Alle Beiträge mit dem Tag ‘Gesellschaft’
31. August 2009 von Matthias Ziehli | 2 Kommentare
Passend zum Start ins neue Studienjahr titel 20min.ch am Freitag, 28.8.09 mit den Zeilen: “Grassierender Pfarrermangel, leere theologische Fakultäten: Um das Image des Pfarrberufs war es schon besser bestellt…”, einen Artikel über Pfarrermangel. Verschiedene Promis aus dem schweizer Showbiz sollen für eine theologische Ausbildung zum Parrer/Pfarrerin geworben haben. Einige Auszüge aus dem Artikel:
- Ab 2011 wird der Pfarrermangel noch grösser, denn ab da bis etwa 2020 gehen die grossen Pfarrerjahrgänge in Pension
- Im Magazin verweisen sie an mehreren Stellen auf die finanziellen Aussichten nach Abschluss des Theologiestudiums, aber auch auf die Eigenschaft des Pfarrberufes als krisensicherer Job.
Das ist doch eine richtige Motivationsspritze für alle Theologiestudierenden!
Ob man zum Pfarrer taugt wird bei 20min.ch auch gleich über einen Quiz abgefragt. Viel Spass beim testen der “Pfarrerkompetenz“.
Das Quiz ist also nicht ganz ohne. Unsere neueinsteigenden Studierenden wurden sofort getestet und immerhin drei-viertel hat es geschafft alle 8 Fragen zu beantworten. Wenn das nicht verheissungsvoll ist?
VN:F [1.8.1_1037]
24. Juli 2009 von Michael | 3 Kommentare
“Die Kirche kann ihren Auftrag nur erfüllen, wenn sie sich als Alternative zu gottfeindlichen und lebenszerstörerischen Tendenzen in der Gesellschaft versteht. Als Kontrastgesellschaft kann sie umfassend und glaubhaft göttliches Heilshandeln veranschaulichen und zugänglich machen und so die Gesellschaft tiefgreifend verändern.”
Viele fragen sich: Was bedeutet dieser Satz für mein persönliches Leben und für das meiner Kirche / meiner Gemeinschaft / meines Werkes? Der nachfolgende Post ist ein Gastbeitrag von Fabian Baumgartner, Heinz Berger und Peter Mosimann, der sich mit der obigen These (12/12) auseinandersetzt. Damit endet die Serie der Gastbeiträge der IGW-Studierenden, welche die im März 2009 veröffentlichten „12 Thesen zur missionalen Theologie“ von IGW betrachteten.
Als wir diese These zusammen diskutierten, wurden uns einige Punkte enorm wichtig, die jede Gemeinde und jedes Gemeindemitglied im Auge behalten sollte, egal aus welcher Denomination man stammt.
Es ist als Gemeinde entscheidend wichtig zu verstehen, dass draussen vor den Türen nicht die böse und kaputte Welt anfängt, mit deren man nichts zu tun haben will, sondern dass wir als Gemeinde DIE Alternative zu den gottesfeindlichen und lebenszerstörerischen Tendenzen sind. Wir dürfen nicht erwarten, dass die kirchendistanzierten Menschen draussen vor den Gemeinden sehnsüchtig darauf warten, dass wir einmal in der Woche, und zwar am Sonntag, die Türen für eine Stunde öffnen und sie dann in Scharen auf unseren Stühlen Platz nehmen. In einer Zeit, in welcher ein Grossteil der Menschen in der Schweiz keinen kirchlichen Hintergrund mehr hat, müssen wir als Gemeinde das göttliche Heilshandeln nach draussen tragen und den Menschen dieses Heilshandeln veranschaulichen.
