Me and My Jesus

Es ist eine Beobachtung, die ich schon seit längerem mache:

„Me and My Jesus“ ist in.

Nein nicht erst, seit eine bedeutende Freikirche der Schweiz eine CD mit diesem Titel veröffentlicht hat. Auch neuere Spiritualitätswellen gehen in diese Richtung. Das Wichtigste, sagen sie (und die Charismatiker), ist: Me and My Jesus.

„Me and My Jesus“, diese zwei können alles. Ja, es passt so wunderbar in unsere individualistische Welt, dass es nur mich und meinen Jesus braucht, um die Welt zu verändern.

Ich höre Predigten, wo es so oder ähnlich heisst: Du musst nur Zeit mit deinem Freund Jesus verbringen, dann kommt alles andere automatisch! Und ich denke: Cool, dann werde ich automatisch lernen meinen nervigen Nachbarn zu dienen, meine mühsamen Mit-Leiter zu lieben und die störrischen Leute in der Gemeinde zu verstehen! Das Leben ist doch wunderbar im „Me and My Jesus“-Universum.

Ok, genug des Sarkasmus. Aber die Frage bleibt: Wo im neuen Testament verspricht Jesus, dass wir alleine mit ihm alles verändern können? Nirgends. Es geht um eine Gemeinschaft, die diese Welt verändert. Es ist eben einfacher alleine mit Jesus die schönsten Zeiten zu verbringen, statt mühsame Leute lieben zu lernen.

Die Hoffnung dieser Welt ist nicht „Me and My Jesus“, sondern die Kirche.

Sie ist der Leib Jesu in dieser Welt und er lebt in ihr mit seiner ganzen Fülle (Eph 1,23)! Für die Kirche ist Jesus gestorben und bezeichnet sie als seine Braut! Wir brauchen Gemeinschaften, die dieser Welt dienen und sie durch den Heiligen Geist verändern, nicht Einzelkämpfer.

Leider leider werden auch missionale Ideen in diese Richtung missinterpretiert. Im Stil von: „Es braucht ja keinen Gottesdienst, ich kann ja einfach mit ein paar Kollegen ein Bier trinken“. Ich bezweifle, dass das wirklich eine Veränderung bringt. Warum? Weil „ich“ alleine ist.

Missionale Theologie ist keine Entschuldigung um vor der Kirche zu fliehen.

Sie ist vielmehr der Versuch, von einer innigen Liebe für die Menschen der Welt getrieben, neue Formen zu finden in Gemeinschaft Leute ins Reich Gottes zu faszinieren. Wir brauchen Gemeinschaften in der Schule, im Ausländerquartier, im Reichenquartier, bei den Skatern, bei den Punks, einfach überall.

Wir brauchen Gemeinschaften, die Leute ins Reich Gottes faszinieren.

Aber das ist auch knochenharte Arbeit. Wir müssen lernen miteinander einen Weg zu finden, auch wenn wir nicht immer gleicher Meinung sind. Die Zauberformel dafür: dienen, dienen, dienen.

Ok, ich gebe es zu: Me and My Jesus tönt cooler und gechillter und ja, ich liebe die Zeiten mit meinem Freund Jesus, dann wenn ich tief bewegt von seiner Gegenwart, Schönheit und Liebe weinen könnte.

Aber, das gehört genauso dazu: Keep on serving the world!

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3 Responses to “Me and My Jesus”

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  1. rockasteve says:

    Du hast schon recht. Jedoch kann ein keep on serving the world kann auch schnell zu einem „the show must go on“ verkommen. Denn es ist die Liebe untereinander die er Welt zu erkennen gibt, dass wir Gottes Kinder sind. Nicht das Program von daher müssen wir an Beziehungen arbeiten und nicht an Progammen. Leider sind viele Christen so damit beschäftigt zu „dienen“ das das tun wichtiger als die Beziehung ist. Anyay man kann wohl auf beiden Seiten herunterfallen. Glaube ohne Werke ist Tot und Werke ohne Glaube eben auch. Trotzdem anregender Beitrag. Mach weiter so. Steve

  2. ZeRo says:

    Weder das Eine noch das Andere wird, auf sich alleine gestellt, etwas bringen. Gemeinschaften von Christen, die ohne persönliche Gottesbeziehung leben, sind ebenso tot. Aber um deine Frage zu beantworten: Jesus ging oft alleine in die Wüste und hatte „Me and my Father“ und erst DANN ging er zu den Menschen. Es steht sehr wohl in der Bibel. =)

  3. Beni Leuenberger says:

    Danke für die Kommentare und irgendwie habt ihr natürlich beide recht. Mir ist einfach wichtig zu betonen, dass „Me and my Jesus“ die Grundlage, die Voraussetzung, die Basis ist. Aber nicht das Ziel!!
    Jesus ging gestärkt von den Zeiten mit seinem Vater zu den Menschen und verharrte nicht einfach in der Kontemplation. Sein Weg führte ihn ans Kreuz, zum grössten Dienst, den er den Menschen erweisen konnte.
    Darum: Grundlage: „Me and my Jesus“, Ziel: „Serve the World“.