2010:45) weiters, werde eine Gemeinde mehr oder weniger zur einer langweiligen Veranstaltung. Eine Religion werde zur Quelle gemacht, die man für sich persönlich nutzbar machen könne. Wo im Gottesdienst nicht mehr Gott erwartet werde, verliere er seine Bestimmung. Er orientiere sich in seinen Formen, seiner Sprache und Gestalt an der Kultur der Menschen. Nicht die Gläubigen, sondern die Ungläubigen würden die Maßstäbe für die Verständlichkeit setzen. So zum Beispiel wenn es um die Zungenrede geht (1 Kor 14). Dies macht mich doch recht nachdenklich. Denn wie schnell geht es uns in einem Gottesdienst wirklich um unsere Bedürfnisse? Doch Gottesdienst ist, wie es der Name bereits sagt, primär Dienst an Gott. Doch wir wollen eine „geisterfüllte“ Predigt, sehnen uns nach einen Lobpreis, bei dem es zu „Gänsehauterlebnisse“ kommt und stark emotionale Gefühle frei werden. Dies ist schön und gut und darf durchaus Platz haben. Doch ist es wirklich das, was sich Gott unter der Gemeinschaft der Gläubigen vorstellt? Fühlen sich Aussenstehende denn überhaupt wohl, wenn sie das Erste mal ihren Fuss über eine Gemeindeschwelle wagen und in unseren christlichen „Subkultur“ zurecht kommen müssen? Denn Gottesdienst ist eine Veranstaltung, zu der Gott einlädt. In der ganzen Bibel war der Gottesdienst vor allem für Gott da. Gott hat sein Volk in dieser Welt nicht zum Selbstzweck bestimmt. Sein missionarisches Interesse ist die Welt und nicht die Kirche.

  6. Lukas says:

    Die Referate von Timmis erinnerten mich an Gespräche mit alten Gemeindegliedern aus meiner Heimatgemeinde Mein Hintergrund ist eine ländliche Bergregion. Vor gut hundert Jahren kamen durch verschiedene erweckliche Aufbrüche viele Menschen zu dem Glauben an Jesus. Auch unsere Gemeinde ist ein „Produkt“ dieser Zeit. Warum schreibe ich dies? In diesen Gesprächen merkte ich, dass ihre Beschreibung der Gemeinde von damals einige Ähnlichkeiten mit der missionalen Gemeinde von heute hat: Die Gemeinde versammelte sich in Wohnstuben. Der Gottesdienst fand mitten in ihrem Leben statt. Jüngerschaft, auch wenn nicht so genannt, war ein wesentlicher Bestandteil des Gemeindelebens. Lernen durch Tun war an der Tagesordnung. Weiter waren die Bewohner der Talschaft auf gegenseitige Hilfe angewiesen egal ob jemand in eine Gemeinde ging oder nicht. So konnten skeptische Menschen Christus im Leben ihrer Mitmenschen erleben.
    Wie können diese Prinzipien heute umgesetzt werden? Indem wir alles wie früher machen klappt es sicher nicht. Besonders fasziniert mich der Gedanke von Steve Timmis, unsere Mitmenschen an unserem Leben teilhaben zu lassen. Um dies umzusetzen brauchen wir nicht mehr Zeit. Doch fordert es von uns eine grundsätzliche Offenheit, dass Menschen in mein / unser Leben treten dürfen. Eine Aufspaltung des Lebens in Arbeit, Freizeit und Glaube muss aufgegeben werden. Darum reicht es nicht von Jesus zu sprechen, sondern die Identität und Beziehung mit ihm muss ausreichend gepflegt werden. Auf diese Weise können auch Menschen die Jesus nicht persönlich kennen, Ihn in unserem Leben und Worten treffen. Auch die Liebe unter Glaubensgeschwistern hat bei uns noch viel Entwicklungspotential. Damit meine ich nicht ein Gefühl von Friede, Freude und Eierkuchen, sondern Liebe, die neben dem Mund auch mit Händen und Füssen spricht, wie auch andersartigen Mitchristen mit Respekt begegnet.
    Was für Handlungsbedarf sehe ich bei den Gottesdiensten? Beim Lesen von Reimer wurde mir bewusst wie stark in unseren Gottesdiensten das Programm von einigen „Beauftragten“ durchgeführt wird. Die Mündigkeit des einzelnen Gläubigen würde gestärkt, wenn der Gottesdienst ein Treffen wäre, bei dem jeder dazu beiträgt, was er von Gott empfangen hat (1.Kor 14,26). Nun nach all diesen Ideen und Gedanken: Ohne Wirksamkeit des Heiligen Geistes gibt es keine Gemeinde und damit auch keinen Gemeindewachstum. (Reimer 2010:58) Er überführt Menschen von ihrer Sünde und führt sie hinein in eine Beziehung mit dem Vater. Diese Erkenntnis finde ich wichtig, damit wir nicht in einem erarbeiten von vielen guten Ideen und Strategien stecken bleiben, sondern bewusst die Beziehung zu Gott und aus der Abhängigkeit von ihm heraus leben.

  7. Kipfer Nathan says:

    „Stell dir vor, es ist Gottesdienst und allen wollen hin.“ Dieses Zitat von Dr. Johannes Reimer hat mich berührt und bewegt mich noch immer. Ist dies eine unerreichbare Träumerei, oder eine Vision, die Gott hilft umzusetzen? Das Buch „Gott in der Welt feiern“ von Reimer verschaffte mir einen guten und fundierten Überblick über die Gemeinde, als Projekt Gottes. Reimer erläutert viele Fragen und Sachverhalte, die eine Gemeinde beschäftigen können.
    Ein Gottesdienst zu dem alle hin wollen, der bibeltreu ist und trotzdem nicht veraltet. Wie sieht so ein Gottesdienst aus? Es gibt es keine Patentlösung, aber etwas ist für mich sehr einleuchtend. Wir müssen differenzieren zwischen Form und Inhalt. Letzteres ist gegeben und die Form ist frei gestaltbar, dient aber dazu den Inhalt zu verstehen. Form ist ebenso wichtig wie Inhalt. Zentral ist jedoch: Inhalt vor Form. Den Massstab für Verständlichkeit müssen die Ungläubigen setzen und nicht die Gläubigen, sonst werden garantiert nicht alle hin wollen. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir als Gemeinde an diesem Punkt noch grossen Nachholbedarf haben.
    Vor einigen Wochen führten wir bei uns einen Gemeindetag zum Thema „Gemeinde im Wandel der Zeit“ durch. Wir stellten als Gemeinde fest, dass wir ohne Kompromiss am Inhalt von Gottes Wort festhalten wollen, und die Form sich ändern darf. Es ist noch keine Umsetzung, sondern erst eine Feststellung, aber jede Umsetzung muss mit einer Feststellung beginnen. Tief im Herzen ist in allen evangelikalen Christen der Wunsch Menschen mit dem Evangelium zu erreichen. Damit aber die Menschen in meinem Dorf das Evangelium verstehen können, darf es nicht mit alten, unverständlichen Formen umhüllt sein, die niemanden mehr ansprechen. Ich möchte mich in Zukunft daran beteiligen, dass wir als Gemeinde Formen finden können, in denen wir wohl sind und vor allem auch Nichtchristen die gute Botschaft verstehen können.
    Steve Timmis hat am Kongress erläutert, wie stark sich die ersten Christen für die Menschen eingesetzt haben. Dies hat mich tief bewegt, ihre Nächstenliebe schien kein Grenzen zu haben. Ich wünsche mir zutiefst, dass wir als Gemeinde ganz ein neues Herz für unser Dorf bekommen können. Ein Herz voll von Nächstenliebe.

  8. Bea says:

    Bei allen Diskussionen und Abhandlungen über missionalen Gemeindebau spricht mich die Tatsache sehr an, dass dies nicht eine „neue“ Strategie ist. Eher könnte man diese Bewegung „back to the roots“ nennen. Im Zentrum steht das Evangelium vom Reich Gottes. Gott selber ist unser Vorbild, seine Mission wird zu unserem Auftrag. In der Menschwerdung Jesu Christi, seinem Leiden und seiner Auferstehung finden wir die beste Anleitung, wie Mission heute funktionieren soll. Eine Kirche, die an diesem Evangelium ganzheitlich festhält und sich danach ausrichtet, ist auf dem besten Weg zu einer missionalen Gemeinde.