Wie Frost an der Konferenz erklärte, muss die Mission das organisierende Prinzip einer Gemeinde sein. Und wir verstehen Mission nicht „nur“ so, dass wir als Gemeinde eine Missionarin nach Bolivien aussenden. Wie es auch schon in anderen Blogs oder Statements aufgegriffen wurde, ist es wichtig, dass in der Gemeinde die Gemeindemitglieder immer wieder herausgefordert, motiviert und angeleitet werden, missional zu leben und so richtig in die säkulare Gesellschaft einzutauchen. Und dieses Eintauchen kann 1000 verschiedene Gesichter haben. Ob das ein Treffen unter Mütter auf dem Quartiersspielplatz, ein regelmässiger Pokerabend mit nichtchristlichen Freunden, die Mitgliedschaft in einer Wandergruppe oder ein Verein der Modelleisenbahnfreunde ist > wenn wir als Königskinder des höchsten Gottes immer wieder in diese Subkulturen eintauchen und durch unser Leben und Handeln Gott veranschaulichen, dann wird das die Gesellschaft spürbar verändern. Das Leben in diesen Subkulturen ist natürlich eine grosse Herausforderung. Wenn man missional lebt, ist man immer im Spannungsfeld zwischen mitmachen/mitlachen und sich zurückhalten – oder wie es Frost ausdrückte: widerstehen und sich darauf einlassen. Aber dieser schönen Herausforderung sollten wir uns alle stellen und nicht aus Angst vor einem Fehltritt die Augen vor den Subkulturen verschliessen. Die Menschen in diesen Subkulturen erreichen, mit ihnen das Leben teilen, ihnen das göttliche Heilshandeln aufzeigen und sie einfach zu lieben > das soll unsere Perspektive sein. Und aus eigenen Erfahrungen wissen wir, dass es wunderschön und erbauend ist, wenn wir Freundschaften zu anderen Menschen in diesen Subkulturen schliessen und mit ihnen das Leben teilen.
Wenn unsere Gemeinden die Mission als organisierendes Prinzip sehnen, werden die anderen Bereiche wie Anbetungszeiten, Gottesdienste, Jüngerschaft oder Gemeinschaft einen ganz anderen Stellenwert erhalten. Wenn wir die Menschen unserer Zeit in den Subkulturen erreichen, können wir noch vielen Menschen die Gemeinde zugänglich machen und ihnen auch ein Zuhause sein. Deshalb sollten die Menschen in unseren Gemeinden immer wieder darin angeleitet werden, wie jede/r Einzelne in diesen Subkulturen leben kann oder wie auch Dienstzweige der Gemeinde als Gruppe in den „Sumpf“ steigen und dort Gottes Heilshandeln veranschaulichen.
VN:F [1.8.1_1037]
20. Juli 2009 von Michael | kein Kommentar
„Frieden und Gerechtigkeit sind den alttestamentlichen Propheten gemäss ein Hauptmerkmal des Reiches Gottes. In der Kirche bildet sich dieses Reich zeichenhaft ab, und darum gehört der Einsatz für Frieden und soziale Gerechtigkeit zum Auftrag der Kirche (Jes 2,2-4; 42,1-4; Mt 5,9; Röm 14,17).“
Im März 2009 hat IGW „12 Thesen zur missionalen Theologie“ veröffentlicht, die seither rege diskutiert werden. Viele fragen sich: Was bedeutet dieser Satz für mein persönliches Leben und für das meiner Kirche / meiner Gemeinschaft / meines Werkes? Der nachfolgende Post ist ein Gastbeitrag von Rebekka Leiser, Beat Schneider und Andreas Schmid, der sich mit der obigen These (11/12) auseinandersetzt.
Gott wird sein Reich aufbauen (Jesaja 2,2-4). Der Messias kommt und wird uns Gerechtigkeit bringen, er wird das starke und das Schwache richten (Jesaja 42,1-4). Jesus spricht in der Bergpredigt davon, dass wir uns für Gerechtigkeit und Frieden einsetzen sollen (Mt 5,6-7). Aber er sagte auch, dass er nicht auf die Erde kam um uns Frieden zu bringen, sondern zur Trennung innerhalb des engsten sozialen Umfeldes; dabei betont er, dass es nicht angebracht ist, dass man einen Menschen mehr liebt als ihn (Mt 10,34-39).
