Download: Shane Claiborne auf MP3.

Vor einigen Wochen ging auf St. Chrischona die SSK (Strategie- und Schulungskonferenz) über die Bühne. Gast war Shane Claiborne, der mit seinem Buch “Ich muss verrückt sein, so zu leben – Kompromisslose Experimente in Sachen Nächstenliebe” in den letzten zwei Jahren für einigen Diskussionsstoff gesorgt hat. Ich habe das Buch selbst noch nicht gelesen, freue mich aber sehr, dass die Veranstalter die Referate nun als MP3-Dateien zum Download zur Verfügung stellen. Und zwar so, wie wir es gerne haben: gratis!

Danke!

Hier geht’s zu den Downloads.

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Von E-Learning zu Social-Learning

Sehr interessant. Die folgende Präsentation kann ich sehr empfehlen (leider nur in Englisch) zum Thema E-Learning und Social Learning. Viele Jugendliche bewegen sich mit Social-Learning Plattformen (Twitter, FaceBook, dimdim, flikr). Wie können wir das in unseren Unterricht einbauen?

Ich denke, da haben wir in theologischen Ausbildungsstätten, noch einigen Entwicklungsbedarf.

Hier ein bisschen Brian-Food: Form E-Learning to Social Learning

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Wie man ein Whiteboard radiert.

Was jetzt kommt, hat nur am Rand mit Theologie zu tun. Ich bin jedoch dermassen begeistert von dieser Entdeckung, dass ich ein Ventil brauche. Dazu kommt, dass allenfalls der eine oder andere Leser so froh ist um diesen Tipp wie ich. Und schliesslich sollen auch Theologen alle Register der Kommunikationskunst ziehen.

Zuerst konnte ich es gar nicht glauben. Die Lösung schien zu einfach. Wie entfernt man Geschreibsel vom Whiteboard, für das man versehentlich einen Permanentmarker anstelle des trocken abwischbaren WhiteboardWhiteboard-Stiftes verwendet hat? – Man schreibt mit einem dieser trocken abwischbaren Stifte darüber und tut dann genau das: trocken abwischen. Alles verschwindet, auch die scheinbar unauslöschliche Permanentschrift.

Ich hab’s gleich ausprobiert, da auf meinem Whiteboard im Büro schon lange “More or less” stand, das seit dem letzten Abwischen jedem Reinigungsversuch trotzig Widerstand leistete. Und siehe da: Weg war’s. (Jetzt fehlt es mir fast ein bisschen.)

So einfach geht das (manchmal).

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Theologie als Dienstleistung

Wissenschaft ist eine Dienstleistung, die dazu beitragen soll, dass es den Menschen besser geht. Dennoch erhält man bisweilen den Eindruck, Wissenschaft und Gesellschaft seien getrennte Systeme, die nichts miteinander zu tun haben.

So äussert sich Walter Leimgruber, Professor für Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie an der Universität Basel, in Horizonte, dem Magazin des Schweizerischen Nationalfonds (Ausgabe Juni 2009). Diese Feststellung und die darin enthaltene Forderung freuen und provozieren mich gleichzeitig. Sie provozieren mich, über mein eigenes Forschen nachzudenken: Wen habe ich dabei vor Augen? Will ich einen Beitrag leisten? Einen Beitrag wozu?

FensterputzerIch stelle fest, dass theologische Forschungsarbeit kaum als Dienstleistung verstanden wird. Der Zusammenhang zwischen ihr und dem Leben in Gesellschaft und Kirche ist nicht erkennbar oder zumindest nicht nachvollziehbar. Schnell ist dann die Frage zu hören: “Was bringt das?” Dabei wird vergessen, dass unser theologisches Denken und Handeln auf einem Fundament von Forschung steht, auf der Arbeit von Menschen, die Fragen gestellt haben, deren “Praxisbezug” vielleicht nicht auf den ersten Blick klar war, deren Beantwortung aber weitere Schritte ermöglichte. Wo wären wir beispielsweise, wenn Menschen nicht die Strukturen der alten Sprachen erforscht hätten, um uns mit Übersetzungen der Bibel zu (be-)dienen? Zu den Fragen, die sie stellten, gehörten auch solche nach den bei Paulus beliebtesten Partizipialkonstruktionen oder dem direkten Artikel im Johannesevangelium. (Man verzeihe mir die NT-lastigen Beispiele.) Heute schütteln bei solchen und ähnlichen Themen viele den Kopf. Dabei ist es nicht so, dass einmal beantwortete Fragen nicht wieder neu gestellt und beantwortet werden dürften oder müssten. Die Wissenschaft bewegt sich (hoffentlich vorwärts).

