Vergessene Wege: Die Stimme des Übersetzers

Björn Wagner hat das neue Buch von Alan Hirsch, Vergessene Wege, übersetzt und danach sogar noch die Zeit gefunden, mir einige Fragen zu beantworten.

Alan Hirsch ist als einer der prominenten Exponenten der missionalen Diskussion bekannt. Wie ist es dazu gekommen, dass du sein neues Buch übersetzt hast?

Es war die logische Folge dessen, dass ich bereits Der wilde Messias ins Deutsche Übersetzt habe. Alan wollte, dass ich auch Vergessene Wege die deutsche Sprachgestalt gebe – wir haben ein gutes Verhältnis durch die Übersetzung entwickelt.

Einer der Kernbegriffe in Vergessene Wege ist „Apostolischer Genius“. Was darf man sich unter dieser wuchtigen Formulierung vorstellen?

Das in allem Nachfolgern Jesu schlafende Potential, wie Jesus zu leben. Alan beschreibt es als das Erbgut und weist nach, dass die Ausprägungen dieses Genius in allen bedeutsamen Jesus-Bewegungen der Geschichte zu finden waren. Sperriges Wort – ich habe lange darum gekämpft diese wuchtige Formulierung so zu übernehmen.

Alan Hirsch schreibt über die Entwicklung „von einer Kirche zu einer organischen Bewegung“ (S. 55ff). Es sind immer wieder Stimmen zu hören, die einen solchen Prozess für nahezu unmöglich halten. Hast du so etwas schon einmal aus der Nähe miterlebt?

Ja – z. B. findet es sich in Ansätzen in der anglikanischen Kirche Englands – trotz Institution gibt es viel Wandel. Dort kann man die „Faithful Radicals“ in die Kirche integrieren. Natürlich muss man sich bewusst sein, dass man aus einem Haus nicht ohne weiteres ein Schiff machen kann. Im CVJM gibt es so etwas immer wieder, wenn aus einem dynamischen Jugendkreis „mehr“ wird und etwas Neues beginnt.

Die Zukunft der Christenheit im Westen liege in „unfertigen, frisch geschlüpften Gruppen und Bewegungen“, so Hirsch (S. 92). Widerspricht Hirsch sich hier nicht selbst, wenn es ihm doch um den Prozess von der Kirche zur organischen Bewegung geht?

In der Unfertigkeit liegt eine grosse Hoffnung. Gerade die Perfektion und Exzellenz vieler modernen Gemeinden erstickt Kreativität und Chaos im Keim. Wenn Alan hier von dem frisch Geschlüpften spricht, dann meint er damit etwas, das noch seine Form finden darf und durch seine bloße Existenz den Status Quo der bestehenden Kirche in Frage stellt.

Siehst Du solche „unfertigen, frisch geschlüpften Gruppen und Bewegungen“? Wo? Wie sehen sie zum Beispiel aus?

Im deutschen Kontext gibt es mittlerweile ein paar Beispiele: EMOTION in Essen, das Motoki-Kollektiv in Köln, Kubik in Karlsruhe oder auch Anorak21 auf dem Land. Das sind alles Wilde, Kreative und Unfertige. Sie alle verbindet der Mut zur Veränderung und die Frage, wie eine Jesusbewegung im 21 Jhd. und vor allem in ihrem jeweiligen Kontext aussehen kann. Spannend finde ich die Zeitschrift „FROH!“, die derzeit einzigartig in der Printlandschaft ist.

Wer sollte Vergessene Wege lesen?

Jeder! – Im Ernst: Wir Christen leiden viel zu oft unter einem riesigen Minderwertigkeitskomplex. Das Konzept des Apostolischen Genius bringt uns etwas zurück, eine Ahnung davon, dass wir wirklich die Welt verändern können – und auch sollen und müssen! Aber wir fühlen uns oft so klein. Vergessene Wege ruft uns ins Gedächtnis, dass es Gottes Möglichkeiten und seine Wege sind, die wir sehen und gehen sollen. Wir fokussieren zu oft nur auf uns selbst. Jeder, der sich fragt, wie Kirche und Gemeinde im 21. Jhd. aussehen und praktisch gebaut werden soll, muss Vergessene Wege lesen.

Du engagierst dich bei Novavox, dem „Netzwerk für missionale Gemeindeinnovation“. Was hat eure Arbeit dort mit Vergessene Wege zu tun?

Vergessene Wege ist für uns bei Novavox so eine Art Handbuch, ein Standardwerk, auf das wir immer wieder zurückkommen. Die einzelnen Elemente der mDNA helfen uns, unsere blinden Flecken zu sehen und anzugehen. Die missionale Bewegung ist noch lange nicht zuhause im deutschsprachigen Raum. Und Novavox ist ein Vehikel, um auf diese Bewegung hinzuweisen. Praktisch arbeiten wir daran, ein Bewusstsein für unsere post-christliche Gesellschaft zu bekommen und die Sehnsucht und den Wunsch zu wecken, in die Missio Dei einzutauchen und ihr Teil zu werden. Bücher, Konferenzen, Think-Tanks und natürlich auch Vorlesungen sind Teil unserer Arbeit. Übrigens ist die nächste Konferenz vom 22. – 24. 11. 2012 in Mainz. Mit Debra und Alan Hirsch und Michael Frost und vielen Praktikern aus den deutschsprachigen Ländern.

Weiterführende Links

www.novavox.org

Novavox-Konferenz im Novenber 2012

http://verein.anorak21.de/startseite

http://www.motoki-kollektiv.de

www.froh-magazin.de

http://www.cvjm-emotion.de

 

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One Response to “Vergessene Wege: Die Stimme des Übersetzers”

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  1. Ich mag Alan Hirsch, im Original wie in der Übersetzung. Björn Wagner macht da einen guten Job.