Meine Software-Entdeckung: Scrivener

Eine der grossen Herausforderungen beim Schreiben besteht darin, aus dem Chaos der inneren Gedankenhaufen eine nachvollziehbare Ordnung entstehen zu lassen.

Studieren bedeutet daher nicht zuletzt, im Angesicht dieser Herausforderung Techniken zu finden oder zu entwickeln, sie auszuprobieren und dann den eigenen Bedürfnissen anzupassen. Dazu gibt es ganz verschiedene Werkzeuge und grundsätzlich zwei Sorten Menschen: Die aus Papier und die aus Elektronikteilen.

Von meinem Naturell her gehöre ich eindeutig zur ersten Sorte. Ich arbeite ausgesprochen gerne auf Blättern und in Notizbüchern – und doch…

Im letzten Jahr bin ich auf eine Software gestossen, die mich nun auch für kreative Prozesse wie zum Beispiel die Entwicklung von Dispositionen mehr zum Computer gezogen hat. Sie heisst Scrivener und ist nicht neu. Für mich aber schon. Und bevor ich hier allgemeine Lust verbreite und sie später abwürgen muss: Scrivener ist derzeit nur für Mac erhältlich (die Windows-Version liegt jedoch in der Pipeline) und nur in Englisch.

Scrivener ist eine Schreibsoftware mit einem unerhörte umfassenden Funktionsangebot. Ich beschränke mich daher auf eine Reihe von Punkten, die mich besonders angesprochen haben.

Ein Text, viele Bausteine

Zuerst ganz grundsätzlich: Ein Scrivener-Projekt besteht aus einer kleinen oder grossen Anzahl von Teildokumenten. Dieser werden in der Seitenleiste als Baumstruktur dargestellt (ähnlich dem Windows-Explorer) und lassen sich dort verschieben und kopieren. So ist es zum Beispiel sinnvoll, die Kapitel (oder sogar die einzelnen Abschnitte) eines Textes als einzelne Teildokumente zu bearbeiten. Ein leeres Scrivener-Dokument enthält zudem einen Research-Ordner, in den ganz einfach per Drag-and-Drop Dokumente importiert werden können: Textdokumente aller Art, PDF, Fotos und sogar Filme. So hat man beim Schreiben das Material, auf das man sich immer wieder bezieht, stets zur Hand. Sehr cool: Die Teildokumente lassen sich in der Ansicht „Scrivenings“ als ein fortlaufendes Dokument anzeigen.

Kreative Gliederungsarbeit

Scrivener bietet enorm umfassende Möglichkeiten für die Gliederungsarbeit. Der oben erwähnte so genannte „Binder“, der die Teildokumente des Projektes in einer Baumstruktur präsentiert, ist nur ein Werkzeug dafür. Zusätzlich ist es auch möglich, die Teildokumente in einer erweiterten Gliederungsansicht anzuzeigen, wo neben dem Titel auch weitere Informationen eingeblendet werden können – zum Beispiel eine Zusammenfassung, die zu jedem Teildokument formuliert werden kann. Oder Schlagwörter. Oder Arbeitsstand.

Besonders angetan hat es mir aber die Pinnwandansicht. Hier werden alle Teildokumente als Karteikarten auf einer Pinnwand angezeigt. Zu sehen sind auf den Karten dann Titel und Zusammenfassung, Teildokument, die wiederum Unterdokumente enthalten, erscheinen als Kartenstapel. So kann man sich unerhört intuitiv durch die Struktur des Projektes bewegen und diese anpassen, indem man Karten verschiebt.

Platz zum Schreiben

Trotz seiner prall gefüllten Werkzeugkiste verbaut Scrivener mir nicht den Weg zum Schreiben. Das schätze ich besonders, da ich ein Bastler bin und mich daher manchmal zu gerne von meiner Arbeit ablenken lasse. Diesen Artikel hier schreibe ich in Scriveners Fullscreen-Mode, der meinen ganzen Bildschirm leerräumt, so dass ich nichts als meinen Text vor mir habe (und wenn mir nichts einfällt, gar nichts). Auch die einfachen Möglichkeiten, Teiltexte zu verschieben und mir die Struktur eines Dokumentes jederzeit mit einem kurzen Seitenblick vor Augen zu führen, erleichtert mir die Arbeit, weil ich keine Zeit mehr damit verbringe, in einem langen Dokument vor- und zurückzusurfen.

Vielseitiger Export

Ist ein Projekt abgeschlossen und der Text fertig, wird er exportiert. Die umfassenden Exportfunktionen bieten die Möglichkeit, zu definieren, welche Teildokumente im Endprodukt eingeschlossen sein sollen, wie sie zu formatieren sind und in welchem Dateiformat sie zur Verfügung stehen sollen. Scrivener bietet den Export in viele gängige Formate wie z. B. Word, PDF, HTML, TXT und auch in E-Bookformate wie epub und mobi (das Kindle-Format).

Wer sich für weitere Informationen interessiert, dem empfehle ich diese kurze Screenshot-Einführung und allenfalls eine umfassenderen Rundgang durch die Website von Literature and Latte, der Firma hinter Scrivener.

Scrivener ist meiner Meinung nach ausgezeichnet geeignet für die Arbeit an Projekten im Studium, seien das nun Kursarbeiten oder auch Abschlussarbeiten auf Bachelor- oder Masterlevel. Trotz enormem Funktionsumfang läuft der Einstieg intuitiv und umkompliziert. Die Testversion bietet sämtliche Funktionen und ist 30 Tage nutzbar – wobei nur Tage gezählt werden, an denen die Software auch tatsächlich verwendet wird. Wirklich fair, finde ich; genauso wie der Preis von 45.- $.

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3 Responses to “Meine Software-Entdeckung: Scrivener”

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  1. Robert says:

    Leider sind die Programme nur für Apple.
    Hast du zufällig einen Tipp für Windows?

  2. Profilbild von Cla Cla says:

    Für Windows steht inzwischen bereits eine Beta-Version zur Verfügung. Zum Download gehts hier.

  3. Alexander says:

    Danke für den klasse Tipp!
    Bisher hatte ich meine Gedanken immer in Mind-Maps strukturiert und später dann in einen logischen Aufbau überführt. Ich werde Scrivener definitiv antesten.