Studientag vom 20.4.12: Christ werden – Christ bleiben

Was bedeutet es aus neutestamentlicher Sicht Christ zu werden und Christ zu bleiben? Diese brennende Frage wurde am M&D-Studientag von IGW am 20. April 2012 heiss diskutiert. Grundlage für die Diskussionen dienten zwei Impulsreferate von Dr. Jürg Buchegger, Pastor der Freien Evangelischen Gemeinde in Buchs SG.

Bekehrung – ein ganzheitlicher Prozess

Heute sei – so Jürg Buchegger – der Begriff „Bekehrung“ ein Sammelbegriff für alles, was mit dem Beginn des Christseins zu tun habe. Mit Hilfe einer Darstellung des englischen Theologen David Pawson möchte der Referent Ordnung in das schwammige Begriffsfeld bringen. Er beschreibt die Bekehrung anhand von vier Türen des Glaubens:

1)     der Busse gegenüber Gott

2)     dem Glauben an Jesus Christus

3)     der Taufe im Wasser und

4)     dem Empfang des Geistes

Jede der Türen habe eine innere (verborgene) und eine äussere (sichtbare) Seite, die miteinander in einer unmittelbaren Wechselbeziehung stünden. So sei zum Beispiel ein innerer Glaubensvollzug ohne sichtbaren Ausdruck der Taufe oder eine Taufe ohne inneren Glaubensvollzug (Säuglingstaufe) als unvollständiges Element der Bekehrung abzulehnen. Aus demselben Grund sei auch das Verständnis der Geisttaufe ohne äussere Wirkungen aus einer neutestamentlichen Perspektive kritisch zu überdenken. Bei der Evangelisation würden Christen nicht nur auf die Wichtigkeit einer Entscheidung hinweisen, sondern verstünden sich als Geburtshelfer, die Menschen im Prozess einer ganzheitlichen Bekehrung unterstützen.

Heiligung – Ein Leben zwischen Kreuz und Auferstehung

Gilt die Gnade nur für die Bekehrung und wird danach wieder der Massstab der guten Werke angesetzt oder verlassen wir uns lieber auf eine „billige Gnade“, die keine Werke kennt? Keine dieser beiden Möglichkeiten ist nach Jürg Buchegger befriedigend. Bekehrung und Heiligung dürften nicht als separate Kategorien einander gegenübergestellt, sondern müssten in Kontinuität verstanden werden. Ein gutes Bild dafür sei die organische Geburt und das darauf folgende Wachstum des Körpers. Heiligkeit werde nicht mit guten Werken erkauft, sondern von Gott in Jesus Christus geschenkt. Diese bewirke dann im Leben eines Christenmenschen eine ständige Erneuerung und Umgestaltung in die Gottähnlichkeit. Das Leben eines Christenmenschen befinde sich somit zwischen Kreuz (Bekehrung) und Auferstehung (Vollendung) – in der Spannung zwischen dem jetzt schon und noch nicht.

Die mutigen Thesen von Jürg Buchegger regten interessante Diskussionen an und wurden von den Zuhörern als Bereicherung für ihr theologisches Denken und gemeindepraktisches Handeln erlebt.

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