Als ich ein Kind war, füllte man Löcher in den Zähnen mit Quecksilber-Amalgam. Dass man das heute nicht mehr macht, liegt daran, dass jemand trotz bestehender Lösung weitergefragt hat.

Ich will hier nicht zum grossen Jammern anstimmen. Im Gegenteil. Denn das Problem beginnt ja bei den Theologen, die sich fragen müssen: Diene ich Gesellschaft und Kirche? Oder noch etwas schlichter ausgedrückt: Diene ich den Menschen? (Und es soll jetzt bitte keiner mit dem Einwand kommen, dass der Theologe Gott zu dienen habe.) Leimgruber spricht sich dafür aus, dass diese Diensthaltung in der Kommunikation zum Ausdruck kommen müsse:

Vielen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern graut vor der Kommunikation mit einer nichtfachlichen Öffentlichkeit … Die wissenschaftliche Gemeinschaft sollte sich also verstärkt Gedanken machen, wie die Fach- und Wissenschaftsgrenzen überschreitende Kommunikation verbessert werden kann.

Ähnlich sieht es Markus Bernhard (Leiter der Kommunikationsabteilung im ETH-Rat) in der Neuen Zürcher Zeitung vom 22. September (S. 40):

Die Gesellschaft – für welche die Medien Sprachrohr und Forum bilden – ist immer Zielpublikum der Wissenschaft und an der Wissenschaft teilhabende. Den Dialog von Wissenschaft und Gesellschaft sicherzustellen, war und ist daher eine zentrale Aufgabe.

IGW bemüht sich, Theologinnen und Theologen in Ausbildung ein Umfeld zur Verfügung zu stellen, in dem die Verbindung  von Forschungsarbeit (= Fragen stellen und Fragen beantworten) und Leben selbstverständlich ist. In meinen Augen ist das eine ausgezeichnete Voraussetzung dafür, das eigene Forschen immer mehr als Dienstleistung zu sehen und zu gestalten.

Der ganze Artikel von Walter Leimgruber (1 Seite) steht auf der Seite des Nationalfonds zum Download bereit.

Horizonte – Das Schweizer Forschungsmagazin erscheint viermal jährlich und kann hier gratis abonniert werden.

Dienstleistung Theologie
Theologen sind Dienstleister
Welche Dienstleistung erbringen Theologen?
Theologie als Dienstleistung

Wissenschaft ist eine Dienstleistung, die dazu beitragen soll, dass es den Menschen besser geht.

Dennoch erhält man bisweilen den Eindruck, Wissenschaft und Gesellschaft seien getrennte Systeme, die

nichts miteinander zu tun haben.

So äussert sich Walter Leimgruber, Professor für Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie an der

Universität Basel, in Horizonte, dem Magazin des Schweizerischen Nationalfonds (Ausgabe Juni 2009).

Diese Feststellung und die darin enthaltene Forderung freuen und provozieren mich gleichzeitig. Sie

provozieren mich, über mein eigenes Forschen nachzudenken: Wen habe ich dabei vor Augen? Will ich

einen Beitrag leisten? Einen Beitrag wozu?