    Auch unsere Gemeindeleitung setzt sich im Moment mit den Fragen rund um inkarnatorische Mission auseinander. So spannend diese Prozess auch ist, stelle ich trotzdem fest, dass diese Mission bei jedem Einzelnen, im Kleinen, beginnt. Auch wenn unsere Gottesdienste missional gestaltet werden und die Leitungsorgane sich eine missionale Theologie aneignen, liegt schlussendlich die Verantwortung bei jedem Einzelnen, ein Zeuge zu sein. Mein Leben spricht eine Botschaft, die Frage ist nur: welche?

    Wenn mein Leben geprägt ist von der Retterliebe Gottes, wird dies meine Worte und Handlungen durchdringen. Dann befähigt sein Geist mich, den Menschen mit Liebe zu begegnen und sie an meinem Leben Anteil haben zu lassen. Dann ist mein Missionsfeld die Person, der ich jetzt begegne, sei es mein Chef, die Kassiererin in der Migros, der Typ, der mich vor dem Bahnhof um einen Stutz bittet, die einsame Nachbarin. Meine Mission ist das Hervorbringen des Reiches Gottes, sei es durch Gebet für Heilung, Kauf eines Fairtrade-Produktes oder Weitergeben meines persönlichen Zeugnisses.

    In diesem Sinne wünsche ich mir, dass ich, meine Gemeinde, die Christen v.a. in der westlichen Welt gepackt werden von der gleichen Liebe, die Gott dazu getrieben hat, sich selber für uns hinzugeben.

  9. Raphael Schneider says:

    Das Zitat von Marc Nussbaumer beschäftigt mich immer noch. Er sagte in seinem Referat „Turnaround“ wir sollen aufhören Kirche zu spielen sondern sie zu leben. Diese Aussage beschäftigt mich mehr als vieles anderes was ich zu diesem Kurs lesen musste oder gehört habe. Ich denke, dass der Grund darin liegt das ich mich als Betroffener fühle. Natürlich lebe ich leidenschaftlich für Gott und für meine Gemeinde und versuche so gut wie möglich als Jugendarbeiter zu arbeiten. Aber ich merkte, dass ich der Gemeinschaft in der Gemeinde einen zu hohen Stellenwert gab. Ich dachte immer, wenn die Gemeinschaft innerhalb meiner Jugendgruppe stark genug ist und der Glaube zu Gott gewachsen ist, dann können wir als Jugendgruppe oder als Jungschar das Evangelium verkünden.
    Genau diese Denkweise macht es auch schwierig, dass neue Leute in eine Gruppe kommen. Denn wenn ich ehrlich fühle ich mich auch nicht wohl in einer Gruppe die den Eindruck hinterlässt eine geschlossen Gemeinschaft zu sein. Gemeinschaft in einer Gruppe ist sehr wichtig, aber am Ende nützt sie niemanden etwas, wenn man sie nicht mit anderen teilt. Die Aussage von Marc Nussbaumer und das im ersten Blogg beschriebene Erlebnis veränderte meine Sicht- und Denkweise.
    Intensiv begann ich mir zu überlegen welche Schritte wir in der Jugendarbeit unternehmen können, um Aussenstehende zu erreichen und die Gemeinschaft die in unseren Jungscharen und Jugendgruppen enstanden ist weiterzugeben und für alle zu öffnen.
    Ich möchte versuchen unsere Programme so weiter zu entwickeln, dass sie auch auf einem Sportplatz im Dorf durchgeführt werden können. Denn Kirche leben heisst für mich, die Nöte und Bedürfnisse in meiner Umgebung kennenlernen und dort mit der Kirche zu handeln. Wenn wir es als Kirche schaffen Not zu lindern in unserer Umgebung und durch einfache Art und Weise unsere Gemeinschaft, unser Glaube weitergeben bin ich sicher, dass viele Menschen plötzlich merken, dass sie uns ein Anliegen sind und wir einen anderen Zugang zu ihnen erreichen als bisher. Was wiederum zur Folge hat, dass wir als Christen ihnen Vorleben können was es bedeutet für Gott zu leben.

  10. Stefan Fankhauser says:

    Besonders angesprochen hat mich Johannes Reimers Buch Gott in der Welt feiern, aber auch John Stotts bericht. Sie beschreiben, dass Jesus als inkarniertes Wort Gottes den Gemeinden illustriere wie sie missional tätig sein sollten. Sie betonen mehrmals, dass Gemeinden kulturell relevant sein müssen. Viele Kirchen haben nicht erkannt, dass sie die Sprache der Menschen von heute sprechen müssen. Meine Kirche ICF, setzt hierauf einen starken Fokus.
    Kürzlich hatte ich jedoch eine Diskussion mit einem Freund. Er fand, dass eine Gemeinde wie ICF gefährdet ist zu weltlich zu werden. Ich teile Reimers Meinung, dass diese Gefahr nur besteht, wenn man nicht klar zwischen Form und Inhalt unterscheidet. Meine Kirche ist bibeltreu, jedoch ist die Form der Gottesdienste auf urbane junge Menschen von heute ausgerichtet. Dieses Prinzip lebte auch Paulus: „…Ich bin allen alles geworden, damit ich auf alle Weise einige rette.“ (1 Kor 9,22). Genauso sollten wir uns mit den Nöten, Ideologien und Weltansichten, der Menschen in unserem Umfeld auseinandersetzen. Stott meint: „Das ist die Inkarnation – ‚Menschwerdung’, die in die Welt anderer Menschen Eintritt in die Welt ihrer Gedanken und Herzen.“ Das ist was Jesus selbst getan hat. Auch Steve Timmis lehrte am Kongress, dass es wichtig ist zu den Menschen zu gehen und nicht zu erwarten, dass sie zu uns kommen. Dies ist eine herausfordernde Aufgabe, der sich Kirchen noch konkreter stellen sollten. ICF gestaltet Gottesdienste, die auf kirchendistanzierte Menschen ausgerichtet sind. Trotzdem, gibt es immer noch viele Nichtchristen, die kritisch sind oder um keinen Preis dahin kommen wollen.
    Die Autoren der verschiedenen Artikel haben nicht detailliert beschrieben, welche missionale Möglichkeiten sie sehen. Flury Bärtsch erklärte an der Konferenz, dass wir bewusst unter Subkulturen wie Punks, Skater, Business-Leute, Sportler leben und uns mit ihnen identifizieren sollten. Ich selber finde diesen Ansatz schwer umsetzbar, für Menschen wie mich, die sich nicht unbedingt zu einer Subkultur zählen.
    Im Gegensatz zu Flury Bärtsch räumt Reimer dem Gottesdienst in der Gemeinde einen besonderen Stellenwert ein. Er meint, dass durch viele verschiedene Gottesdienstangebote zu unterschiedlichen Tageszeiten und für verschiedene Alterskatogerien, ein breites Spektrum von Menschen angesprochen werden kann.
    Wie ich beim letzten Blog erwähnt habe, sehe ich Interessengruppen, in denen das gemeinsame Hobby geteilt wird, als weitere Möglichkeit, um mit Nichtchristen Zeit zu verbringen. Solche Angebote helfen Nicht-Christen, ihre Vorurteile gegenüber Christen abzubauen und vielleicht auch eines Tages in die Gemeinde zu kommen. Die Frage wie wir Menschen als Gemeinde erreichen ist für mich dabei aber noch nicht abschliessend beantwortet.