Nach Jakobus 3,17f wird Frieden dem geschenkt, der nach Frieden und Gerechtigkeit trachtet, was aber nur dann gelingt, wenn wir uns nach Gottes Weisheit richten. Die Entscheidung zwischen Akzeptanz und Zurechtweisung, Gesetz und Gnade, Frieden und Gerechtigkeit liegt schlussendlich bei Gott und nicht bei uns. Wir können also danach streben, dass Frieden und Gerechtigkeit in unserer Kirche herrschen; sie können aber nicht einfach vorausgesetzt werden. Es bringt uns nichts, sich und den anderen etwas vorzumachen, und eine heuchlerische Scheinfrömmigkeit zur Schau zu stellen (Mt 6,1). Gerade die postmoderne Gesellschaft mit ihrem geschärften Sinn für Authentizität stört sich sehr daran, wenn wir uns christlicher aufführen, als wir sind. Die Frage ist, ob die traditionellen Kirchen die Kurve kriegen, und lernen, sich auf die veränderten Voraussetzungen einzulassen. Werden wir es schaffen, den Menschen unserer Zeit – aus welchem Umfeld sie auch kommen – sowohl die Gerechtigkeit Gottes, als auch seine Barmherzigkeit adäquat und persönlich näher zu bringen?
Was bedeutet das denn für eine missionale Kirche? Im Missionsauftrag von Mt 10 sendet Jesus seine Jünger gezielt an Third Places. Er fordert sie dabei auf, Orte aufzusuchen, an denen ihnen eine gewisse Akzeptanz entgegengebracht wird (Mt 10,13). Dabei dürfen wir darauf achten, uns gezielt an Menschen zu wenden, zu denen wir schon eine begünstigende Beziehung haben (z.B. gleiche Interessen, Hobbies, Beruf…) oder aber auch an solche, welche uns besonders am Herzen liegen (z.B. bestimmte Randgruppen). Es geht dann darum, sich in einer Subkultur niederzulassen, an ihrem Leben teilzunehmen, und sich konkret mit ihr zu identifizieren. Dort kann Frieden und Gerechtigkeit wachsen; wir sind gemeinsam unterwegs, lernen von einander und finden den Weg Gottes miteinander. Sollte der Frieden nicht einkehren, ist es erlaubt, zu neuen Ufern aufzubrechen (Mt 10,14).
Gottes Friedensreich ist noch nicht vollkommen; genauso wenig ist das endgültige Gericht gesprochen (vgl. Jes 2,4). Konflikte wird es bis dahin immer geben. Wir sind letztlich auf Gottes Gnade angewiesen, wollen wir in der Gemeinde in Frieden und Gerechtigkeit leben.
VN:F [1.8.1_1037]
13. Juli 2009 von Michael | kein Kommentar
„Eine für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts relevante Kirche ist eine Kirche, die sich als Manifestation des Reiches Gottes begreift und entsprechend handelt.“
Im März 2009 hat IGW „12 Thesen zur missionalen Theologie“ veröffentlicht, die seither rege diskutiert werden. Viele fragen sich: „Was bedeutet dieser Satz für mein persönliches Leben und für das meiner Kirche / meiner Gemeinschaft / meines Werkes?“ Der nachfolgende Post in ein Gastbeitrag von Remo Kleiner-Dunkel, Marcus Kümin und Sarah Nullmeyer, der sich mit der obigen These (9/12) auseinandersetzt.
Wie ist Manifestation von Gottes Reich zu verstehen?