Ich stelle fest, dass theologische Forschungsarbeit kaum als Dienstleistung verstanden wird. Der

Zusammenhang zwischen ihr und dem Leben in Gesellschaft und Kirche ist nicht erkennbar oder zumindest

nicht nachvollziehbar. Schnell ist dann die Frage zu hören: “Was bringt das?” Dabei wird vergessen,

dass unser theolgisches Denken und Handeln auf einem Fundament von Forschung steht, auf der Arbeit von

Menschen, die Fragen gestellt haben, deren “Praxisbezug” vielleicht nicht auf den ersten Blick klar

war, deren Beantwortung aber weitere Schritte ermöglichte. Wo wären wir beispielsweise, wenn Menschen nicht die Strukturen der alten Sprachen erforscht hätten, um uns mit Übersetzungen der Bibel zu (be-)dienen? Zu den Fragen, die sie stellten, gehörten auch solche nach den bei Paulus beliebtesten Partizipialkonstruktionen oder dem direkten Artikel im Johannesevangelium. (Man verzeihe mir die NT-lastigen Beispiele.) Heute schütteln bei solchen und ähnlichen Themen viele den Kopf. Dabei ist es nicht so, dass einmal beantwortete Fragen nicht wieder neu gestellt und beantwortet werden dürften oder müssten. Die Wissenschaft bewegt sich (hoffentlich vorwärts).

Als ich ein Kind war, füllte man Löcher in den Zähnen mit Quecksilber-Amalgam. Dass man das heute

nicht mehr macht, liegt daran, dass jemand trotz bestehender Lösung weitergefragt hat.

Ich will hier nicht zum grossen Jammern anstimmen. Im Gegenteil. Denn das Problem (wenn es denn

tatsächlcih eines ist) beginnt ja bei den Theologen, die sich fragen müssen: Diene ich Gesellschaft

und Kirche? Oder noch etwas schlichter ausgedrückt: Diene ich den Menschen? (Und es soll jetzt bitte

keiner mit dem Einwand kommen, dass der Theologe Gott zu dienen habe.) Leimgruber spricht sich dafür

aus, dass diese Diensthaltung in der Kommunikation zum Ausdruck kommen müsse:

Vielen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern graut vor der Kommunikation mit einer nichtfachlichen

Öffentlichkeit … Die wissenschaftliche Gemeinschaft sollte sich also verstärkt Gedanken machen, wie

die Fach- und Wissenschaftsgrenzen überschreitende Kommunikation verbessert werden kann.

Ähnlich sieht es Markus Bernhard (Leiter der Kommunikationsabteilung im ETH-Rat) in der Neuen Zürcher

Zeitung vom 22. September (S. 40):

Die Gesellschaft – für welche die Medien Sprachrohr und Forum bilden – ist immer Zielpublikum der

Wissenschaft und an der Wissenschaft teilhabende. Den Dialog von Wissenschaft und Gesellschaft

sicherzustellen, war und ist daher eine zentrale Aufgabe.

IGW bemüht sich, Theologinnen und Theologen in Ausbildung ein Umfeld zur Verfügung zu stellen, in dem

die Verbindung  von Forschungsarbeit (= Fragen stellen und Fragen beantworten) und Leben

selbstverständlich ist. In meinen Augen ist das eine ausgezeichnete Voraussetzung dafür, das eigene

Forschen immer mehr als Dienstleistung zu sehen und zu gestalten.

Der ganze Artikel von Walter Leimgruber (1 Seite) steht auf der Seite des Nationalfonds zum Download

bereit: http://www.snf.ch/SiteCollectionDocuments/horizonte/81/81_20_33_d.pdf

Das Magazin Horizonte erscheint viermal jährlich und kann gratis hier abonniert werden:

http://www.snf.ch/D/Aktuell/Horizonte/Seiten/Bestellung.aspx

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Erfrischend neues aus dem Blätterwald

Zugegeben, im christlichen Blätterwald gibt es, auch nicht mehr so viele Magazine wie auch schon… und von denen, die es gibt, stammen die meisten aus ein – zwei Verlagshäusern….

Da ist es umso erfreulicher, die zweite Ausgabe des erfrischenden Magazins Namens FROH aus der Taufe zu heben.

Hier der Link zu “FROH – das Magazin”.

