Alle Beiträge mit dem Tag ‘Christologie’

Die christologische Begründung (2/2)

„Missionale Theologie findet dort statt, wo in der Kraft des Heiligen Geistes das Evangelium von Jesus Christus und der Ruf zum Glauben verkündet, wo Gewalt eingedämmt, soziale Gerechtigkeit geübt, aus Armut und Unterdrückung befreit und Menschen zu Würde verholfen wird (Lk 4,18-19; Mt 10,6-8).“

Im März 2009 hat IGW „12 Thesen zur missionalen Theologie“ veröffentlicht, die seither rege diskutiert werden. Viele fragen sich: „Was bedeutet dieser Satz für mein persönliches Leben und für das meiner Kirche / meiner Gemeinschaft / meines Werkes?“ Der nachfolgende Post in ein Gastbeitrag von Wilhelm Risto, Karin Rutschi und Roman Zurbrügg, der sich mit der obigen These (8/12) auseinandersetzt.

Wir diskutieren die These anhand eines Fallbeispieles. Schilderung der Situation:

Eine Frau verdiente ihren Lebensunterhalt indem sie sich prostituierte und leidet heute an einer tödlichen Krankheit. Angesichts ihrer Krankheit macht sie sich nun Gedanken über den Tod. Dazu kommen die Sorgen über ihre hohe Verschuldung. Isoliert von der Gesellschaft verzweifelt die Frau mit ihren überwältigenden Herausforderungen an ihrer Einsamkeit. Via Internetseelsorge lernt sie eines unserer Gruppenmitglieder kennen. Unsere Frage ist: Wie können wir ihr helfen? Wie ist Hilfe in dieser Situation von der missionalen Theologie her zu verstehen?

Mit einer besonderen Sicht für die seelische Not, würde ich mich z. B. ausschliesslich darum bemühen, dass die Frau ihr Leben Jesus übergibt, indem ich ihr in der Kraft des Heiligen Geistes verbal das Evangelium von Jesus Christus verkündige, sie zum Bekennen ihrer Sünden, und zum Annehmen des Geschenkes des ewigen Lebens führe und ihr im Namen Jesu die Vergebung ihrer Sünden zuspreche. Die soziale Not würde ich dabei vielleicht vernachlässigen. Mit einer besonderen Sicht für die soziale Not würde ich mich z. B. um die Sanierung ihrer Schulden kümmern, sie regelmässig besuchen und allgemein ihre Lebensumstände zu optimieren versuchen. Die Heilung ihrer Seele durch die Verkündigung des Evangeliums würde ich dabei vielleicht vernachlässigen. Missionale Theologie verstehen wir nun als die praktische Verbindung der soeben beispielhaft beschriebenen Paradigmen. Missionale Theologie kümmert sich also nicht entweder um die eine oder andere Not, sondern sowohl um die eine als auch um die andere!

Für unsere Gemeinden bedeutet dieses Bewusstsein folgendes: Wenn wir uns bisher um die Gaben des Geistes bemüht und sie ausgeübt haben, dann tun wir das auch weiterhin. Wenn nicht, dann beginnen wir damit. Denn Gottes Mission geschieht seiet Pfingsten durch Nachfolger Jesu, welche mitten in der Not dieser Welt durch die Kraft des Heiligen Geistes in Wort und Tat das Reich Gottes verkündigen und ausdehnen. Wo in unseren Gemeinden bisher die Gläubigen darin zugerüstet wurden, auch selber das Evangelium mit Worten zu verkündigen, soll dies auch weiterhin geschehen. Wo nicht, gilt es, dies zu fördern. Wo in unseren Gemeinden bisher die Gläubigen darin zugerüstet wurden, durch konkretes Handeln und Agieren Gottes Reich auszudehnen, soll dies auch weiterhin geschehen. Wo nicht, gilt es dies zu fördern. Missionale Theologie fördert in unseren Gemeinden ein missionales Selbstverständnis, indem das volle Evangelium verkündet, ein Leben aus der Kraft des Heiligen Geistes angestrebt und geübt, das Evangelium von Jesus Christus durch alle Gläubigen verkündet und gleichzeitig mit entsprechenden Taten und Aktionen Gottes Reich ausgedehnt wird.

Fazit: Missionale Theologie muss sich in der Gemeinde in praktischer Förderung eines missionalen Lebensstils äussern.

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Die christologische Begründung (1/2)

Jesus Christus ist das Zentrum der Heiligen Schrift. Jesus Christus als wahrer Gott und wahrer Mensch, sowie als Lehrer und Prophet ist massgebend für eine missionale Theologie, für die christliche Lebensführung und für das Leben der Kirche und ihre Mission in der Welt.“

„Was bedeutet dieser Satz für mein persönliches Leben und für das meiner Kirche / meiner Gemeinschaft / meines Werkes?“ Der nachfolgende Post in ein Gastbeitrag von Tobias Bausch, Tanja Bühler und Emanuel Koller, der sich mit der obigen These (7/12) und dieser Fragestellung auseinandersetzt.

