Dem Paradigmenwechsel auf der Spur (2)

Ich nehme den Faden auf, den ich vor rund drei Wochen hier niedergelegt habe.

Kurz zur Wiederholung: Es geht darum, aus ganz einfachen Beobachtungen etwas über den viel beschworenen Paradigmenwechsel zu lernen. Was macht ihn aus?

Lange habe ich mir überlegt, ob ich diesem doch leicht anstössige Video hier eine Plattform schaffen soll. Doch dann setzte sich meine Überzeugung durch, dass man überall und von jedem und aus allem etwas lernen kann. Also auch hier.

Etwas lernen über den Paradigmenwechsel.

Anstatt das Video hier zu verlinken, werde ich seinen Inhalt einfach kurz beschreiben:

Der Clip wurde bei einer Hochzeitsfeier aufgenommen, bei der offenbar alle in bester Partystimmung sind. Jetzt ist ein Spiel angesagt. Die Männer der Gesellschaft müssen am Boden kriechen, und zwar durch einen Tunnel, den die Damen mit ihren Beinen bilden. Da kriecht nun einer nach dem anderen auf allen Vieren durch dieses Spalier aus einem Dutzend oder auch zwanzig Frauenbeinpaaren – bis einer auf die Idee kommt, die Sache – oder besser: sich selbst – umzudrehen: Er legt sich auf den Rücken und schiebt sich mit den Füssen voran, Gesicht und Blick nach oben. Es versteht sich, dass in einer so festlichen Gesellschaft alle Frauen Röcke tragen.

Obwohl ich finde, dass der Typ eine Ohrfeige verdient hätte (ich sage das ohne jede Ironie), sehe ich hier eine wichtige Ergänzung zu unserer Spurensuche im Fall „Paradigmenwechsel“.

Natürlich finden wir auch hier wieder den Perspektivenwechsel, der uns schon bei der Banane begegnet ist. Doch um das zu unterstreichen, hätte auch ein Beispiel gereicht, das weniger Risiko birgt, für Empörung zu sorgen.

Die Anstössigkeit selbst aber geht in einem harmloseren Beispiel selbstverständlich verloren. Und diese Anstössigkeit, so mein Verdacht, ist ein weiteres Charakteristikum des Paradigmenwechsels. Sie ist das Neue hier, das Neue, das die Banane uns nicht lehren konnte.

Der Paradigmenwechsel (bzw. das neue Paradigma) stellt sich quer, und das kommt einem mindestens anfangs einmal „schräg rein“. Ein Paradigmenwechsel ist daher seinem Wesen nach anstössig, weil er Erwartungen durchbricht, Grenzen überschreitet und sich Freiheiten nimmt, an die andere nicht einmal zu denken wagten. (Oder aber sie dachten vielleicht daran, trauten sich aber nicht, diese Gedanken auch Wirklichkeit werden zu lassen.) Der Paradigmenwechsel wird von der Umgebung daher als unpassend, möglicherweise als Zumutung und Frechheit und vielleicht sogar als Sauerei empfunden. Er ist dann in den Augen derer, die ihn nicht gleich mitvollziehen, unanständig.

Wer ein neues Paradigma einführt, geht daher das Risiko ein, auf solche zu stossen, die finden, er habe eine Ohrfeige verdient.

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