Die Welt ins Lot bringen

Vielleicht kann man diesen Beitrag als Buchrezension bezeichnen oder einfach als leidenschaftlicher Aufruf: Lasst uns von Gott gebrauchen, um diese Welt ins Lot zu bringen.

Ausgangspunkt ist ein Buch von Tom Wright: Von Hoffnung überrascht. An alle die es noch nicht gelesen haben: Das ist Pflicht! Aus meiner Sicht eines der besten Bücher, das ich in meiner Zeit bei IGW gelesen habe (zusätzlich zur Pflichtliteratur); sorry IGW!

Oft reden Christen darüber, dass es wichtig ist, nicht rechts oder links vom Pferd oder vom schmalen Pfad zu fallen.

Aber selten sprechen wir darüber, wie das Pferd selbst aussieht, auf dem wir uns halten sollten.

Genau das tut Wright auf hervorragende Art und Weise. Er lässt sich in keine Schublade stecken, kritisiert gnostisch angehauchte Christen, die meinen unser Ziel sei der körperlose Himmel. Er wehrt sich aber auch gegen das „soziale Evangelium“, das meint, dass das Reich Gottes in dieser Welt vollständig aufzurichten sei.

Das Buch zeigt schonungslos auf, dass unsere Eschatologie manchmal haarscharf und zum Teil meilenweit an dem vorbeigeht, was das Neue Testament sagt.

Das Ziel ist nicht, dass wir Christen aus der Welt gerettet werden, sondern dass die Welt wieder ins Lot gebracht wird. Der Start zu diesem Projekt ist die Auferstehung von Jesus, der zugleich mit seinem Tod das grösste Hindernis, das Böse, besiegt hat.

Mit Jesus ist die ins Lot gebrachte Zukunft Gottes in die Gegenwart hereingebrochen, er ist der Prototyp der neuen Schöpfung. Und unsere Aufgabe ist es nun, diese Zukunft Gottes immer mehr in der Gegenwart real werden zu lassen. Immer im Wissen, dass die letztendliche Neuschöpfung der Erde und des Himmels die Sache des souveränen Gottes ist.

Das heisst: Gott stellt die Welt auf den Kopf und das ist ein Bedrohung für die Mächtigen und Reichen dieser Welt (Wer hören kann, der höre…). Der gnostische Eskapismus der Entrückungslehre ist keine Bedrohung für die Strukturen dieser Welt. Der auferstandene Messias sehr wohl…

Darum ist die Ungerechtigkeit dieser Welt, speziell die Ausbeutung der Armen durch die Reichen nicht akzeptabel für Christen! Das ist nicht einfach ein Zustand der natürlich oder gottgegeben oder erarbeitet oder sonst was ist! (Das sagten die Befürworter der Sklaverei auch.) Nein das sind faule Ausreden und die typischen Antworten von fetten westlichen Christen, die nie aus ihren bequemen Sesseln gekommen sind. Sorry für die Formulierung: ich lehne mich an Wright an.

Für die Kirchen bedeutet es: biblische Eschatologie bringt eine erneuerte und umstrittene Vision von der Kirche hervor. Vielleicht war uns die alte Version der Eschatologie eigentlich lieber…

Was mich fasziniert: Systematische Theologie à la Wright kann extrem praktisch, gesellschaftsrelevant und Christen aufscheuchend sein. Das ist Aufgabe guter Theologie.

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