  11. Eduard Löwen says:

    „Ich bin Gemeinde“ oder „Wir sind Gemeinde“ – zu diesem Fazit sind einige von uns nach dem Kongress gekommen. Aber was bedeutet das? Was heisst das praktisch? Heisst das, ich bin Sonntags im Gottesdienst „Gemeinde“? Ich bin, dort wo ich bin, ein Licht. Reimer schreibt, dass nichts so typisch für eine christliche Gemeinde ist wie der Gottesdienst. Wo und wann diene ich Gott? Bedeutet das nicht, dass ich als „Gemeinde“ überall wo ich bin, Gottesdienst feiere? Bin ich nicht Licht, wo immer ich mich aufhalte? Wie ist das mit den alltäglichen Begegnungen am Arbeitsplatz, beim Einkaufen oder an der Tankstelle? Sind wir uns dessen bewusst, dass wir auch dort Gemeinde sind? Bin ich auch Gemeinde, wenn ich mit Arbeitskollegen ein Bier trinken gehe? Glaube ich, dass ich als Salz der Welt eine würzende Wirkung auf mein Umfeld habe, unabhängig davon was ich tue oder fühle? Können wir unsere Probleme als Hilfsmittel sehen, das Gott uns schenkt, damit wir wachsen? Denn das ist doch das was Gott an uns tun will – uns wachsen lassen. Das ist das was die Welt sehen will, die Kraft der Veränderung die das Evangelium hat.
    Aus meinem Kontext heraus, ist mir immer mehr klar geworden, dass Seelsorge (die Sorge um die Seele, dass sie in dem Prozess der Heiligung ist) sehr viel mit Heiligung zu tun hat. Das hat etwas sehr zentrales, dass Gott unser Leben lang immer wieder Muster oder Verletzungen bei uns aufdecken will um uns zu heilen und wiederherzustellen und somit unsere Persönlichkeit reifen zu lassen. Aber auch um uns seine Gnade immer und immer wieder zu zeigen.
    John Stott hat mich am meisten mit dem „Kreuz Christi“ angesprochen. Da wir am Anfang einer Hausgemeindegründung stehen, haben wir viel darüber gesprochen, wie wir uns Hausgemeinde vorstellen. Wir sind uns dessen bewusst, dass es uns zu einem Teil unserer Privatsphäre kostet, wenn wir Menschen aus unserer Umgebung einladen? Vor ein paar Jahren habe ich zum ersten Mal in meinem Leben gehört wie jemand betete, er wolle Jesus nachfolgen, egal was es ihn koste. Das hat mich beeindruckt und ich betete auch so, ohne zu wissen welche Konsequenzen das haben könnte. Gott nimmt so etwas ernst. Seitdem habe ich erlebt, wie Gott mich in Prozesse geführt hat, die dafür dienen, dass der alte Mensch in mir stirbt. Die Lektion ist, bevor etwas Neues entstehen kann, muss das alte sterben. Wenn ich das heute wieder bete, dann in einem ganz anderen Bewusstsein. Wir brauchen die Zeiten der Gemeinschaft miteinander, wo wir uns gegenseitig ermutigen und austauschen, wie Gott mit uns unterwegs ist. Aber ich gelange immer mehr zu der Sicht, dass wir Gemeinde im Alltag sind. Jesus nachzufolgen kostet uns – ALLES! Sind wir bereit das auszuhalten?

  12. Lea says:

    Es ist jetzt ein knapper Monat verstrichen seit der IGW-Konferenz und doch schwingen noch viele Impulse nach. Mir fällt es nicht ganz leicht einem einzigen Gedanken nachzugehen, denn die Auswahl ist ziemlich gross.
    Ein Thema, das mich vor allem bei der Lektüre von John Stotts Artikel Christus und Mission – die Herausforderung der Gegenwart nachdenklich gemacht hat ist das Thema der Inkarnation. Stott sagt, dass das Modell für jegliche Mission die Menschwerdung Christi ist. Gott selbst hat sich in seiner Mission im höchstmöglichen Masse mit uns identifiziert ohne seine eigene Identität aufzugeben. Seine Mission soll nun das Vorbild sein für unsere Mission.
    Mich fordert dieser Gedanke extrem heraus. Einerseits das Prinzip der Inkarnation an sich, sprich mich mit den Menschen um mich herum zu identifizieren. Gleichzeitig aber auch meine eigene Identität nicht zu verlieren bzw. ihr unsicher zu werden. Da muss ich immer an den Sternschritt im Basketball denken. Das Standbein muss fix am Boden bleiben und das andere Bein ist frei beweglich, wobei es jetzt eben fraglich ist wie frei es wirklich ist.
    Ich glaube Jesus lebte ebenfalls in so einem Spannungsfeld. Gott wird Mensch und bleibt trotzdem Gott, inwiefern ist das überhaupt eine Identifikation? Und nun soll ich ihm das gleich tun. Die Tatsache das Gott uns seinen Heiligen Geist gesandt hat, lässt mich dann wieder aufatmen, denn dieser hat es mit Jesus schon erlebt und wird auch mir helfen. Wenn also Stott meint meine Mission soll Gottes Mission als Vorbild nehmen, so habe ich immerhin schon den Geist in mir der beide Seiten kennt.
    Wenn ich nun an den Workshop mit Florian Bärtsch denke, dann sehe ich eine grosse Gemeinsamkeit mit John Stott. Florian ist ebenfalls davon überzeugt, dass Mission immer stark mit Inkarnation zusammenhängt. Am besten gelingt das seiner Meinung nach, indem man bei seinen eigenen Freundeskreisen beginnt. Wieso etwas mühsam aufbauen wenn es an anderen Orten schon da ist. Wenn beispielsweise ein Punk sich bekehrt, dann soll das erste Ziel nicht sein ihn aus dieser Szene herauszuholen, sondern durch ihn Gott da rein zu bringen. Er ist ja schon einer von ihnen. Dieses Beispiel hilft mir das Prinzip dahinter zu verstehen und es zeigt mir etwas sehr Zentrales aus einer neuen Perspektiven: Mission ist am einfachsten und wirkungsvollsten dort zu leben wo du bist, denn dort bist du schon einer von Ihnen.

  13. Rolf Steiger says:

    Mich hat das Manifest von Manila, insbesondere die 16. Bekräftigung „Wir bekräftigen, dass sich jede christliche Gemeinde ihrer örtlichen Umgebung im evangelistischen Zeugnis und im hingebungsvollen Dienst zuwenden muss“ sehr angesprochen. Ich beziehe diese Bekräftigung einerseits auf die Gemeinde, andererseits auf mich persönlich. Dabei kommt bei mir die Frage auf inwiefern die Gemeinde, jedes einzelne Glied, inwiefern ich persönlich hinter dieser Bekräftigung stehe und diese lebe? Kann ich diese Bekräftigung teilen? Ja, es ist mir ein Anliegen, dass bei Leuten das Interesse nach Jesus, Gott zunehmend erweckt wird. Ich stelle aber ernüchternd fest, wie ich mich oftmals am Rande der Gesellschaft befinde. Das Traurige an dieser Situation ist, ich fühle mich wohl dabei. Mein Umfeld besteht hauptsächlich aus Leuten die den Glauben teilen. Leute mit denen es Spass macht an Gemeindeaktivitäten teilzunehmen und Gemeinschaft zu haben. Zu lachen, gemeinsam Sport zu treiben, in Kleingruppen über Anliegen auszutauschen. Ja, es soll so sein doch es stellt sich die Frage wie viel Platz ich diesen Tätigkeiten in meinem Leben gebe und somit wie weit am Rande der Gesellschaft ich mich bewege…. Jesus bittet den Vater, die Jünger nicht aus der Welt zu nehmen, sondern sie von dem Bösen zu bewahren (Joh. 17,15). Weiter lesen wir, dass Jesus sie in die Welt sendet, wie auch er in die Welt gesandt wurde (Joh. 17,18). Zu oft stelle ich fest, dass ich mich selbst aus der Welt nehme und mich in die Wohlfühlatmosphäre in der Gemeinde begebe. Wie ich mich dort Zuhause und geborgen fühle aber beinahe der Kontakt zum Rest der Gesellschaft zu meinen Kollegen die nicht an Jesus glauben, abbricht. Ich möchte neu in Beziehungen mit Leuten, seien es Jugendliche oder Erwachsene, die nirgends eine Gemeinde besuchen und denen der Glaube an Jesus Christus fremd ist, investieren. Das soll ganz einfach bei einem „Fyrabe-Bier“, Plausch-Unihockey-Match, Chat via Facebook beginnen oder andere an christliche Anlässe einzuladen. Ich möchte den Missionsauftrag, die Bekräftigung, als Motto nehmen und mit Hilfe des Heiligen Geistes, dem wahren Evangelist, die gute Nachricht ausbreiten. Bestimmt werde ich dabei bei einigen Leuten auf taube Ohren stossen und womöglich Ablehnung erfahren, aber im Vertrauen auf Gott möchte ich versuchen weiter zu gehen und ihm alle Ehre zu geben.