Die Evangelien geben uns die Antwort: Jesus war es, welcher das Reich Gottes in umfassender Weise manifestierte. So sagte er im Hinblick auf sich selbst: „Die Zeit ist erfüllt und das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen. Tut Busse und glaubt an das Evangelium (Mk 1,15)!“ Durch die Inkarnation Jesu ist das Reich Gottes auf dieser Erde angebrochen und wird bei seiner Wiederkunft vollendet werden. Die Seligpreisungen und Verhaltensregeln, welche in der Bergpredigt (Mt 5,1-7,29) enthalten sind, machen deutlich, was das Reich Gottes ausmacht. Paulus sagt: „Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist (Röm 14,17).“ Wahre Gerechtigkeit, wahrer Friede und wahre Freude können nur da herrschen, wo Menschen in der Kraft des Heiligen Geistes mit Gott und miteinander versöhnt sind. Die örtlichen Gemeinden sind der Ort, wo dies möglich ist. In ihnen wird Gottes Reich konkret. Das Reich Gottes ist also da, wo die Herrschaft Christi aufgerichtet wird; da, wo ER Herrschaft ausüben kann. Da, wo Menschen sich in Jesu Bild umgestalten lassen, wird das Reich Gottes Fleisch. Dort wird es sichtbar und erfahrbar. Aus diesem Grund liegt es nicht an, dass wir Gottes Reich nur innerhalb unserer Kirchenmauern geniessen und auf den Tag zu warten, an dem Jesus wieder kommt, sondern wir sind dazu berufen sind, Gottes Reich auch ausserhalb unserer Mauern in der Gesellschaft zu manifestieren. In erster Linie geschieht das, indem jeder Gläubige und wir als ganze Gemeinde in unserem Umfeld versuchen, Licht und Salz (Mt 5,13ff) zu sein. Dieses Sein mündet ins Tun (Jak. 3,1). Es ist ein sich ständig entwickelndes Bewusstsein dessen, was wir in Christus sind, was es bedeutet, dass er in uns lebt und durch uns wirkt. Die Umgestaltung jedes Individuums und somit der gesamten Gemeinschaft in Jesu Bild, generiert diesen missionalen Zustand.
Was bedeutet dies nun für uns konkret?
In unserer Diskussion, welcher dem Verfassen dieses Posts vorausgegangen war, wurde uns klar, dass die Menschen in unserem persönlichen sowie unserem Gemeindeumfeld allesamt mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben. So haben wir es mit Alleinerziehenden, Arbeitslosen, Beziehungsgestörten, schlecht integrierten Ausländern, „wohlstandsverwahrlosten“ Kindern und Erwachsenen, usw. zu tun. Der Sumpf, um es mit den Worten von Frost zu benennen, liegt also direkt vor unserer Haustüre. Und das Beste: Jeder von uns kann etwas tun! Vorausgesetzt, wir gehen mit offenen Augen durchs Leben und verleugnen oder verdrängen nicht die vorherrschenden Zustände. Aktiv werden können wir zum Beispiel, indem sich jemand von uns an seinem Arbeitsplatz für einen Arbeitskollegen stark macht, welcher von anderen gemobbt wird. Oder indem sich eine christliche Wohngemeinschaft einer alleinerziehenden, arbeitslosen Mutter annimmt und ihr dabei hilft, Bewerbungen zu schreiben. Erst in ihrer konkreten Handlung AN der Welt und das Sein der Kirche IN der Welt, wird die Relevanz der Kirche FÜR die Welt sichtbar. Es müssen jedoch nicht zwingend in jedem Fall alle Mitglieder einer Kirche an demselben missionalen Projekt mitarbeiten, damit die Kirche als Ganzes das Gütesiegel „gesellschaftsrelevant“ erhält. Sie erhält es dann, wenn sich die Kirche als Kollektiv von Menschen versteht, welche über ein missionales Selbstverständnis verfügen und versuchen, Gottes Reich in ihrem spezifischen Umfeld konkret zu manifestieren.
VN:F [1.8.1_1037]
21. Mai 2009 von Michael | kein Kommentar
Missionale Theologie ist eine Theologie der aktiven Teilnahme an Gottes Schöpfungs- und Erlösungshandeln. Damit die christliche Mission in einer leidenden Welt bedeutsam ist, muss die Kirche auf die aktuellen Fragen und Nöte ihres Umfeldes eingehen.
Der nachfolgende Post in ein Gastbeitrag von Dina Grädel, Alain Revilloud und Mirjam Sommer Schenk, der sich mit der obigen These (These 2 von 12) auseinandersetzt.
