Dem Paradigmenwechsel auf der Spur

Seit einigen Jahren ist er in aller Munde:

Der Paradigmenwechsel.

Mein Eindruck ist, dass er in der Regel auch dort bleibt, im Mund. Ebenso geht es ja vielen Wörtern, die intensiv diskutiert werden, über deren Gehalt man sich die Köpfe zerbricht (teilweise gegenseitig) und die sich dann im Gespräch selbst irgendwie verflüchtigen.

Dabei geht es beim Paradigmenwechsel ja gerade darum, dass sich etwas mehr ändert als unser Sprachgebrauch.

Zum Beispiel unser Handeln.

Oder gar unser Denken.

Mir hat ein Clip auf Youtube vor einigen Monaten gelb und deutlich vor Augen geführt, was ein Paradigmenwechsel bedeuten kann:

Es geht wohl nur um eine Banane (und ich esse noch nicht einmal gerne Bananen), aber gleichzeitig geht es um ganz viel. Und diese eigenartige Erfahrung, dass ein Bananenvideo mir das Gefühl einer existenziellen Verschiebung gibt, hat mich auf die Idee gebracht, mich auf die Spur des Paradigmenwechsels zu machen; in diesem Artikel und möglicherweise noch in einer Reihe weiterer, die in losen Abständen folgen werden.

Ich lasse mich von der einfachen Frage leiten, was ich von etwas ganz Banalem über etwas ganz Spektakuläres lernen kann: über den Paradigmenwechsel. Wer weiss, vielleicht gewinnt er dadurch etwas von seiner Bedrohlichkeit zurück. Denn ein bisschen bedrohlich sollte er ja sein, wenn er tatsächlich so grundlegend ist. Durch seine inflationäre Verwendung haben wir ihn etwas gezähmt, scheint es mir.

Was also zeigt mir das Bananenvideo? Einige in zufälliger Ordnung notierte Beobachtungen über den Paradigmenwechsel:

  • Richtungsänderung: Der Paradigmenwechsel kann eine radikale Richtungsänderung bedeuten. 180°, entgegengesetzter geht nicht. („So habe ich das ja noch nie gesehen!“)
  • Perspektivenwechsel: Das Objekt, um das es geht, muss ich von der ganz anderen Seite her betrachten. Dadurch wird es mir fremd. („Hilfe, wo ist der Stiel?! Ich brauche doch den Stiel!“)
  • Wertfreie Neubeurteilung: Bisher war das hintere Ende immer das unwichtige Ende (quasi der A… der Banane). Und jetzt soll ausgerechnet dieses Ende mir neue Zugänge eröffnen? („Was? So kann das doch nicht gehen!“)
  • Loslassen: Ich habe wohl nicht viele Bananen gegessen, aber alle, die ich gegessen habe, habe ich vom Stielende her geschält. Ohne Ausnahme. Und das soll falsch gewesen sein? („Hilfe, mein bisheriges Leben war ein einziger Fehler!“)
  • Neubeurteilung der Tradition: Vom Stielende her schälte ich die Bananen, weil ich das zuhause so gelernt hatte. Haben meine Eltern mir etwas Falsches beigebracht? Was bedeutet ihre Art des Bananenschälens im Licht der aktuellen Verschiebungen? Welchen Wert hat ihre Art? („Meine Güte! Meine Eltern hatten ja keine Ahnung!“)
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3 Responses to “Dem Paradigmenwechsel auf der Spur”

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  1. Silvio says:

    Genialer Blog, Cla! Auch in einer Bananität kann Komplexes verständlich gemacht werden!;-)

  2. Profilbild von Cla Cla says:

    @Silvio.
    Danke. Du bringst das wieder fruchtbar gut auf den Punkt!

Trackbacks

  1. […] nehme den Faden auf, den ich vor rund drei Wochen hier niedergelegt […]