  14. Simone Wisskirchen says:

    „Ganz Gemeinde – ganz praktisch“, diesen Gedanken in die Praxis umzusetzen ist der Traum von jedem missionalen Herzen! Doch leider ist dies nicht so einfach.
    Johannes Reimer schreibt in seinem Buch Gott in der Welt feiern über die Schwierigkeiten die es geben kann wenn man als Gemeinde unterwegs ist, doch an der Gesellschaft vorbei fährt. Dies wünschte ich mir für keine Kirche und je länger ich mich mit dem missionalen Gemeindeleben auseinander setzte, desto klarer wird es mir, dass es einfach klingt, gesellschaftsrelevant zu sein, aber die Umsetzung viel Herzensveränderung benötigt.
    In dem Ganzen kommt mir immer wieder Jesus in den Sinn. Er lebte extrem missional. Er lebte unter den Menschen, denen er Gott näher bringen wollte. Er tat dies durch Wort und Tat. Jesus sah wo die Not am grössten war und half. Dies sahen die Menschen und waren begeistert, so begeistert dass sie ihm zuhörten. Es war so wie es Johannes Reimer sagte: „Stell dir vor, es ist Gottesdienst und alle wollen hin!“. Denn er war geradlinig und lebte für Gott und wurde trotzdem nicht von seinem Pfad abgebracht.
    Jesus half in der Not die an ihn herangebracht wurde. Wenn eine Frau geheilt werden musste, heilte er sie. Wenn ein Zolleinnehmer ihn als Gast benötigte wurde Jesus zu seinem Gast. Wenn eine einsame Frau am Brunnen sass und nicht beachtet wurde, nahm sich Jesus Zeit für die Frau und gab ihr etwas um die Lehre zu füllen! Ich könnte noch lange so weiter fahren. Doch genau dieses Schema sehe ich in meiner Gemeinde nur bedingt! Ich wünschte mir, dass meine Gemeinde und ich es schaffen, der Not zu begegnen und hilfsbereit die Hand zu reichen, denn dies ist auch Gottesdienst feiern! Doch bis dahin ist noch ein langer Prozess vor uns und jede Menge Gebete.
    Ich möchte im keinen beginnen und als Vorbild missional Gott in der Welt feiern!

  15. Tobi Schwegler says:

    Der Kongress ist schon eine Weile her und irgendwie verfolgt mich das dort behandelte Thema laufend. Aber an was liegt das? Ist es ein Thema, das es wert ist so viel darüber zu reden und zu diskutieren? Direkt nach dem Kongress war ich dem eher kritisch eingestellt. Es machte mir Mühe, endlosen Diskussionen über die Probleme die wir als Christen haben zuzuhören, geschweige denn mitzureden. Ich war nicht sehr motiviert, mich noch weiter auf das Thema einzulassen. Trotzdem fing ich an die Pflichtlektüre zu lesen und mich den unangenehmen Fragen unserer Gemeinde zu stellen. Dabei merkte ich, dass es seine Berechtigung hat, über gewisse Dinge nachzudenken.
    Als erstes ist mir aufgefallen, dass die Menschheit schon lange, mit den gleichen oder ähnlichen Problemen zu kämpfen hat. Und dies ist in der Gemeinde Christi nicht anders. Aber was ist es, das die Anzahl Gottesdienstbesucher sinken und unsere Kirchen leer werden lässt?
    Ich glaube das hängt damit zusammen, dass wir uns nicht mehr bewusst sind, was eigentlich Gottesdienst ist und was wir uns selber darunter vorstellen und wünschen. Der Rahmen und die Formen eines klassischen Gottesdienstes sind schon gegeben. Und der „gewöhnliche“ Besucher fühlt sich nicht berechtigt etwas zu verändern und seine eigene Meinung einzubringen. Wohl oder Übel wird der Gottesdienst besucht und konsumiert. Obwohl, so denke ich, viele dankbar wären wenn sich einiges ändern würde. Um diese Dinge zu ändern, braucht es vor allem Mut. Mut etwas Neues zu wagen. Denn wenn ich die vielen schlauen Bücher (und das sind sie wirklich) lese, merke ich, dass es an Wissen eigentlich nicht fehlt. Die Umsetzung ist meiner Meinung nach das Problem.
    Für mich selber ist es im Moment schwierig, die Frage nach einem sinnvollen Gottesdienst zu beantworten. Ich bin mir selber nicht im Klaren, was ich mir unter einem Gottesdienst nach dem Willen Gottes vorstelle und wünsche.
    Etwas, dass unserer Gemeinde helfen würde wäre, sich dieser Frage als ganze Gemeinde zu stellen. Jeder soll eine Plattform haben um seine eigene Meinung und Wünsche zu platzieren. Und dann gemeinsam zu diskutieren, wie wir solche Ziele erreichen können. Und schon in dieser Diskussion Gott einen grösseren Platz einräumen und den Heiligen Geist so richtig wirken zu lassen.
    Im Moment gäbe es viele Aspekte die ich gerne ändern würde. Und genau diese Fülle an Ideen macht mir im Moment Mühe, mich auf einen konkreten Punkt zu beschränken. Aber was ich auch weiss ist; Gott geht mit mir und unserer Gemeinde Schritt für Schritt. Er sorgt für den richtigen Zeitpunkt, wenn wir bereit sind zu Handeln. Und das beruhigt mich sehr.

  16. Markus Schwitter says:

    Was ist eigentlich Gottesdienst???

    Diese Frage begegnet mir auf die eine oder andere Art und Weise immer wieder, auch in der von mir gelesenen Literatur. Persönlich stelle ich mir schon seit einiger Zeit die Frage: „Was ist Gemeinde?“, und automatisch stellte sich mir dann auch die Frage: „Was ist Gottesdienst?“. Als ich anfing, mich diesen Fragen zu stellen, kam mir als Erstes Luthers Überschrift des 12. Kapitels im Römerbrief, „Das Leben als Gottesdienst“, in den Sinn. Dieses Statement wurde für mich sehr grundlegend, denn ich behaupte: Wenn wir Gott dienen wollen, dann müssen wir dem dienen, was Gott am teuersten ist und wofür er ALLES gegeben hat, nämlich dem Menschen. Weiter behaupte ich: Wenn wir anfangen Menschen zweckfrei zu dienen, (das heisst, dass wir ein ehrliches Interesse an Menschen haben und nicht daran, ob und wann sie in eine Gemeinde gehen) dann werden diese Menschen auch früher oder später Fragen stellen und dann können und sollen wir antworten: „Gott ist wirklich real und DU bist ihm wichtig!“
    Ich bin mir bewusst, dass diese zwei Behauptungen die traditionelle Form von Gottesdienst in Frage stellen und auch sehr viel vom Einzelnen verlangt – es ist auch so, dass ich diese Behauptungen auch noch nicht in dem Masse lebe, wie ich es hier beschreibe, aber es ist mein Ziel. Was sagte Jesus, woran die Welt erkennen wird, das wir seine Nachfolger sind? Daran, dass wir Sonntags in die Kirchen strömen? Nein, natürlich nicht. Er sagte: „An der Liebe werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid“ (Joh 13,35). Es geht mir hier nicht darum, einfach zu kritisieren, sondern es geht mir um eine ehrliche Auseinandersetzung mit diesem Thema. Ich will hier offen und ehrlich sein; ich bin nun schon seit ca. 15 Jahren „Christ“ und in diesen 15 Jahren hat es sehr wenige Gottesdienste gegeben, in denen ich mir nicht die Frage stellte: „Wann ist es fertig?“ Warum dies bei mir so ist, weiss ich nicht – interessant ist jedoch die Tatsache, dass ich mit immer mehr Leuten ins Gespräch komme, die ähnliche Erfahrungen machen wie ich – auch in unserer Gemeinde. Es scheint mir, dass auch Johannes Reimer ähnliche Erfahrungen gemacht haben muss, sonst würde er folgendes in seinem Buch wahrscheinlich nicht schreiben:

    „Solange wir uns nur vom Menschen, von Traditionen, von unserer Religiosität dazu bewegen lassen, den sonntäglichen Gottesdienst zu besuchen, wird der Gottesdienst nichts mehr als eine mehr oder weniger langweilig Veranstaltung sein (Reimer,2010:45).“

    Als Gemeinde befinden wir uns derzeit in einem schon länger andauernden Umstrukturierungsprozess, in dem die beiden Fragen „Was ist Gemeinde?“ und „Was ist Gottesdienst?“ auch eine wichtige Rollen spielen. Wir wissen noch nicht genau was und wer wir am Ende dieses Prozesses sein werden, aber wir wissen, dass sich einiges ändern muss und wir sind auch bereit dazu – auch wenn wir noch nicht wissen, was für Folgen das für uns als Menschen und als Gemeinde/Gemeinschaft noch mit sich bringt. Ermutigend ist für mich, dass Gott durch Eindrücke in Gebetszeiten, durch prophetische Worte von Aussenstehenden und Gesprächen immer wieder bestätigt, dass diese Fragen Legitim sind, dass da mehr ist, als wir im Moment erfassen können, und dass ER in uns Veränderung bewirken wird, wenn wir das auch zulassen wollen.