Gleichwie der Vater mich ausgesandt hat, sende ich auch euch“ (Joh. 20.21).

Die Frage die wir uns immer wieder stellen wollen, wo sendet mich Gott hin? Jesus Christus war in erster Linie zu den Juden gesandt, und erfüllte den Auftrag für die ganze Welt. Die grosse Herausforderung besteht für uns Gläubigen darin, das Himmelreich Gottes in unserem Umfeld ganzheitlich zu leben.

Jesus hat es uns vorgelebt: Er hat es geschafft, das Himmelreich im Leben zu integrieren, er predigte und lehrte das Reich Gottes überall worin er seinen Auftrag sah. Er war sich seinem Auftrag allezeit bewusst und passte sich den schlechten Angewohnheiten der Welt nie an. Nie verfiel er den Versuchungen Satans. Das gleiche erwartet Jesus von uns, indem er sagte: „Friede euch! Gleichwie der Vater mich ausgesandt hat, sende ich auch euch“ (Joh. 20.21).

Man muß Gott mehr gehorchen als Menschen“ (Apg. 5.29).

Eine solche Sendung kann im Leben nur Realität werden, wenn in unserem Alltag Jesus ins Zentrum Rücken kann und unseren Körper, Seele und den Geist auf ihn ausgerichtet ist. Die Schwierigkeit besteht darin, Gott mehr zu gehorchen als den Menschen. Ohne den Erwartungen aus unserem Umfeld gerecht werden zu müssen. Jesus sagte selber von sich:

“Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Sohn kann nichts von sich aus tun, sondern nur, was er den Vater tun sieht; denn was dieser tut, das tut gleicherweise auch der Sohn.“ (Joh 5,19)

Gerade diesem Auftrag wurde Jesus vollumfänglich gerecht. Wie viel mehr sind wir auf den Vater angewiesen. Wir können nichts von uns aus machen, was geistliche Frucht bringt. Jesus hat uns seinen Beistand zurückgelassen.

Beistand

Jesus lässt uns nicht alleine zurück mit dem Auftrag. Er hilft uns und bevollmächtigt uns im Geist zu leben und den Dienst zu erfüllen. Durch den Geist Gottes haben wir die Beziehung zu Gott und zur Welt im Ausgleich. Nur durch den Heiligen Geist können wir eine gesunde Beziehung zu Gott in dieser Welt führen. Der Geist führt uns in die Beziehung, eine innige Freundschaft zu Gott und gibt uns den rechten Blick für die Welt in der wir leben. Im Jesaja lesen wir eine Verheissung, die wir in Anspruch nehmen können.

„Der Geist Gottes des HERRN ist auf mir, weil der HERR mich gesalbt hat.Er hat mich gesandt, den Elenden gute Botschaft zu bringen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, zu verkündigen den Gefangenen die Freiheit, den Gebundenen, dass sie frei und ledig sein sollen.“ (Jes. 61.1)

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12 Thesen zur missionalen Theologie

090310-12-thesen-coverIGW denkt im laufenden Studienjahr intensiv über die missionale Theologie nach.  Im Rahmen der IGW-Konferenz haben wir öffentlich, an Weiterbildungstagen für Mitarbeitende intern diskutiert. In drei Ausgaben des Magazins VISION haben wir zu zeigen versucht, wie missionale Theologie Gemeinde und Christenleben fördert.  Die Referate, Diskussionen und Artikel münden nun in die vorliegenden Thesen.

Wir verstehen die Thesen als engagierten Beitrag an eine weiterführende Diskussion. Wir sind überzeugt, dass die missionale Theologie ihre Kraft und ihre Wirkung in jeder Form von Kirche entfalten kann. Sie wird Veränderungen in der theologischen Arbeit, im Leben und Denken sowie im Glauben und Handeln der Christen auslösen. Es geht um das Grundanliegen der Kirche Jesu: Gottes Auftrag in dieser Welt zu leben.

Die Grundlage der missionalen Theologie

1. Missionale Theologie weiss sich einer umfassenden biblischen Grundlage verpflichtet. Sie gründet auf Leben und Werk von Jesus Christus, auf dem Missionsbefehl (Mt 10, Mt 28, Mk 16, Lk 24, Apg 1) und auf dem Alten Testament.

2. Missionale Theologie ist eine Theologie der aktiven Teilnahme an Gottes Schöpfungs- und Erlösungshandeln. Damit die christliche Mission in einer leidenden Welt bedeutsam ist, muss die Kirche auf die aktuellen Fragen und Nöte ihres Umfeldes eingehen.

3. Missionale Theologie nimmt die Tatsache ernst, dass Gott die Welt liebt (Joh 3,16) und ihre umfassende Erlösung und Wiederherstellung zum Ziel hat. Sie ist dem Rettungshandeln Gottes verpflichtet, indem sie den Menschen durch die Bindung an die Person Jesu in die ursprüngliche Schöpfungsordnung hineinführt, in der die Fülle des Lebens zu finden ist.

