Sheffield 4: Begegnung mit Harry Steele, Pionierpfarrer

Ich bin mit meiner Berichterstattung etwas in Rückstand geraten. Wir sehen und hören hier so viel, dass ich mich etwas überwältigt fühle und der Output ein bisschen klemmt.

Wo also anfangen? Vielleicht hier:

Vorgestern Abend war Harry Steele von „The Uncut Project“ bei uns zu Gast. Harry ist ordinierter „Pioneer Minister“ (zu Deutsch in etwa „Pionierpfarrer“) der Anglikanischen Kirche.

„The Uncut Project“ ist eine Jugendkirche im Rahmen der anglikanischen Gemeinde „All Saints Church, Ecclesall“. Harry selbst beschreibt es als „Kirche innerhalb einer Kirche“, und im Gegensatz zur Skepsis, die diese Formulierung sonst gemeinhin auslöst, meint er das durchaus positiv. Er erzählte uns seine eigene Geschichte und jene des Uncut Project und steckte die strukturellen Grundlagen abgesteckt. Hier kam alles, was so dazugehört: Grundwerte (Witness, Love, Justice), Angebote für die verschiedenen Altersgruppen, Erfahrungsberichte.

Der Einblick, den Harry uns gewährte, war faszinierend und ermutigend. Speziell sein wiederholter Hinweis, dass all das eigentlich wenig aussergewöhnlich und nicht besonders neu und ziemlich einfach sei, schufen Nähe. (Dieser Hinweis oder dieses Bekenntnis der Bescheidenheit ist auch fester Bestandteil dessen, was hier in Grossbritannien als die so genannten „Fresh Expressions of Church“ Kreise zieht.)

Am meisten und nachhaltigsten eingefahren aber ist mir seine Antwort auf eine Frage aus dem Plenum: „Was gefällt dir an Deiner Arbeit am besten? In welchen Momenten bist du begeistert von dem, was du tust und was um dich herum entstanden ist?“

Ich hätte mir viele Antworten vorstellen können:

  • Wenn ich wieder einmal einen Teenager taufen darf.
  • Wenn hundert Teenager gemeinsam Gott anbeten.
  • Wenn ein Teenager einen kirchendistanzierten Freund mitbringt und dieser Gott erlebt.
  • Wenn …

Harry antwortet zunächst mit einem Wort: „Communion“ (Abendmahl) und erzählt dann davon, wie er mit den jungen Menschen der Gemeinde nach anglikanischer Liturgie das Abendmahl feiert, wie sie in einer Gruppe von 100 Personen eng gedrängt um einen Tisch herumstehen und dabei so still sind, dass man eine Nadel fallen hören könnte. Ähnlich still war es in unserer Runde, während er ruhig aber ergriffen und ergreifend Zeugnis davon gab, wie viel ihm diese Momente bedeuten. Ich war verblüfft von dieser Antwort, von diesem unerwarteten Brückenschlag zwischen Jugendkirche und liturgischer Tradition.

Programm von gestern:

  • Bible Study (Apg 10,24-48) and Prayer Groups
  • Rückblick auf Donnerstag
  • Theologische Grundlagen von „fresh expressions of church“
  • The Crowded House
  • Besuch in Gospel Communities von The Crowded House


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