  17. Daniel Mannale says:

    Von den Grundsätzen her geht es bei der Thematik der missionalen Gemeinde um nichts Neues, denn diese sind bereits in der Bibel verankert. Was aber neu sein könnte, ist die Bereitschaft gewohnte Traditionen und Strukturen unserer Gemeinde und Gottesdienstes anhand der Bibel zu hinterfragen und wenn nötig auch zu ändern. Es geht um die Frage, ob wir bereit sind, die Wahrheiten der Bibel wirklich ernst zu nehmen und zu leben. So ist eine „biblische Gemeinde“ nicht diejenige, welche in einer sich andauernd verändernder Zeit bewegungslos an ihren Traditionen festhält, sondern die, welche sich nach Gottes Massstäben richtet und deswegen auch kulturell relevant bleibt. Ein Umdenken ist nötig! Als Christen (insbesondere die Älteren), müssen wir einerseits davon weg kommen das Neue und Ungewohnte zu verteufeln. Anderseits aber sollen wir uns auch eine gesunde Sensibilität aneignen (auch Junge), um Strömungen, welche nicht der Bibel entsprechen, zu erkennen. Es geht ja darum zu erkennen, was Gottes Ziele für uns sind und nicht um die Umsetzung unserer eigenen in Stein gemeisselte Vorstellungen.
    In diesem Sinn hat mich auch das Manifest von Manila sehr positiv angesprochen. Zum einen sehe ich eine radikale Haltung, um an Gottes Wort und seinen Kernaussagen kompromisslos festzuhalten. Zum Anderen kommt klar heraus die Verantwortung, welche jede örtliche Gemeinde hat, sowohl lokal als auch bei der weltweiten Evangelisation. Beeindruckt haben mich auch die Aussagen der Busse. Ich denke, es wäre auch für meine Gemeinde an der Zeit in gewissen Belangen Busse zu tun, insbesondere was unsere christliche Überlegenheit und Egoismus betrifft. Ein weiterer praktischer Schritt wäre z. B. der Aufforderung des Manifests nachzukommen, und „regelmäßige Studien nicht nur über [unsere] Mitgliederstruktur und [unsere] Programme durchzuführen, sondern auch über [unsere] Ortschaft in ihrer Besonderheit, um angemessene Missionsstrategien zu entwickeln.“ (Manila Manifest 1999:20). Es geht darum, dass wir als Gemeinde neu die Dringlichkeit unserer Aufgabe erkennen (:28). Auch sollen wir uns bewusst sein, dass Mission immer „inkarnatorisch“ ist (:15), in dem wir beim Bringen der guten Nachricht auch unsere soziale Verpflichtung nicht vergessen.
    Als Gemeinde sollten wir uns aber nicht über das was wir tun definieren, sondern über das, was wir sind und wie wir sind. Und ich denke, dass unser Gottesdienst viel darüber aussagt. Diesbezüglich fand ich die Ausführungen von Johannes Reimer sehr herausfordernd. Zum einen die grundsätzliche Frage, was Gottesdienst wirklich ist und auch die tragische Feststellung, dass oft der Mensch derjenige im Zentrum dessen ist, was wir Gottesdienst nennen (Reimer 2010:18). Mir wurde neu bewusst, wie zentral der Gottesdienst für das Gemeindeleben ist, aber auch wie wichtig, dass der fünffältige Dienst darin zur Entfaltung kommt (:72). Auch die Bedeutung von koinonia, einer echten Gemeinschaft im Sinn von Geben und Nehmen, auch während des Gottesdienstes (:125), wurde mir neu klar.
    Durch all das Gehörte und Gelesene wurde mein Sinn geschärft, um in Zukunft meine Gemeinde bewusster zu reflektieren. Mir ist zwar klar, dass die Umsetzung zu einer missionalen Gemeinde auch seine Zeit braucht und nicht unbedingt einfach ist. Ich bin aber überzeugt, dass wenn unsere Gemeinde zu einer missionalen Gemeinde entwickelt, dies einer Erweckung gleichkommen wird, welche ich mir sehnlichst für uns aber auch für die ganze Schweiz wünsche!

  18. Dani Eichenberger says:

    Die Motivation zum missionalen Gemeindeleben soll in erster Linie „…der eifrige Einsatz für die Ehre und Herrlichkeit Jesu.“ sein (Stott 1989:5). An zweiter Stelle folgen dann der Gehorsam gegenüber dem Missionsbefehl und die Liebe zu den Verlorenen (1989:5). Reimer schreibt zudem, dass die Kirche für alle Lebensbelangen der Menschen vor Ort verantwortlich sei (2010:54). Die Aussage von Stott verstehe ich und scheint mir auch nicht ganz neu zu sein. Reimers Ansatz hingegen höre ich zum ersten Mal. Ich stimme seiner Behauptung jedoch zu, denn ich merke, dass ein solcher Ansatz für unsere Gemeinde sehr evangelistisch wäre. Ich fühle mich herausgefordert, mich unter die Dorfbewohner zu mischen und ihre Nöte kennenzulernen.

    Ich hege aber nach wie vor den Zweifel, wie effektiv eine „konventionelle“ Kirche wirklich ist. Die Chrischona in die ich gehe, hat einen fürchterlichen Ruf im Dorf. Da gestaltet es sich schwierig den Dorfbewohnern zu verstehen zu geben, dass die Kirche für ihr persönliches Leben eigentlich wichtig wäre. Wie gewinnt man nun neue Menschen für Jesus und seine Gemeinde, wenn alle eine voreingenommene Meinung über diese haben?
    Da spricht mich das inkarnatorische Vorbild von Jesus sehr an. Ich stelle mir die Frage, ob es nicht missional effektiver wäre, wenn man sich in die Gedanken- und Herzenswelt der Menschen in seiner Umgebung hineinwagen würde und dann, anstatt die Leute in irgendeine Kirche zu holen, man in den Quartieren oder Stadtteilen Hausgemeinden gründen würde? Die Menschen würde keine vorgefertigte Meinung über die Kirche vorbelasten und die Gefahr einer Konsumentenhaltung der Gemeindemitglieder wäre auch geringer. Ausserdem wäre die Kirche dann nicht so schwerfällig wie eine „konventionelle“ Kirche und der Gottesdienst gestaltet sich persönlicher für jedes Gemeindemitglied. – Alles wilde Gedanke von mir, die mich nicht loslassen. Doch ob Hausgemeinde oder „konventionelle“ Kirche, der Missionsbefehl von Jesus ist der Gleiche und dieser wurde mir wieder sehr wichtig. Ich glaube, dass das Geheimnis darin liegt, dass wir zu den Leuten gehen, anstatt sie zu uns zu „locken“. Würden wir den Missionsbefehl ein bisschen ernster nehmen, würde das Reich Gottes ein völlig neues Ausmass annehmen.

    John Stott schreibt von William Temple, der Joh. 7. 37-39 wie folgt kommentiere: „Niemand kann den Geist haben, … und diesen Geist für sich behalten. Wo der Geist, ist, fließt er weiter; wenn er nicht fließt, ist er nicht vorhanden.“ (1989:5) Ihr merkt, dass ich bei mir selber das Problem sehe, dass ich viel zu wenig Zeit mit kirchenfremden Leuten verbringe. Ich erinnere mich, wie Cla Gleiser am Kongress sagte: „Wie können Menschen Gott kennenlernen, wenn wir keine Beziehung zu jenen hätten?“ Ich nehme mir vor, nicht nur meinen Brüdern und Schwestern in der Gemeinde zu dienen, sondern auch Leuten, die Gott noch nicht kennen. Meine Gemeindeleitung macht sich momentan dazu auch viele Gedanken und wir glauben, dass es für jeden im persönlichen Leben anfängt, missional zu sein.