4. Missionale Theologie versteht den Begriff der Bibeltreue umfassend. Sie strebt ein Gleichgewicht von Wort und Tat (Orthodoxie und Orthopraxis) an und misst die Treue zur Bibel nicht nur am Festhalten an der Wahrheit, sondern auch an der Fähigkeit, das Evangelium in der Welt zu inkarnieren.

5. Missionale Theologie setzt grenzüberschreitende Lernbereitschaft voraus. Sie hört auf die Brüder und Schwestern in unseren Kirchen sowie auf unsere Brüder und Schwestern in der Zweidrittelwelt, die durch ihre ganzheitliche Denkweise den Weg zu einer missionalen Theologie vorgezeichnet haben.

6. Missionale Theologie dient der Anbetung Gottes. Mission geschieht, weil Gott noch nicht überall angebetet wird, und sie geschieht bis zur Wiederkunft Jesu und der endgültigen Aufrichtung der Herrschaft Gottes. Die unterschiedlichsten Aktivitäten fördern die Anbetung Gottes: die Sorge um die Schöpfung, die es zukünftigen Generationen erlaubt, in ihr die Herrlichkeit Gottes zu erkennen; Entwicklungshilfe als Hinweis auf den suchenden Gott, der ganzheitliches Heil will; Kunst und Kultur, die Gottes Weisheit und Schönheit widerspiegeln.

Die christologische Begründung

7. Jesus Christus ist das Zentrum der Heiligen Schrift. Jesus Christus als wahrer Gott und wahrer Mensch sowie als Lehrer und Prophet ist massgebend für eine missionale Theologie, für die christliche Lebensführung, das Leben der Kirche und ihre Mission in der Welt.

8. Missionale Theologie findet dort statt, wo in der Kraft des Heiligen Geistes das Evangelium von Jesus Christus und der Ruf zum Glauben verkündet, wo Gewalt eingedämmt, soziale Gerechtigkeit geübt, aus Armut und Unterdrückung befreit und Menschen zu Würde verholfen wird (Lk 4,18-19; Mt 10,6-8).

Die ekklesiologischen Auswirkungen

9. Eine für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts relevante Kirche ist eine Kirche, die sich als Manifestation des Reiches Gottes begreift und entsprechend handelt.

10. Die wichtigste Aufgabe der Kirche ist die Verkündigung des Evangeliums vom Reich Gottes und seinem gekreuzigten und auferstandenen König Jesus. Die Verkündigung des Evangeliums in Wort und Tat auf der ganzen Welt ist ein heilsgeschichtliches Muss (Mk 13,10).

11. Frieden und Gerechtigkeit sind den alttestamentlichen Propheten gemäss ein Hauptmerkmal des Reiches Gottes. In der Kirche bildet sich dieses Reich zeichenhaft ab, und darum gehört der Einsatz für Frieden und soziale Gerechtigkeit zum Auftrag der Kirche (Jes 2,2-4; 42,1-4; Mt 5,9; Röm 14,17).

12. Die Kirche kann ihren Auftrag nur erfüllen, wenn sie sich als Alternative zu gottfeindlichen und lebenszerstörerischen Tendenzen in der Gesellschaft versteht. Als Kontrastgesellschaft kann sie umfassend und glaubhaft göttliches Heilshandeln veranschaulichen und zugänglich machen und so die Gesellschaft tiefgreifend verändern.

Begriffsklärungen

Zum besseren Verständnis klären wir einige wichtige Begriffe:

Missional: Dieser Begriff umschreibt eine durch und durch dem missionarischen Sein und Handeln Gottes in dieser Welt verpflichtete und davon durchdrungene Denk- und Handlungsweise.

Missionale Theologie: Dieser Begriff umschreibt das Bemühen, alles Reden und Lehren über Gott in erster Linie vom grundsätzlich missionarischen Wesen und Handeln Gottes in Welt und Geschichte bestimmen zu lassen.

Inkarnation: Dieser Begriff umschreibt das Geheimnis der Menschwerdung Gottes in der Person Jesu Christi mit der Konsequenz, dass sich Gott dadurch ganz in die Lebenswirklichkeit seiner Schöpfung und Geschöpfe hineinbegeben hat.

Orthodoxie: Dieser Begriff umschreibt an dieser Stelle das Bemühen um ganzheitlich reflektierte und gefestigte christliche Lehrüberzeugungen und Lehre.

Orthopraxis: Dieser Begriff umschreibt das Bestreben nach einer an christlichen Grund- und Lehrüberzeugungen orientierten praktischen Lebensführung.

Kontrastgesellschaft: Dieser Begriff umschreibt die lokale und globale christliche Weg-Gemeinschaft als gelebten Ausdruck des jetzt schon angebrochenen aber noch nicht vollendeten Reiches Gottes.

Ekklesiologie: Dieser Begriff umschreibt die christliche Lehre über die Kirche.

Christologie: Dieser Begriff umschreibt die christliche Lehre über Leben, Dienst und Werk von Jesus Christus.

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Die 12 Thesen zur missionalen Theologie als PDF-Download: 12 Thesen zur missionalen Theologie

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