Der Kern dieser These liegt im Denken des Einzelnen. Sie umfasst das Verständnis des Mitgestaltens dieser Welt. Die Christen unserer Gemeinde warten nicht länger auf die Erlösung sondern arbeiten daran. Sie setzen Gottes Ideen auf dieser Welt mit ihren Händen um. Das Ziel ist nicht nur, eines Tages in das Reich Gottes einzugehen, sondern es schon hier und jetzt auf der Erde sichtbar zu machen und zu erleben.
Ist eine solche Ausrichtung überhaupt denkbar? Was braucht es, um eine solches Verständnis in der Gemeinde wachzurufen?
Der massgebende Faktor dieses Wandels ist die Verantwortung. Welche Verantwortung trage ich als Christ? Wir als Gemeinde? Sind wir Christen nicht dafür verantwortlich, dass die Menschen dieser Welt das Wort Gottes hören und sehen? Und wer ist dafür verantwortlich, dass Gottes Schöpfungs- und Erlösungshandeln in dieser Welt sichtbar wird? – Ist es Gott? Sind es die Gemeinden? – Wer ist dafür verantwortlich, wenn es nicht sichtbar wird?
Verantwortung tragen bedeutet sich verantwortlich fühlen und in Aktion treten. Denn Tatsache ist, wenn sich niemand verantwortlich fühlt, wird es nicht getan. Genauso verhält es sich mit der sozialen Verantwortung. Derjenige, der sich nicht verantwortlich fühlt jemandem zu helfen, wird es auch bestimmt nicht tun. Wieso sollte er auch?
Wir sind der Meinung, dass unsere Kirchen und deren Mitglieder unbedingt mehr Verantwortung tragen sollten. Die Verantwortung, selber Gottes Plan zu entdecken, und sich an seinem Handeln zu beteiligen. Das ist nicht nur Aufgabe der Pastoren, Evangelisten und Missionare. Die Verantwortung liegt auf jeder Gemeinde, jedem Christen. Das bedeutet, dass sie sich zwangsläufig mit den Fragen und Nöten ihres Umfelds auseinandersetzen und darauf eingehen.
Eine missionale Theologie fordert, uns selber zu prüfen, ob wir diese Verantwortung in unserem Leben, in unserer Familie, in unserer Gemeinde und in unserem Umfeld wahrnehmen.
VN:F [1.8.1_1037]
10. März 2009 von Matthias Ziehli | 7 Kommentare
IGW denkt im laufenden Studienjahr intensiv über die missionale Theologie nach. Im Rahmen der IGW-Konferenz haben wir öffentlich, an Weiterbildungstagen für Mitarbeitende intern diskutiert. In drei Ausgaben des Magazins VISION haben wir zu zeigen versucht, wie missionale Theologie Gemeinde und Christenleben fördert. Die Referate, Diskussionen und Artikel münden nun in die vorliegenden Thesen.
Wir verstehen die Thesen als engagierten Beitrag an eine weiterführende Diskussion. Wir sind überzeugt, dass die missionale Theologie ihre Kraft und ihre Wirkung in jeder Form von Kirche entfalten kann. Sie wird Veränderungen in der theologischen Arbeit, im Leben und Denken sowie im Glauben und Handeln der Christen auslösen. Es geht um das Grundanliegen der Kirche Jesu: Gottes Auftrag in dieser Welt zu leben.
Die Grundlage der missionalen Theologie
1. Missionale Theologie weiss sich einer umfassenden biblischen Grundlage verpflichtet. Sie gründet auf Leben und Werk von Jesus Christus, auf dem Missionsbefehl (Mt 10, Mt 28, Mk 16, Lk 24, Apg 1) und auf dem Alten Testament.
2. Missionale Theologie ist eine Theologie der aktiven Teilnahme an Gottes Schöpfungs- und Erlösungshandeln. Damit die christliche Mission in einer leidenden Welt bedeutsam ist, muss die Kirche auf die aktuellen Fragen und Nöte ihres Umfeldes eingehen.