  19. Sonja N. says:

    Nur eine Woche nach dem Kongress durfte ich erleben, dass Sonntag war und in einer slowakischen Stadt hunderte von Menschen vor den Kirchen Schlange standen! „Das ist jeden Sonntag so.“, erklärte mir ein Kollege. Als ich einen Jugendhauskreis meiner Roma-Freunde besuchte, war ich überwältigt von dem, was ich sah. Ca. 100 Jugendliche wollten zum Anlass kommen, aber nur 30 hatten im Bus platz. Es wurde gesungen, gegessen und gelacht. Danach durfte jeder erzählen, was ihm gerade wichtig war im Leben mit Gott. Was ich zuvor noch nie erlebt hatte, übertraf meine Vorstellungen: Einige Jungs bekannten vor allen anderen, dass sie im Moment kein reines leben vor Gott führten. Der Leiter stellte ihnen Fragen, und alle beteten für sie. Am Schluss hielt der Leiter noch einen 1/2-stündigen Input über kompromisslose Nachfolge. Ich kam mir vor wie in einer Gemeinde der Apostelgeschichte.
    Diese ehrliche, auf totales Vertrauen gebaute Gemeinschaft ist Familie. Genau das ist es, was Menschen in unserer Zeit brauchen und suchen. Ein anderer Leiter antwortete mir auf die Frage, wie es seiner Familie gehe: „Ja, es ist halt schwierig, immer das zu tun, was Jesus möchte.“ Diese Menschen dort sind von ganzem Herzen darum bemüht, dass ihr Leben und ihre Gemeinschaft ein Gottesdienst ist. Da ist nichts von Oberflächlichkeit zu spüren. Für sie bezieht sich der Gottesdienst nicht nur auf eine Veranstaltung, sondern auf das ganze Leben des Menschen (Reimer 2010:29). Die Menschen im Quartier wollen auch so leben wie sie und kommen zum Gottesdienst. Ich frage mich: Sollten die Mitglieder einer missionalen Gemeinde (auch meiner Gemeinde) nicht mehr Wert auf die persönliche Beziehung mit Gott legen, und darauf, dass ihr ganzes Leben ein Gottesdienst ist? Werden die Prioritäten nicht allzuschnell auf ein möglichst breites Angebot an Events mit allerlei Sitzungen und durchorganisierten Sonntagsgottesdiensten gesetzt?
    Ich finde es wichtig, dass die Gemeinde Verantwortung für ihre Mitmenschen wahrnimmt und sie an einer Gemeinschaft teilhaben lässt, wo Gottesdienst gelebt wird. So versammelt sie sich nicht zu einer aus der Welt herausgerissenen Masse (:32).Diese Bereitschaft gefällt mir an meiner Gemeinde. Ich selbst will auch daran arbeiten, dass mein ganzes Leben ein Gottesdienst ist, der andere einlädt, ein Kind Gottes zu werden.

  20. Sonja Röthlisberger says:

    Als ich im Buch „Gott in der Welt feiern“ von der inkarnatorischen Gemeinde gelesen habe, die zu den Menschen geht, anstatt zu warten, dass die Menschen in die Gemeinde kommen, hat es mich sehr bewegt. Leider empfinde ich meine Gemeinde häufig nicht als eine Geh-Struktur. Vielfach fragen sich die Mitglieder, weshalb wohl nicht mehr Leute kommen. Der erste Schritt hinaus in die Welt zu den Menschen kostet Überwindung. Wir haben es uns in der Gemeinde schön gemütlich eingerichtet, sind in Kuschel Stimmung. Ich bin überzeugt, dass Gott nicht möchte, dass wir uns auf Erden so einrichten als seien wir schon im Himmel. Es geht ihm hier auf Erden um unseren Auftrag, den er uns gegeben hat: „ Geht hin und machet zu Jüngern“ (Mt 28,19).

    Manchmal scheint es mir, dass wir unseren Auftrag als Christus Gemeinde in der Welt tatsächlich vergessen haben. Viel zu viel dreht sich alles nur um uns(unsere Programme) und damit es uns gut geht,anstatt darum Botschafter der guten Nachricht zu sein.Sind uns die Verlorenen nicht mehr am Herzen?

    Eigentlich fängt der erste Schritt bei mir persönlich an. Ich kann es nicht der Gemeinde vorwerfen, wenn ich diese Kultur nicht auch selber lebe. Für mein Leben bedeutet dies konkret, mich vermehrt auf Beziehungen zu Nichtchristen einzulassen, anstatt mich nur in christlichen Kreisen zu bewegen. In letzter Zeit durfte ich vielmals erleben, wie wertvoll es war, dass ich an manchen Abenden mal kein christliches Programm hatte und ich diese Zeit aufbringen konnte, um jemandem zu helfen oder einfach nur zu zuhören. Es ist mein Anliegen, dass mein Leben ein lebendiges Zeugnis von Christus ist. Er selber war bei den Menschen als sie krank waren, von Problemen gequält waren.

    Wichtig dabei scheint mir, dass sich eine Gemeinde nicht kontinuierlich in ihren Programmen verliert (verkriecht) und bewusst Raum schafft für die Gemeindemitglieder, damit sie ebenfalls Zeit mit Nichtkirchengängern verbringen können. Die Welt ist Gottes Ziel und nicht die Kirche. Dabei soll der Gottesdienst ein Dienst an Gott sein. Schlussendlich liegt es an mir persönlich, wie ich meine Prioritäten im Leben setze. Demnach könnte es auch bedeuten mich weniger in eine Gemeinde zu investieren, dafür ganz praktisch auf Begegnung zu Nichtchristen ausgerichtet zu sein.

  21. Urs Oester says:

    An der Konferenz betonte Steve Timmis das starke Engagement der ersten Christen gegenüber ihren Mitmenschen. Dieses Verhalten der damaligen Brüder, sollte uns in der heutigen Zeit ein Vorbild sein. Sie lebten den Gottesdienst nicht nur in ihren Hausgemeinden, sondern auch in ihrem täglichen Leben, was sich in ihrer bedingungslosen Nächstenliebe manifestierte. Ihr Glaube machte sie zu Vorbildern, sie blieben dadurch nicht nur Hörer allein, sondern wurden zu Tätern des Wortes. Trifft dieses Täter sein auch heute noch zu? Eine provokante Frage, jedoch lohnt es sich darüber zu reflektieren und sich zu fragen: „Wo stehe ich?“ Einerseits hinterfrage ich mich dadurch selbst und andererseits kann ich diese Fragestellung erst an meine eigene Denomination stellen, wenn ich mir selbst, in meinem persönlichen Leben, darüber Antwort geben kann. Das Zitat von Johannes Reimer „Stell dir vor, es ist Gottesdienst und alle wollen hin.“, kann sich meiner Meinung nach erst verwirklichen, wenn sich der Einzelne im klaren über sein Leben ist und zu leben beginnt, was er glaubt. Wenn wir als Christen unseren Glauben nicht nur am Sonntag in den Kirchen leben, sondern in unserem Alltag zu praktizieren beginnen, kommen wir unseren Brüdern, den ersten Christen näher. Konkret heisst das, dass wir uns für unseren Nächsten interessieren sollen, uns um die Bedürfnisse der Mitmenschen bemühen müssen und nicht den Kopf weg drehen dürfen, wenn ihre Anliegen nicht mit unseren Traditionen übereinstimmen. Ein missionaler Lebensstil beginnt also dort, wo wir uns für Andere zu interessieren beginnen. Anders gesagt setzt missionales Vorgehen soziologisches Interessen voraus. Wenn Menschen sehen können, dass unser Glaube nicht nur in den sonntäglichen Gottesdiensten stattfindet, werden diese zu sogenannten „missionalen Früchtchen“ werden. Gott ist gross und möchte verherrlicht werden, aber gewiss nicht nur in den oft von Traditionen geprägten Versammlungen. Die Menschen sind das Ergebnis von Gottes grosser Kreativität. Wir können ihn meiner Meinung nach am besten Ehren, wenn wir uns dem von Gott gegebenen Auftrag zuwenden, nämlich Nächstenliebe praktisch zu leben.

  22. sarina says:

    Nun ist schon einige Zeit vergangen seit dem Kongress und es gibt sehr vieles was mich angesprochen hat. Doch schnell kam der Gedanke, das war wieder ein guter Kongress, doch dabei bleibt es wohl auch. Bei uns in der Kirche kann man ja sowieso nichts ändern, da sind so viele Traditionen und Vorstellungen verankert da musst du gar nicht versuchen irgendetwas zu verändern.
    Sobald ich dies gedacht habe wurde mir klar, dass ich mit solchen Gedanken erst recht nichts bewirken kann. Schlussendlich liegt es doch an jedem einzelnen, was in seiner Gemeinde und in seinem Umfeld geschieht. Ich muss ja nicht gleich die ganze Gemeinde verändern wollen, sondern kann bei mir beginnen. Doch wo starte ich da?
    Der Gedanke der Gospel Community beschäftigt mich noch sehr. Eine Aussage von Steve Timmis, im Zusammenhang mit der Gospel Community war, dass wir uns nicht aussuchen können, sollen mit wem wir unsere Zeit verbringen. Es fällt mir leicht mit meinen Freunden Gemeinschaft zu haben und ihnen zu dienen. Doch wie sieht es bei Personen aus die nicht in meinen Freundeskreis gehören die mir nicht so sympathisch sind, kann ich auch ihnen dienen, mein Leben mit ihnen teilen. Da hat mich das Beispiel von Johannes Reimar bewegt, indem es um die Fusswaschung ging. Jesus hat sich erniedrigt und seinen Jüngern die Füsse gewaschen. Dies war ganz bestimmt keine angenehme Aufgabe, doch Jesus hat es aus Liebe zu Ihnen getan.
    Dies machte mir bewusst, dass ich nicht aus mir heraus kann sondern, dass ich auf seine Liebe angewiesen bin, nur durch seine Liebe, kann ich solche Menschen lieben. Was bedeutet dies nun Konkret für mich? Ich kann nicht alles auf einmal ändern, doch ich kann mir bewusst Zeit nehmen für solche Personen, mich auf solche Begegnungen ein lassen und ihnen nicht aus dem Weg gehen.

