Schlagkräftiger Theologe

Pascal Brawand ist Boxer. Und Theologe. Er hat bei IGW das Fernstudium abgeschlossen und betreibt in Bern eine Boxschule. Ein boxender Pfarrer? Das wirft Fragen auf.

Pascal Brawand und Yoe beim Boxtraining

Pascal, du hast dein Fernstudium bei IGW mit einem Diplom in praktischer Theologie abgeschlossen. Jetzt führst du eine Boxschule. Bist du als Theologe gescheitert, dass du jetzt boxen musst? Oder was hat Boxen mit Theologie zu tun?

Nun, ob ich als Theologe gescheitert bin überlasse ich gerne anderen Kommentatoren, allerdings dürfen sie nicht ernstlich damit rechnen, dass ich mir ihre Analysen auch anhöre! Aber nun zur ernsten Antwort. Schon seit meinen Kindheitstagen im Glauben an Jesus, was ja nun auch schon 15 Jahre her ist, wollte ich ein fundierte theologische Ausbildung absolvieren. Das IGW mit seiner offenen Struktur bot mir damals die optimale Möglichkeit Arbeit und Studium zu verbinden, so arbeitete ich also während dem gesamten Bachelorlehrgang in einer Boxschule und durfte daneben studieren.

Welche Rolle spielt das Boxen in deinem Leben?

Das Boxen als Sport war für mich schon seit jungen Jahren sehr wichtig! Ich habe mit diesem Sport im Alter von 13 Jahren begonnen, damals noch als heisser und erfolgshungriger Jungspund. Nach meiner aktiven Karriere und einer kurzen Auszeit ohne Sport und Boxen wurde ich dann angefragt, ob ich nicht eine freie Trainerstellung in einer der renommiertesten Boxschulen der Schweiz einnehmen und zudem vorgängig, die dazugehörenden Ausbildungen absolvieren möchte. Nach reiflicher Überlegung und dem Abwägungen in welche Richtung ich mich entwickeln möchte, sagte ich dann zu. So bin ich seither nicht mehr Athlet sondern Trainer.

Welche Rolle spielt das Boxen als Christ?

Ich habe eine Berufung das ist Christ und ich habe einen Beruf der heisst Boxlehrer. Während die Berufung Christ unaufhörlicher und unabänderlicher Ruf bis in die Ewigkeit hinein ist, kann ich den Beruf jederzeit wechseln und mich in dieser Hinsicht immer wieder neu erfinden! Oft werde ich auch gefragt, ob ein gläubiger Christ das Boxen als Kampfsport mit seinen passiven Verteidigungselementen, aber vor allem mit seinen aktivem Angriffselementen und zuweilen archaisch roh anmutenden Ausprägungen, überhaupt ausüben darf?
Meiner Meinung nach ist die Antwort darauf, in den zwei Fragen der Motivation und der Aggressiondefinierung zu suchen. Zum ersten kommt es doch sicher immer darauf an, was jemanden überhaupt zu einer Tätigkeit motiviert? Sei es zu irgendeinem Aufbau oder Dienst, oder einfach aus öder Eitelkeit heraus, dann aber vielleicht aus Zorn oder Hass, oder letztendlich gar zur gezielten Zerstörung des Gegenübers. Oder es ist für den Ausübenden ein rein sportlicher Aspekt wie Fitness oder Wettstreit und dieser dann mit all den dazugehörenden Facetten wie Mut zum Start, Beherrschung von Technik und Taktik, einsetzen gezielter Kraft und Ausdauer und letztlich dem Aushalten von Sieg oder Niederlage. Zum zweiten ist es eine Auslegung des Begriffes Aggression?. Ist Aggression immer destruktiv, ist und endet in Gewalt oder kann Aggression auch konstruktiv verstanden sein, als Ausdruck einer uns Menschen innewohnenden Energie, die uns in fokussierter Arbeit zu unseren angestrebten Zielen treibt? (Anm. des A. zur Verständnishilfe: Als Jesus das Kreuz durch Schmähungen, Spuke und Schlägen auf Golgatha trug, brauchte er dazu eine gewisse Kraft, das Ziel war klar, Rettung, Befreiung und Heilung, doch dazu brauchte er zielgerichtete Aggression!).

An Deiner Boxschule verbindest du Kämpfen mit Coaching. Wie sieht das konkret aus?

Swiss Cup 2011 Light Contact Boxing

Mit meinem Label „Boxen zur Bildung“, verbinde ich bewusst Kämpfen und Kampf mit der gezielten Förderung der Individuen auf ihrer mental-emotionalen Ebene. Zu diesem Ziel hin habe ich diese Boxschule gegründet, zur Tröstung, Ermutigung und Förderung von Menschen! Wie genau das funktioniert, kann ich natürlich in der Kürze der Zeit nicht erläutern, doch soviel sei gesagt, Personen die etwas zu viel „Power“ haben, können diesen abtrainieren und Personen die etwas zu wenig „Power“ haben, können diesen antrainieren.

Ist das Leben ein Kampf?

Natürlich betrachtet schon, aber in Wirklichkeit es ist Kunst! Leiderweise wurde ja die Schöpfung durch die grösste Katastrophe von der Ordnung in die Zerstörung geführt und nur deswegen wurde es zum Kampf. Ständiges Kämpfen und Kampf in und gegen uns, gegen Gott, gegen die Schöpfung mit all den Folgen des Leides. Um all das zu ändern und die Gefangenen zu befreien, deshalb kam Jesus Christus, er gewann diesen Kampf in der doppelten Wirklichkeit, dem Natürlichen und dem Übernatürlichen. Doch seinen Kampf zu kämpfen und die Wirklichkeit Gottes in der natürlichen  Sphäre zu offenbar zu machen, muss von der Pike auf gelernt werden. Um mit Vollmacht anzutreten und dem Heute wirklich etwas zu bringen statt es zu langweilen, dass bedarf der Unterweisung und Verständnis seines Kampfes, deswegen ist es eine göttliche Kampfkunst!

Vielen Dank für das Gespräch, Pascal. Und weiterhin viel Erfolg!

 

 

 

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