3. Missionale Theologie nimmt die Tatsache ernst, dass Gott die Welt liebt (Joh 3,16) und ihre umfassende Erlösung und Wiederherstellung zum Ziel hat. Sie ist dem Rettungshandeln Gottes verpflichtet, indem sie den Menschen durch die Bindung an die Person Jesu in die ursprüngliche Schöpfungsordnung hineinführt, in der die Fülle des Lebens zu finden ist.
4. Missionale Theologie versteht den Begriff der Bibeltreue umfassend. Sie strebt ein Gleichgewicht von Wort und Tat (Orthodoxie und Orthopraxis) an und misst die Treue zur Bibel nicht nur am Festhalten an der Wahrheit, sondern auch an der Fähigkeit, das Evangelium in der Welt zu inkarnieren.
5. Missionale Theologie setzt grenzüberschreitende Lernbereitschaft voraus. Sie hört auf die Brüder und Schwestern in unseren Kirchen sowie auf unsere Brüder und Schwestern in der Zweidrittelwelt, die durch ihre ganzheitliche Denkweise den Weg zu einer missionalen Theologie vorgezeichnet haben.
6. Missionale Theologie dient der Anbetung Gottes. Mission geschieht, weil Gott noch nicht überall angebetet wird, und sie geschieht bis zur Wiederkunft Jesu und der endgültigen Aufrichtung der Herrschaft Gottes. Die unterschiedlichsten Aktivitäten fördern die Anbetung Gottes: die Sorge um die Schöpfung, die es zukünftigen Generationen erlaubt, in ihr die Herrlichkeit Gottes zu erkennen; Entwicklungshilfe als Hinweis auf den suchenden Gott, der ganzheitliches Heil will; Kunst und Kultur, die Gottes Weisheit und Schönheit widerspiegeln.
Die christologische Begründung
7. Jesus Christus ist das Zentrum der Heiligen Schrift. Jesus Christus als wahrer Gott und wahrer Mensch sowie als Lehrer und Prophet ist massgebend für eine missionale Theologie, für die christliche Lebensführung, das Leben der Kirche und ihre Mission in der Welt.
8. Missionale Theologie findet dort statt, wo in der Kraft des Heiligen Geistes das Evangelium von Jesus Christus und der Ruf zum Glauben verkündet, wo Gewalt eingedämmt, soziale Gerechtigkeit geübt, aus Armut und Unterdrückung befreit und Menschen zu Würde verholfen wird (Lk 4,18-19; Mt 10,6-8).
Die ekklesiologischen Auswirkungen
9. Eine für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts relevante Kirche ist eine Kirche, die sich als Manifestation des Reiches Gottes begreift und entsprechend handelt.
10. Die wichtigste Aufgabe der Kirche ist die Verkündigung des Evangeliums vom Reich Gottes und seinem gekreuzigten und auferstandenen König Jesus. Die Verkündigung des Evangeliums in Wort und Tat auf der ganzen Welt ist ein heilsgeschichtliches Muss (Mk 13,10).
11. Frieden und Gerechtigkeit sind den alttestamentlichen Propheten gemäss ein Hauptmerkmal des Reiches Gottes. In der Kirche bildet sich dieses Reich zeichenhaft ab, und darum gehört der Einsatz für Frieden und soziale Gerechtigkeit zum Auftrag der Kirche (Jes 2,2-4; 42,1-4; Mt 5,9; Röm 14,17).
12. Die Kirche kann ihren Auftrag nur erfüllen, wenn sie sich als Alternative zu gottfeindlichen und lebenszerstörerischen Tendenzen in der Gesellschaft versteht. Als Kontrastgesellschaft kann sie umfassend und glaubhaft göttliches Heilshandeln veranschaulichen und zugänglich machen und so die Gesellschaft tiefgreifend verändern.