  23. Alexander Maurer says:

    Die Emerging Church erschien mir in der Definition immer diffus und unklar, jetzt wurde sie klarer und greifbarer. Lange habe ich gedacht, dass die EC den Gottesdienst als zentrales Element der Gemeinschaft abschaffen will. Ich war deshalb erstaunt das Reimer und Co den Gottesdienst nicht gleich abschaffen, sondern inhaltlich „nur“ neu Gestalten.

    Ich finde es interessant, dass die EC die Gemeindezugehörigkeit an sich neu definiert. Zur Gemeinde gehört, wer die Beziehungen zu einer Community pflegt. Da dieses Beziehungsnetz nicht pastoral machbar ist, ist und bleibt der Gottesdienst das zentrale und machbare Element der EC – wie es auch in traditionellen Gemeinden der Fall ist.

    Ich persönlich bin davon überzeugt, dass die Emerging Church nicht viel anders funktioniert als eine normale Gemeinde. Beide „Systeme“ haben ihre Vor- und Nachteile. Die EC ist jedoch „Missionaler“. Der Glaube wird somit lebendiger und alltäglicher und die Beziehungen werden viel persönlicher. Der Nachteil ist jedoch, dass das grosse Beziehungsnetz einer Gemeinde wegfällt. Den missionalen Lebensstil ist meiner Meinung jedoch in beiden Gemeindearten leb und ausführbar.

    Die Relevanz einer missional geprägten Theologie sehe ich darin, dass früher oder später jede Gemeinde eine Veränderung in diese Richtung durchleben wird. Es ist ein Grundbedürfnis der postmodernen Generation, die automatisch eine solche Änderung vorantreibt. Als Gemeinde könnte dies bedeuten, dass wir den zweiten Sonntagsgottesdienst in Richtung der Emerging Church anbieten. Persönlich heisst dies, dass ich schon in meiner „modern“ funktionierenden Gemeinde eine Community bilde, und beginne dort missional zu wirken. Durch mein „Sein“ sollen Andere angesteckt werden.

  24. Levi Hertig says:

    Der diesjährige IGW-Kongress „Ganz Gemeinde“ hat bei mir einen Denkprozess zum Thema Missionale Gemeinde ausgelöst, der bis zum heutigen Tag andauert. Es ist das erste Mal in meinem Leben, wo ich mir tief greifende Überlegungen zum aktuellen Zustand unserer heutigen Gemeindelage in der Schweiz mache. Jedoch sinne ich hierbei vordergründig über meine eigene Gemeinde und ihren Kontext nach.
    Aus meiner Sicht sollte in unserem Glaubensleben im Zentrum stehen, dass unser Leben geistliche Frucht bringt. Was ist geistliche Frucht genau? In Galatter 5 Vers 22 steht geschrieben, was die Früchte des Geistes sind: „Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Keuschheit.“ Zusammenfassend denke ich, dass geistliche Frucht der Wille Gottes für diese Erde ist. Indem wir ein Leben nach dem Wort Gottes führen und den Geist in uns haben, wird unser Leben automatisch Frucht bringen, sprich, der Wille Gottes wird durch unser Leben auf unserer Welt sichtbar. Und dies sollte unser Verlangen und Ziel sein. Nach Stott (1989:5) kann niemand den Geist haben, oder besser gesagt die Innewohnung des Geistes erfahren und diesen Geist für sich behalten. Wo der Geist, ist, fliesst er weiter; wenn er nicht fliesst, ist er nicht vorhanden.
    Wenn ich in meine Gemeinde schaue, sehe ich wenig solche geistliche Frucht. Wenn ich in andere Gemeinden schaue, oft leider auch nicht. Wenn ich in mein eigenes, ganz persönliches Leben schaue, sehe ich viel zu wenig geistliche Frucht. Was passiert, wenn du in Dein Leben schaust? Wo bringt Dein Leben Frucht?
    Obwohl ich schon seit geraumer Zeit bemerkte, dass der Gottesdienst unserer Gemeinde keine sehr grossen Auswirkungen auf die natürliche und übernatürliche Welt hat, wurde mir erst vor Kurzem klar, wer eigentlich die Gemeinde ist. Ich als Mitglied bin die Gemeinde! Es reicht nicht mehr, wenn ich mit dem Zeigefinger auf alles zeige, was nicht biblisch läuft in der Gemeinde. Ich muss bei mir ganz persönlich beginnen. Es muss mein erstes Ziel sein, dass Gott durch mein Leben offenbar wird. Denn wenn dies bei mir und den anderen Gemeindemitgliedern geschieht, wird sich dies stark positiv auf unsere Gemeindekultur, das heisst, wie wir die Gemeinde und den Gottesdienst leben, auswirken.
    Folgende Punkte sind mir in den letzten Wochen aufgefallen, warum unser Gottesdienst nicht mehr Auswirkungen hat:
    Uns fehlt vielfach eine solide Schriftkenntnis. Dieser Missstand bringt mit sich, dass wir viele Geheimnisse über den eigentlichen Auftrag unserer Gemeinde und damit unseres Lebens gar nicht kennen. So muss ich beschämt feststellen, dass wir Christen uns durch unser Verhalten nicht mehr gross von der säkularen Welt unterscheiden. Dies ist ein altes Problem, mit welchem sich bereit Paulus in 1. Kor 1, 3 rumgeschlagen hat.
    Im Manifest von Manila (1989:19) deutlich, dass ein Mangel an christlicher Konsequenz in den heutigen Gemeinden vorhanden ist: Habsucht, Überlegenheitsgefühl und Konkurrenzdenken, Wettbewerb im christlichen Dienst, Neid junger Verantwortlicher, missionarische Bevormundung, das Fehlen gegenseitiger Verantwortlichkeit, Verlust christlicher Massstäbe in der Sexualität sowie rassische, soziale und sexuelle Diskriminierung. All dies sind Formen von Anpassung an die Welt.
    Ebenso scheinen wir zu vergessen, dass Jesus seine Nachfolger klar darauf vorbereitet hat, dass sie Widerstand zu erwarten haben. „Wenn sie mich verfolgen“, sagte er, „werden sie euch auch verfolgen“ (Joh. 15,20). Auch John Stott (1989:3) fragt, wo heute die Bereitschaft ist, für das Evangelium zu leiden? Es ist eine unübersehbare Tatsache, dass wir mehr leiden müssten, wenn wir weniger Kompromisse machten.
    In all diesen Problemstellungen geht es immer wieder darum, dass wir um unser eigenes Wohl besorgt sind. Unser Wohlstand steht bei uns vielfach im Vordergrund. Wir sind zu Egozentrikern geworden, die sich in ihrem Verhalten von der konsumorientierten Gesellschaft unserer Zeit kaum noch unterscheiden.
    Die Veränderung unserer Gemeinden und dem zentralen Punkt des Gottesdienstes beginnt bei mir ganz persönlich. Denn das Problem des Gottesdienstes ist das Problem der Menschen, die diesen besuchen. Es fehlt vielfach die Heiligung, die heilige Haltung, wenn wir den Gottesdienst besuchen. Wie viele kommen wirklich wegen IHM, um IHM alle Ehre zu erweisen und nicht weil es ihnen darum geht, dass ihre eigenen Bedürfnisse befriedigt werden?
    Wie können wir nun aus diesen Verhaltensmustern rauskommen? Was müssen wir nun tatsächlich an unserem Gottesdienst ändern, damit er unerrettete Menschen erreicht? Vielfach wählt man den Weg der Anpassung des Gottesdienstprogrammes, der Methodik, um möglichst vielen Besuchern des Gottesdienstes gerecht zu werden. Eine gewisse Inkarnation an den heutigen Kontext, indem sich die Gemeinde befindet, ist sicherlich notwendig, um Grenzen zu den unerretteten Menschen in unserer Umgebung zu überwinden. Es dürfen jedoch nicht Anpassungen sein, die der Wahrheit der Heiligen Schrift etwas abtun!
    Aus meiner Sicht ist die Lösung auf alle oben erwähnten Probleme folgende: Wir müssen uns wieder die Frage stellen, was wir tun und ändern müssen, damit sich der Geist Gottes bei uns im Gottesdienst wieder wohlfühlt.
    Denn den Gottes Geist brauchen wir! Nur er schenkt die Veränderung in unserem Leben und unserer Gemeinde, die wir doch so bitternötig haben!
    Für mich ist also wichtiger als die Form eines missionalen Gottesdienstes, dass der Geist Gottes da ist. Wenn das wieder geschieht, sind wieder Szenarien wie zu König Salomos Zeiten in seinem Tempel möglich, als die Gegenwart Gottes so gross war, dass von überall her die Menschen kamen. Denn das ist es, was die Menschen in unserer Umgebung interessiert, anzieht und verändert. Begegnungen mit unserem grossen Gott!
    Wie Reimer (2010:80) schreibt, muss uns wieder klar werden, dass sich die Gemeinde in einem Kampf befindet. Dieser Kampf ist nicht mehr gegen Fleisch und Blut, sondern Strukturen und Gestalten des Bösen (Eph 6,12). Nichts ist in einer solchen Situation dringender als offene Augen, klare Kenntnis der Lage und das Wissen um die eigene Berufung und Begabung. Und dies kann nur der Geist Gottes schaffen.
    Missionaler Gottesdienst ist für mich ein Lebensstil. Eine Woche hat 168 Stunden. Davon sind wir 2 Stunden im Gottesdienst. Ich denke, dass es vor allem auch entscheidend ist, was wir mit den übrigen 166 Stunden machen.

