Das Kony-Phänomen

Die Sache fasziniert mich: Ein 30-minütiges Filmchen bringt die halbe (Social-Network-)Welt in Aufruhr und gibt uns das Gefühl, dass wir wirklich etwas verändern können in dieser Welt. Das Phänomen hat sich in letzter Zeit oft wiederholt, denken wir nur an den arabischen Frühling im letzten Jahr.

Abgesehen von der Kritik am Film, die ich hier nicht kommentieren möchte, fallen mir ein paar Dinge auf:

Ein Samenkorn kann echt riesig werden.

Das Phänomen ist uralt und bereits Jesus hat davon gesprochen. Ein Samenkorn kann zu einem riesigen Gewächs werden, ein Filmchen kann Millionen von Menschen „bewegen“. Jesus meinte damals das Reich Gottes, aber es zeigt uns, dass er tatsächlich recht hat.

Wenige Menschen können Erstaunliches auf die Beine stellen. In der Ethnologie nennt man das „grassroots movement“. Bewegungen, die von unten kommen und ganze Gesellschaften verändern können. Das ist auch die ursprüngliche Idee der Jesus-Bewegung. Veränderung von unten bis ganz oben…

Aber es zeigt uns noch mehr.

Die Sehnsucht nach Gerechtigkeit.

Und wieder ist es ein uraltes Phänomen. Etwas, zutiefst im Mensch verborgenes, schreit nach Gerechtigkeit. Eine solche Geschichte, wie sie im Film dargestellt wird, weckt genau dieses Gefühl. Man muss doch etwas tun…

Und wieder erscheint hier Jesus top-aktuell: Er hat denen das Reich Gottes zugesagt, die sich nach Gerechtigkeit sehnen. Was heisst das? Im Reich Gottes herrscht eine neue Gerechtigkeit. Die Menschen erhalten nicht mehr was sie verdienen, sondern was sie brauchen. Und wieder hat ein solches Prinzip revolutionären Charakter…

Doch ein Letztes zeigt es auch noch:

Vom Sofa aus geht vieles leichter.

So erstaunlich die ganze Kampagne auch ist, bleibt es fraglich ob es irgendeinen (positiven) Effekt für Uganda und dessen Bevölkerung haben wird. Denn es handelt sich hier um eine „Schein-Beteiligung“. Die Wenigsten, die „Like“ gedrückt haben, werden irgendetwas Konkretes tun, um diese Kampagne zu unterstützen.

Und hier liegt ein fundamentales Problem vieler Menschen. Etwas bewegt uns innerlich, aber es verändert nichts in unserem Leben. Christen unterscheiden sich in diesem Punkt leider wenig…

Vielleicht sind wir begeistert von radikalen Ideen, aber oft fehlt uns der Mut unser Leben der Jesus-Bewegung anzupassen.

In diesem Sinn kann ich nur über den Mut der „Invisible Child“-Bewegung staunen, muss mir aber eingestehen, dass wir zu Ähnlichem aufgerufen wären…

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4 Responses to “Das Kony-Phänomen”

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  1. Kathy says:

    Ich glaube, dass die Kony Angelegenheit nicht halb so einfach ist, wie das Video suggeriert. Man muss ganze Regionen stabilisieren und Schulen bauen. Dann verschwinden nämlich die Warlords von selbst.

  2. samson says:

    Ich kann nur den Beitrag von ZDF NEO paradise empfehlen! (einfach mal googlen) Hier wird auf sehr ironische, aber auch auf böse Art und Weise über das Projekt Kony2012 berichtet. Die Initiatoren werden öffentlich angeprangert außer lehrer Phrasen und Selbstbeweichräucherung nichts anbieten zu können, was in der Lage wäre, etwas zu verändern. Ich sehe das eigentlich ähnlich. Klar ist das ein schlimmes und wichtiges Thema, über das gesprochen und nachgedacht werden muss, aber wer rettet schon die Welt, indem er eine Kampagne liket? Das ist nicht die Art von Aktion die einen Nährwert nach sich zieht! Als wenn sich Kony denken würde: „Oh mann! Da gibt es eine wachsende Internetgemeinde die meine Taten verurteilt! dann lass ich das mal besser.“ Ich bin mir nicht mal sicher, ob es ihm überhaupt bekannt ist! Also dürfte der Effekt bei null liegen. Zumindest im realpolitischen Bereich. Die ganzen interaktiven „Weltverbesserer“ erfahren leider einen Effekt, der sie in ihrem fruchtlosen Bemühen bestärkt und ihre Schaumschlägerei nur anstachelt. Anstatt wertvolle Resourcen zu verschwenden (Zeit, Menschen) sollte man sich mit realistischen und ganzheitlichen Lösungen beschäftigen und den Menschen helfen, nicht dem Ego!

  3. Vielen Dank für den tollen Beitrag, ich werde mir den Beitrag gerne einmal ansehen. Ich stimme dir zu, dass der reale Wert einer solchen Aktion wohl bei Null liegt. Trotzdem fasziniert es mich, dass viele Menschen auf den Wunsch, in dieser Welt etwas zu verändern, positiv ansprechen. Es ist ein ganz andere Frage, was sie dazu beitragen würden…

  4. Simon says:

    Ein wirklich toller Artikel! Das Beispiel Kony 2012 zeigt meiner Meinung nach genau auf, was das Internet und Social Media heutzutage alles bezwecken können. Ich denke zukünftig eröffnet dies eine ganz neue Möglichkeit der Meinungsäußerung und dem geschlossenen Widerstand bzw. Aufstand gegen etwas.