FROH! ist ein Gesellschaftsmagazin, das besondere Ereignisse des Jahres aufgreift und sich neugierig auf die Fragen und Themen hinter diesen Anlässen einlässt. Die Beitragenden schenken dem Magazin nicht nur ihre Texte und Bilder, sondern dem Leser auch neue und überraschende Blickwinkel. Durch die sorgfältige Komposition von Beiträgen aus Kultur, Gesellschaft, Spiritualität und nachhaltigen Lebenskonzepten entsteht ein hochwertig gestaltetes Magazin, das nicht nur FROH! heisst, sondern auch froh macht.

Ein Lese- und Anschaugenuss. Great job, guys!

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Kurz und bündig

“Ich glaube, dass Religion und Politik eine sehr schlechte Mischung abgeben. Als geistlicher Leiter bitte ich alle, die das hören, eindringlich: Geben Sie einem geistlichen Leiter niemals Macht! Wir können damit nicht umgehen! Das liegt daran, dass Politik vom Kompromiss abhängt, was politisch gesehen eine Tugend ist, geistlich gesehen jedoch ein Laster.”

Sir Jonathan Sacks, Oberrabbiner der United Hebrew Congregation of the Commonwealth, in der Sendung “All Things Considered” auf BBC Radio Wales (28. 6. 09). Der Podcast ist hier zu abonnieren.

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Kirche der Zukunft: Fortschritt mit Rückspiegel

Auf der Suche nach geeigneter Lektüre über die Kirche der Zukunft bin ich unerwartet fündig geworden. Gerade rechtzeitig brachte mir die Post die “Theologischen Beiträge” ins Haus. Besonders der Artikel von Hennecke über “Glänzende Aussichten” hat es mir angetan. Ich lege alles beiseite und vertiefe mich in den Aufsatz.

Zwei Dinge faszinieren an diesem Beitrag von Hennecke:

  1. Eine Vision muss geklärt werden. Alle mögliche Visionen über die Zukunft der Kirche werden unreflektiert verbreitet und an den Mann und an die Frau gebracht. Hennecke macht sich die Mühe, klare Fragen an die Vision zu stellen, an eine Vision, die eigentlich eine Wiederherstellung alter Zustände darstellt. Vielleicht glorifizierter, unwirklicher und noch mehr in die Ferne gerückt.
  2. Die Gestalt der Kirche der Zukunft muss sich nicht daran erinnern, was wir sind. Oder gar was wir einst waren und damit die Vergangenheit glorifizieren. Die Frage nach der Zukunft der Kirche orientiert sich daran, wie die Gestalt der Kirche aussehen wird.

Im Originalton:

Und so wird deutlich, dass hier wohl keiner von uns ohne eine Vision auskommt. Um Kirche zu gestalten, braucht es eine solche Vision. Die Frage ist nur, woran diese uns zutiefst anziehende und prägende Grunderfahrung orientiert ist. Damit gilt nicht nur das Wort aus dem Buch der Sprüche: “Ohne Vision verkommt das Volk” (Spr 27,11), sondern auch: “Mit welcher Vision verkommt das Volk?” Denn es kann ja sein, dass wir mit einer Vision umgehen, die nicht in unserer Zukunft liegt, sondern in unserer Vergangenheit. Und der Verdacht liegt nahe, dass wir unsere derzeitige Mangellage orientieren an einer Vision, die in der Vergangenheit liegt: einer Re-Vision gewissermaßen. (:244)

Ich habe mich gefragt, wieso angesichts der Früchte, die es zweifellos gibt, wir doch immer wieder zurückschauen auf das, was war. Es hat mir unserer Vision zutun. Die Vision, die die meisten von uns prägt, die in die Kirche gehen, ist das, wie es war, und nicht, wie es wird. Und das ist immer stärker. Darum glaube ich nicht, dass wir schon über den Jordan ins verheissene Land gegangen sind, sondern ich glaube, dass wir zurzeit in diesem Übergang des Sterbens und Auferstehens stehen. Eine Kirchengestalt und mit ihr eine Generation des Volkes Gottes stirbt, sodass in ihrem Schutz ein neuer Beginn erfolgt, der eine ganz andere Kirchengestalt hervorbringt. (:246)

Auf jeden Fall lohnt es sich, mit Geduld auf die Kirche der Zukunft hinzuarbeiten.