  25. Tobias Frehner says:

    Meine Gefühle im Bezug auf diesen Kongress bleiben sehr geteilt – positiv und negativ. Ich will zuerst die guten Seiten ansprechen; die Grundhaltung am Kongress fand ich sehr ansprechend und herausfordernd. Den Inhalt, der wiedergegeben wurde, unterstütze ich mittlerweile beinahe vorbehaltlos. Was in meiner Wahrnehmung tatsächlich zu stimmen scheint, ist, dass uns Christen die Liebe fehlt. Ich sehe dies als unser Hauptproblem. Das äussert sich nun auf verschiedene Weise. In den Gemeinden drehen wir uns um uns selber. Die Mitmenschen sind uns unwichtig. Wenn es hochkommt, kümmern wir uns um unsere Mitglieder in der Gemeinde. Daraus folgt tatsächlich die individualistische Gemeindegesellschaft, die Steve Timmis beschrieben hat.
    Es werden bloss noch Programme aufgesetzt. Die Leistung des Einzelnen wird sehr stark gewichtet wird. Der Mensch und sein Sein wird abgewertet, sein Tun wird aufgewertet. Er wird seiner selbst unbewusst.
    Die Synthese, die ich darin sehe, ist folgende: Unsere Gemeinde wird zu einer individualistischen Leistungsgesellschaft, die dadurch die Bedürfnisse der Menschen befriedigen will. Das ist tragisch. Was fehlt uns?
    Uns fehlt die Liebe, die ja Gott ist (1. Joh 4,16). Wenn wir also nicht in der Liebe, bzw. in Gott bleiben, dreht sich unser Gottesdienst auch nicht mehr um diese Liebe. Diese Liebe treibt uns dazu andere Menschen zu lieben, weil wir erleben, dass wir Träger der Gedanken Gottes sind. Wenn wir diese Liebe nicht haben, dreht sich unser sogenannter „Gottesdienst“ zwangsläufig um uns selber. Natürlich ist aber das Interesse Gottes, seine Gedanken und seine Liebe immer noch für alle Menschen da (Reimer 2010:34). Deshalb verpassen wir Gott, die Liebe, wenn wir auf uns selbst fokussiert bleiben. Wir sind vor eine Wahl gestellt, die rational gesehen gar keine ist. „Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“ (Joh 15,5). Bleiben wir in ihm. Es lohnt sich.
    Was ich am Kongress nicht schätzte: Ich habe noch immer grosse Mühe mit dem Begriff missional. Dieser Begriff ist meiner Ansicht nach ein christliches Modewort und bereitet Nichtchristen ebendiese Angst vor dem Christentum, die wir verhindern wollen. Meiner Meinung nach wird dieser Begriff mit sehr vielen Eigenschaften gefüllt; wir sollen zu den Menschen gehen, wir sollen einander tragen, etc. Zuletzt scheint es mir doch immer auf diese eine Eigenschaft zurückzugehen: die Liebe.

  26. Bob Donut says:

    Einige Wochen nach dem Kogress beschäftigen mich weiterhin die Themen des Workshops „Churchplanting“. Dabei bin ich nicht von der totalen Erkenntnis übermannt worden. Obwohl unsere Programme immer besser und teurer, die Hallen grösser und die Deko aufwändiger wird, erreichen die meisten Kirchen nur diesen stark schrumpfenden Kuchen (<10% der Gesellschaft) derjenigen Leute, die noch irgendwie mit dem christlichen Glauben oder gewissen christlichen Ritualen verbunden sind. Um die restlichen 90% zu erreichen wirkt der stärkste Lockstoff nicht. Es ist tatsächlich herausfordernd zu bemerken, dass sich in unserer Gemeinde kaum Ausländer und wenige in der Postmoderne angekommene Jugendliche bewegen. Dies bei 20-25% sogenannten Ausländern in unserem Land und unzähligen Secondogangs auf unseren Strassen. Könnte man daraus schliessen, dass die gesamte Gemeinde bzw. unsere Gesinnung (WIR sind Gemeinde) noch nicht in der Postmoderne angekommen ist? Ich befürchte, dass unsere gesamte Gesellschaft, in Gefahr ist realitätsfremd zu werden und in der Moderne zu verharren. Sie ist, zusammen mit unseren Institutionen und Medien, fast ausschliesslich auf Schweizer ausgerichtet. Als Beispiel diene das Medium Radio: Man höre einfach einmal die Kindersendung auf Schweizer Radio DRS1: wo doch in vielen Schulen die Schweizer Kinder langsam aber sicher zur Minderheit sublimieren, melden sich tagtäglich nur Sebastiane, Lukasse, Lisas, Salomes und Melanies. Lange schon warte ich auf Anrufe von Kindern mit Namen wie Ahmed, Salim, Mohammed, Erkan usw. Doch zu diesem Thema ein anderes Mal.

    So schwanke ich hin und her zwischen der Idee, Hinzugehen um in den verschiedenen Subkulturen Gemeinde zu gründen (wie im Workshop gehört), und der gängigen Methode, dieselben Leute in die Gemeinde zu holen. Häufig stelle ich mir die Frage: würden diejeinigen Ausländer, die ich kenne in unsere Gemeinde passen? Oder: ist unsere Gemeinde bereit und offen für muslimische Patriarchen? Ist unsere Gemeinde offen für Frauen in Burkas? Ist unser Gemeindegrill bereit für Halal Food? Oder ist es doch besser – gemäss Aussagen des Workshopredners – hinzugehen und zu gründen? Eine möglicher Weg wären die Kleingruppen der Gemeinde, welche sich eine Geh-Kultur zu eigen machen und unter Subkulturen aktiv sind.

    In allen Fällen ist es entscheidend, dass wir die „Person des Friedens“ gewinnen und überzeugen können. Damit ist die Leitperson, der Kopf der Subkultur gemeint. In einem muslimischen Umfeld wäre dies der Patriarch. Wo soche Leitpersonen überzeugt werden können, hat man quasi die gesamte Subkultur gewonnen. Dies ist dann auch meine praktische Umsetzung. Vor dem Kongress „Ganz Gemeinde“ war ich ohne Idee wo und wie ich anfangen soll, trotz der vielen guten Freundschaften zu Menschen in eben solchen Subkulturen. Meine praktische Umsetzung ist daher: gewinne den „Mann des Friedens“.

    In dem Sinne möge der Friede mit euch sein: as-salamu ’alaykum.