Hebammen der Gemeinde

Zugegeben: Der Gedanke eine Hebamme zu sein ist für uns Männer schwer nachvollziehbar. Wir sind ja keine Frauen und ich bin mir nicht sicher ob es so etwas wie männliche Geburtshelfer gibt? Tatsächlich soll es einen einzigen in Ausbildung geben… Egal, es geht hier um ein weiteres Bild von Alan Roxburgh vom IGW-Kongress.

Er schlug vor, dass Leiter sich nicht wie Autoritäten aufführen sollten, sondern wie Hebammen. Plädiert er für mehr Frauen in Leitungspositionen? Oder für mütterlichen Instinkt bei der Leitung einer Gemeinde? Oder für die Wiederentdeckung eines weibliches Gottesbild? Weder noch…

Leider geschieht es immer wieder, dass sich Menschen in der Gemeinde nicht stromlinienförmig dem Kurs der Gemeindeleitung unterordnen. Sie ecken an mit neuen Ideen, fordern die Leitung heraus und wünschen sich Veränderungen und Neuerungen. Vielleicht nicht immer ganz im Sinn des Pastors. Wie gehen wir damit um?

Allzu oft wird dann auf die Autorität gepocht. Der Pastor hat ja eine Ausbildung gemacht und weiss was gut und nützlich ist für die Gemeinde. Er sitzt ja in seiner warmen Studierstube und tüftelt die neuesten Konzepte für seine Herde aus. Und darum hat er Recht und es muss so gemacht werden wie er es sagt…

Hier soll – nein muss – ein Umdenken stattfinden. Statt einer Autoritätsperson, sollen wir Leiter zu Hebammen werden. Konkret? Unsere deutsche Sprache verrät es bereits etwas: „Heb“-Amme. Da scheint es darum zu gehen etwas zu heben – an dieser Stelle dürfen mich alle deutschen Philologen eines besser belehren – oder dabei zu helfen etwas hervorzubringen. Leiter sollen „Geburtshelfer“ sein, also behilflich bei Dingen, die in der Gemeinde geboren werden. Wir müssen nicht Menschen dazu bringen unsere Vorschläge umzusetzen, sondern wir müssen ihnen behilflich sein, die Ideen, die Gott in ihre Herzen gepflanzt hat, zur Welt zu bringen.

Dieser Vorschlag erfordert ein gesundes Umfeld, damit diese Neugeburten auch wirklich überleben können. Erstens braucht es dazu eine regelrechte Fehlerkultur. Wie soll ein Baby schon alles können? Es muss die Möglichkeit haben Fehler zu machen. Und genau hier happert es so oft, wir tun uns schwer mit Fehlern in der Gemeinde umzugehen, wieso auch immer! Zweitens – und das geht Hand in Hand mit der Fehlerkultur – braucht es eine Experimentierfreudigkeit. Die Gemeinde sollte ein Chemie-Labor sein, wo man ausprobieren, Neues schaffen und Dinge explodieren lassen sollte.

Ach, und zum Schluss das Unangenehmste: Geburtshelfer haben nichts unter Kontrolle. Sie können nur helfend zur Seite stehen, aber sie können nicht beeinflussen, was für ein Kind auf die Welt kommt. Dumm gelaufen! Wenn wir Gott in unserer Gemeinde Raum lassen, dann können wir nicht voraussehen was herauskommen wird… Aber Hand aufs Herz, wer will schon wissen, wie sein Kind genau aussehen wird, Hauptsache man bekommt ein Kind!

In diesem Sinne wünsche ich allen viel Spass beim Heben der Schätze, die sich noch in unseren Gemeinden verstecken.

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3 Responses to “Hebammen der Gemeinde”

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  1. Claudia Michaelsen says:

    Diese Beitrag ist doch ermutigend! Fehler machen zu dürfen, war meine erste (bewusste) Lektion von Gott nach meiner Wiederbekehrung! Und es nicht in der Hand zu haben, macht ja auch vieles sehr lebendig – aber es braucht so viel Mut dazu! Danke für diese Anregungen!

  2. Hebamme says:

    Um bei dem Bild zu bleiben: Die Hebamme betreut Mutter und Kind auch in den ersten Wochen nach der Geburt und kann so ein wenig beeinflussen, dass das Baby gut versorgt wird und prächtig gedeiht. Alles Gute und viele Grüße aus Aachen!

  3. Danke für eure Beiträge, vor allem von einer echten Hebamme :-).