Über die Freiheit

Theologen haben den Ruf, sie hätten den Bezug zur Realität verloren und würden sich hinter ihren Büchern verstecken. Darum heute der Versuch über Theologie im Alltag zu schreiben. Ich habe diese Woche Ferien und mache mir so meine Gedanken über das Thema Freiheit. Vorneweg meine wichtigste Erkenntnis:

Freiheit bedeutet NICHT einfach zu tun was man will.

Denn wenn man nur das tut, worauf man gerade Bock hat, so ist man Sklave des Bocks – oder schöner: seines Willens. Aber das ist noch keine Freiheit. Denn unser Wille ist leider allzu oft alles andere als gut, rein und aufbauend. Vielmehr haben wir in uns eine fiese Tendenz zur Faulheit und zum Destruktiven.

Freiheit aber heisst Unabhängigkeit, auch von unserem Willen. Dazu mein Wochenexperiment. Da meine Frau arbeitet, habe ich mich frewillig – und das ist wichtig – dazu entschieden, jeden Tag für sie zu Kochen und mit ihr früh aufzustehen. Ich gebe zu, dass es mich manchmal etwas Überwindung kostet, aber die Freude meiner Frau ist Lohn genug.

Ich merke, dass Freiheit nicht nur darin besteht zu tun, worauf ich gerade Lust habe – notabene die Definition von Ferien. Freiheit bedeutet auch: Tun, was anderen dient und ihnen zu Gute kommt. Ein freier Mensch kann etwas tun oder lassen, es spielt ihm keine Rolle. Er kann allen ein Diener und trotzdem völlig unabhängig sein.

Leider hat in Bezug auf die Freiheit der Individualismus auch in unseren Kirchen grossen Schaden angerichtet. Ich beobachte viele Christen, die immer alles nach dem Nutzen für sich selbst hinterfragen. Aber man könnte doch die Freiheit haben, einfach etwas zu tun, auch wenn es einem persönlich nichts Offensichtliches bringt?

Freiheit ist auch: Dinge tun, die mir nichts bringen.

Aber der Mensch ist als abhängiges Wesen geschaffen. Kein Mensch kann völlig unabhängig leben, denn alles in dieser Welt ist miteinander verbunden. Die Frage ist vielmehr: Von was bin ich abhängig? Völlige Freiheit liegt in der totalen Abhängigkeit von Gott. Paradox. Wenn ich also von Gott abhängig bin, dann habe ich die Freiheit meinem Willen zu gehorchen – oder auch nicht. Und ich habe die Freiheit mich anderen unterzuordnen, denn ich bin frei.

Und jetzt habe ich die Freiheit, diesen Blog abzuschliessen und bin gespannt auf Rückmeldungen. In diesem Sinn geniesst eure Freiheit…

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3 Responses to “Über die Freiheit”

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  1. Marek says:

    Hallo Beni,

    besonders gefallen hat mir in deinem Artikel:
    „Freiheit bedeutet NICHT einfach zu tun was man will.“

    Gebe dir Recht. Schöner Artikel, mach weiter so :)!