Äbte statt Pastoren

Bitte was, Äbte?? Genau das war einer der Vorschläge von Alan Roxburgh mit dem er unsere wohlige Behaglichkeit am IGW Kongress irritieren wollte. Aber was, um alles in der Welt, soll das heissen? Zurück in den Schoss der katholischen Kirche? Oder war es dann doch eher der Aufruf, wieder vermehrt in die Klöster zu gehen? Bei weitem nicht – oder dann hätte ich ihn massiv missverstanden.
Nein, sein Vorschlag hatte ein ganz anderes Ziel. Wir haben ein eingeschliffenes Bild des Pastors, der sich lieb um seine paar Schäfchen kümmert und schaut, dass diese dummen Tierchen auch immer schön was Gutes zu beissen haben. Ja ja, ich höre alle Stimmen, die betonen, wie wichtig es sei, dass der Pastor auf die Menschen in der Gemeinde schaut, da ja für sie auch geschaut werden muss. Aber leider haben solche Pastoren nicht besonders viel bewegt in der Kirche, oder? Darum der Vorschlag von Alan: Wir brauchen Äbte.
Was meinte er damit? Äbte waren Vorsteher von Klöstern. Also doch zurück ins Kloster? Nein. Im Besten Fall war ein Kloster nicht als Rückzugsort aus der Welt gedacht, sondern als Stützpunkt um die Welt zu durchdringen, z.B. mit Hilfe für die Bedürftigen. Ein Abt leitete im besten Fall ein Bewegung von Menschen an, die sich um die Not der Menschen kümmerten und nicht einfach hinter ihren Klostermauern verfaulten.
Leider ist es immer noch oft so, dass (angehende) Pastoren sich in die Sicherheit der Gemeinde zurückziehen und Schafe hätscheln und sie anpredigen, sie sollten in dieser Welt einen Unterschied ausmachen. Aber selber sind sie oft gar nicht mehr Teil dieser Welt…
Nein wir brauchen Äbte, die an vorderster Front Bewegungen von Menschen anführen, die in die Quartiere und zu den Horden von Männern, Frauen und Kinder gehen, die in unserer Welt vor die Hunde gehen. Wir brauchen Äbte, die sich ihre Hände und Füsse dreckig machen und schier erdrückt werden von der Not dieser Welt. Wir brauchen Äbte, die ratlos weinen über all dem Elend in dieser Welt. Und wir brauchen letztendlich Menschen, die sich diesen Äbten anschliessen, um die Nachbarschaften zu erreichen.
Viel zu sehr konzentrieren wir Pastoren uns auf die Menschen „innerhalb“ der Gemeinde, in der grossen Angst sie könnten uns abhanden kommen. Dabei übersehen wir, dass es da draussen nur so wimmelt von Menschen, die noch keine Ahnung von der Story von Gott haben und die dringend eine gute Nachricht brauchen.
Also, lasst uns Äbte in dreckverschmierten Arbeitskleidern sein, statt Pastoren im gestylten Anzug, die in ihren kuschelig warmen Büros hinter ihren überdimensionierten Bildschirmen sitzen. Denn wenn die Äbte nicht voran gehen, wer tut es dann??

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2 Responses to “Äbte statt Pastoren”

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  1. Toller Beitrag! Ich freue mich schon auf den Text über die Hebamme!

  2. Michael Girgis says:

    Super geschrieben, spannend! Vielen Dank!