Lit: Hennecke, Christian 2009. Glänzende Aussichten – Wie die Kirche einfach wird: Erfahrungen zukünftiger Ekklesiogenesis. ThBr 40. S. 238-254.

Der ganze Artikel ist auf der Seite der Theologischen Beiträge als PDF herunterzuladen.

P.S. : An der IGW-Konferenz liegen Gratisexemplare der Theologischen Beiträge auf.

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Kurz und bündig

“Ohne Abweichung von der Norm ist kein Fortschritt möglich.”

Frank Zappa (amerikanischer Komponist und Musiker)

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Pfarrer sind Mangelware

Passend zum Start ins neue Studienjahr titel 20min.ch am Freitag, 28.8.09 mit den Zeilen: “Grassierender Pfarrermangel, leere theologische Fakultäten: Um das Image des Pfarrberufs war es schon besser bestellt…”, einen Artikel über Pfarrermangel. Verschiedene Promis aus dem schweizer Showbiz sollen für eine theologische Ausbildung zum Parrer/Pfarrerin geworben haben. Einige Auszüge aus dem Artikel:

  • Ab 2011 wird der Pfarrermangel noch grösser, denn ab da bis etwa 2020 gehen die grossen Pfarrerjahrgänge in Pension
  • Im Magazin verweisen sie an mehreren Stellen auf die finanziellen Aussichten nach Abschluss des Theologiestudiums, aber auch auf die Eigenschaft des Pfarrberufes als krisensicherer Job.

Das ist doch eine richtige Motivationsspritze für alle Theologiestudierenden!

Ob man zum Pfarrer taugt wird bei 20min.ch auch gleich über einen Quiz abgefragt. Viel Spass beim testen der “Pfarrerkompetenz“.
Das Quiz ist also nicht ganz ohne. Unsere neueinsteigenden Studierenden wurden sofort getestet und immerhin drei-viertel hat es geschafft alle 8 Fragen zu beantworten. Wenn das nicht verheissungsvoll ist? ;-)

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Das missionale Pfarramt

In einem Gespräch über Frost und Hirschs Buch “Die Zukunft gestalten” erwähnte Jürgen Blunck, Vorstand von IGW Deutschland einen Artikel in dem er über das missionale Pfarramt geschrieben hat. Damals Anfang der 1990er war von “missional” selten die Rede. Auf Nachfrage hat er mir gestattet, seine Thesen hier zu veröffentlichen. Viel Freude bei diesem Blick in die Vergangenheit:

Vom PASTORALEN zum MISSIONALEN Pfarramt

1. Das herkömmliche Pfarramt ist pastoraler Art. Es setzt den Glauben als gegeben voraus. Es sieht seine Aufgabe darin, die nötigen Dienstleistungen für den voraus-gesetzten Glauben zu bringen: Taufe – Unterricht – Trauung – Beerdigung. Dazu kommt noch für eine kleine Insidergruppe: Gottesdienst und evtl. einige Gruppen-angebote.

Dem entspricht auch die beamtenrechtliche Absicherung des Pfarramtes. Der Pfarrer hat sozusagen hoheitsrechtlichen Status bei seinen pastoralen Diensten.

Auch die Ausbildung in ihrer ersten und zweiten Phase setzt voraus, daß diese pastoralen Dienste immer gleichbleibend angefordert werden. Zwar sind in den letzten Jahrzehnten durchaus weitere Dienstleistungen (z.B. im klinisch-seelsorgerlichen oder im sozialen Bereich) hinzugekommen, für die dann auch eine erweiterte Ausbildung angeboten wird. Aber die Grundstruktur des Pfarramtes ist geblieben. Immer noch wird – auch bei erweitertem Dienstleistungsangebot – der Glaube vorausgesetzt.

2. Nun zeigt sich aber zunehmend, dass dieser Glaube, der die pastoralen Dienste nö-tig macht, weitgehend nicht mehr gegeben ist. Die Voraussetzungen für das pastorale Pfarramt, das wir seit dem Mittelalter aufgebaut haben, stimmen nicht mehr.