Begriffsklärungen
Zum besseren Verständnis klären wir einige wichtige Begriffe:
Missional: Dieser Begriff umschreibt eine durch und durch dem missionarischen Sein und Handeln Gottes in dieser Welt verpflichtete und davon durchdrungene Denk- und Handlungsweise.
Missionale Theologie: Dieser Begriff umschreibt das Bemühen, alles Reden und Lehren über Gott in erster Linie vom grundsätzlich missionarischen Wesen und Handeln Gottes in Welt und Geschichte bestimmen zu lassen.
Inkarnation: Dieser Begriff umschreibt das Geheimnis der Menschwerdung Gottes in der Person Jesu Christi mit der Konsequenz, dass sich Gott dadurch ganz in die Lebenswirklichkeit seiner Schöpfung und Geschöpfe hineinbegeben hat.
Orthodoxie: Dieser Begriff umschreibt an dieser Stelle das Bemühen um ganzheitlich reflektierte und gefestigte christliche Lehrüberzeugungen und Lehre.
Orthopraxis: Dieser Begriff umschreibt das Bestreben nach einer an christlichen Grund- und Lehrüberzeugungen orientierten praktischen Lebensführung.
Kontrastgesellschaft: Dieser Begriff umschreibt die lokale und globale christliche Weg-Gemeinschaft als gelebten Ausdruck des jetzt schon angebrochenen aber noch nicht vollendeten Reiches Gottes.
Ekklesiologie: Dieser Begriff umschreibt die christliche Lehre über die Kirche.
Christologie: Dieser Begriff umschreibt die christliche Lehre über Leben, Dienst und Werk von Jesus Christus.
Download
Die 12 Thesen zur missionalen Theologie als PDF-Download: 12 Thesen zur missionalen Theologie
VN:F [1.8.1_1037]
3. März 2009 von Matthias Ziehli | 3 Kommentare
Einfach gesagt: Das Evangelium ist die Geschichte eines Gottes, der mitten in die Existenz seiner Geschöpfe hereinbrach. Lebensnaher geht es kaum. Dass die Theologie heute oft als Disziplin fern des realen Lebens gesehen wird und ihre Vertreter als weltfremd gelten, weist auf ein grosses Versagen hin. (Ein grosses Versagen der Theologie, nicht derer, die sie so empfinden.) Auch das darf man einmal so einfach auf den Punkt bringen.
Dieser Blog will zeigen, dass Theologie nicht nur nahe am Leben sein kann. Wir schreiben und diskutieren aus der Überzeugung heraus, dass sie das sogar muss, dass diese Nähe zum Leben unverzichtbarer Teil ihres Wesens ist. Diese Nähe zum Leben zeigt sich gerade auch in der missionalen Theologie, die nicht nur bei IGW ein grosses Thema ist; ein Thema, über das wir auch hier informieren und diskutieren werden.
Dieses Verständnis von Theologie, die Überzeugung, dass sie sich nahe am Leben – mitten im Leben – abzuspielen hat, lässt diesen Blog umso angemessener erscheinen. Eine interaktive Plattform lädt zur Diskussion ein, zum Dialog. Das theologische Gespräch kann so Räume für Begegnung schaffen. Unser Ziel ist dabei nicht Einigkeit in allen Details, und auch um die abschliessende Beantwortung aller Fragen geht es uns nicht. Stattdessen wünschen wir uns, im Dialog gemeinsam als Lernende unterwegs zu sein und dabei Horizont und Herz kontinuierlich zu weiten.
Ausdrücklich möchten wir darauf hinweisen, dass die Autorinnen und Autoren auf diesem Blog ihre persönliche Sicht, ihre Meinung und ihre Fragen zum Ausdruck bringen. Sie sind wohl alle mit IGW verbunden, äussern sich hier aber nicht als offizielle Sprecher. Die Beiträge sind daher bewusst subjektiv und repräsentieren nicht die offizielle Position von IGW International.
Wir laden Leserinnen und Leser ein am Denken und Diskutieren, am Ringen um lebensrelevante Theologie aktiv teilzunehmen und freuen uns auf den Austausch!
VN:F [1.8.1_1037]