Die Stützpfeiler, aufgrund deren man – wenn auch immer mehr mit schlechtem Gewissen – behaupten konnte, daß der Glaube oder wenigstens ein gewisser Glaube vorauszusetzen sei, sind langsam aber sicher weggefallen: die christliche Erziehung im Elternhaus – die religiöse Sozialisation (schreckliches Wort!) in der Schule – ein kirchenfreundliches Klima in der Gesellschaft. Mag man das eine oder andere auch etwas verschieden beurteilen, so ist doch der Gesamttrend unbestritten.

Im Bild ausgedrückt: Die Pfarrer haben heute zunehmend weniger Schafe, die sie pastoral betreuen müssen, sie müssen sich diese Schafe erst zusammensuchen. Aber wir haben nur Hirten, die für eine zusammengebliebene Schafherde ausgebildet und motiviert sind, und kaum Hirten, die motiviert und befähigt sind, die verlorenen Schafe zu suchen und heimzuholen.

Wir brauchen also immer weniger pastorale Pfarrer, wir brauchen immer mehr einen neuen Typ von Pfarrer, den missionalen Typ. Und wir brauchen die Ausbildung und Motivierung dazu.

3. Eine zukunftsorientierte Kirche braucht in erster Linie ein missionales Pfarramt. Damit sollen die pastoralen Aufgaben nicht als überflüssig oder zweitrangig angesehen werden. Aber sie müssen eingeordnet werden in eine horizonterweiterte Sicht des Pfarramtes. Es müssen nicht nur die kirchennahen “Schäfchen” im Blick sein, sondern auch die kirchenfernen – eben die, bei denen Glaube nicht mehr oder noch nicht vorausgesetzt werden kann.

Das pastorale Pfarramt ist weitgehend pfarrerorientiert, das missionale Pfarramt dagegen ist “kunden”orientiert. Das pastorale Pfarramt ist dienstleistungsorientiert, das missionale dagegen ist glaubenweckend-orientiert. Das pastorale Pfarramt versucht, in Zeiten des kirchlichen Abwärtstrends noch möglichst viel zu bewahren, das missionale dagegen will Neuland gewinnen für eine Kirche im Morgen.

Für das missionale Pfarramt braucht der Pfarrer eine nicht weniger qualifizierte, aber doch eine andere Art von Ausbildung in beiden Phasen seiner Ausbildung. Alle Disziplinen der Ausbildung – exegetischer, kirchengeschichtlicher, systematischer und praktischer Art – müssen von dem Testament Jesu durchdrungen sein und auf dies Testament Jesu fokussiert werden: Gehet hin – macht zu Jüngern – seid meine Zeugen – wie mich mein Vater gesandt hat, so sende ich euch! Weil der Glaube nicht vorauszusetzen ist, hat Jesus uns dies Testament hinterlassen.

4. Für eine zukunftsorientierte Kirche reicht es nicht, wenn sie diesen missionalen Auftrag Jesu durch Spezialpfarrer (Evangelisten) und Spezialämter (Volksmissiona-rische Ämter) abzudecken versucht. Das reichte in einer Zeit, als die Schafe noch mehr oder weniger im Stall waren, sich dort nur in irgendwelchen Ecken herum-mümmelten anstatt sich an die Stallordnung zu halten.

Wir brauchen nicht einzelne Personen, wir brauchen das normale Pfarramt, das missional orientiert sein muß. Warum? Der Pfarrer vor Ort und in der Gemeinde hat immer noch erheblich mehr Einfluß auf das Leben der Gemeinde als Kirchenleitung und Spezialpfarrer zusammen. Wenn er nicht die neue Aufgabe erkennt und annimmt, werden es andere außerhalb der Kirche tun – und tun es jetzt schon.

Die Kirchenleitungen können für eine solche Neuorientierung vom pastoralen Pfarramt zum missionalen Pfarramt die Signale setzen und die Rahmenbedingungen ind er Ausbildung und Begleitung schaffen – wenn sie es wollen.

Jürgen Blunck
(geschrieben 1994)


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