Alle Beiträge mit dem Tag ‘missional’

Die Grundlage der missionalen Theologie (4/6)

„Missionale Theologie versteht den Begriff der Bibeltreue umfassend. Sie strebt ein Gleichgewicht von Wort und Tat an (Orthodoxie und Orthopraxis) und misst die Treue zur Bibel nicht nur am Festhalten an der Wahrheit, sondern auch an der Fähigkeit, das Evangelium in der Welt zu inkarnieren.“

Der nachfolgende Post in ein Gastbeitrag von Sascha Bertschinger, Oliver Leiser, Lukas Schär und Michael Schaerer, der sich mit der obigen These (These 4 von 12) auseinandersetzt.

Verkünde das Evangelium so oft du kannst, wenn nötig gebrauche Worte – Franz von Assisi, 12. Jh.

Ist missionale Theologie etwas Neues? Mit Sicherheit nicht. Der erste missionale Akt, wo Wort und Tat zusammenwirkten, war die Schöpfung. Gott sprach und es wurde. Auch Jesus hat Wort und Tat miteinander verknüpft. Er ging zu den Notleidenden, diente ihnen und erzählte ihnen das Evangelium. Vielleicht, besser gesagt offensichtlich, ist die missionale Theologie bei uns in den letzen Jahrzehnten in Vergessenheit geraten, oder wir setzen andere Schwerpunkte. Wir sind Meister darin, Gottes Liebe und sein Evangelium zu verkündigen, wissen aber oft nicht mehr, wie wir Gottes Liebe den Menschen im praktischen Leben zeigen können.

Viele Möglichkeiten gibt es heute, um einen Kurzeinsatz in fernen Ländern zu machen. Dort ist es auch einfach, den Menschen zu dienen. Es ist offensichtlich, dass jemand, der am Verhungern ist, etwas zu Essen braucht und jemand, der in der Nacht friert, eine warme Decke benötigt. Woran liegt es, dass wir den Menschen in unserem Umfeld nicht mehr helfen (können)? Wissen wir überhaupt, in welchen Nöten sie leben? Hier in der Schweiz haben die meisten genug zu essen und ein warmes Bett in der Nacht. Die Mängel liegen hier ganz wo anders. Viele Menschen sehnen sich heute nach tiefen, echten Beziehungen und Freundschaften. Wenn wir den Menschen in unserem Umfeld dienen wollen, müssen wir hier anknüpfen. Sie brauchen kein Brot um zu überleben, was sie brauchen sind Freundschaften, die sie durchs Leben tragen.

Gerade in der heutigen Zeit, in unserem Umfeld reicht es nicht, wenn wir einfach Worte verlieren. Wenn wir in der Schweiz einem Durchschnittsbürger sagen, dass er Jesus braucht, wird er berechtigt fragen, wozu? Ich habe doch alles, was ich für mein Leben brauche, wird seine Antwort sein und er hat nicht unrecht. Klar wissen wir, dass er dadurch nicht gerettet ist, jedoch wird ihn das in diesem Moment nicht wirklich interessieren, weil er ja alles hat. Die zweite Möglichkeit die wir haben, ist ihm zu sagen, dass sein Leben hier mit Jesus besser sein wird, als es jetzt ist. Darauf wird sich auf seiner Stirn ein grosses Fragezeichen bilden. Glauben wird er uns dies nur, wenn er es an unserem Leben sieht. Wenn wir also nicht mit Überzeugung sagen können, dass unser Leben mit Christus ein Gewinn ist und wir ihm dies nicht mit Beispielen erläutern und vorleben können, werden wir schlechte Karten haben.

Auch in der heutigen Zeit, in unserem Umfeld wird es nicht reichen, den Menschen nur das Evangelium zu predigen, wir müssen es ihnen vorleben, damit sie sehen und glauben können, was wir ihnen predigen.

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Die Grundlage der missionalen Theologie (3/6)

„Missionale Theologie nimmt die Tatsache ernst, dass Gott die Welt liebt (Joh 3,16) und ihre umfassende Erlösung und Wiederherstellung zum Ziel hat. Sie ist dem Rettungshandeln Gottes verpflichtet, indem sie den Menschen durch die Bindung an die Person Jesu in die ursprüngliche Schöpfungsordnung hineinführt, in der die Fülle des Lebens zu finden ist.“

Im März 2009 hat IGW „12 Thesen zur missionalen Theologie“ veröffentlicht, die seither rege diskutiert werden. Viele fragen sich: „Was bedeutet dieser Satz für mein persönliches Leben und für das meiner Kirche / meiner Gemeinschaft / meines Werkes?“ In den kommenden Wochen gehen geben IGW-Studierende ihre Gedanken dazu weiter. Der nachfolgende Post ist ein Gastbeitrag von Claudia Grimm, Jörg Kessler und Gisele Zürcher, der sich mit der obigen These (3/12) auseinandersetzt.

Gott liebt die Welt so sehr, dass er ihre umfassende Erlösung und Wiederherstellung zum Ziel hat. Er hat frei gewählt uns zu lieben. Gott liebt nicht nur die „guten Menschen“ und möchte nicht nur Seelenheil schenken, sondern der gesamten Schöpfung ganzheitlich Heil geben. Doch inwiefern sind wir an diesem Handeln Gottes beteiligt? Jesus fordert uns auf seine Gute Nachricht den Menschen in allen Nationen zu verkündigen (Mt 28,19-20). Nun könnten wir diesen Auftrag aus Pflichtgefühl ausführen, wie Maschinen funktionieren, statt aus Liebe angetrieben sein. Gottes treibende Kraft für den Erlösungsplan ist seine bedingungslose Liebe für die Menschen. Welche Rolle spielt diese Liebe in unseren Begegnungen mit Menschen und der Verkündigung des Wort Gottes? Ist diese Liebe auch für uns absolute Voraussetzung?

Vielleicht sind wir Christen manchmal in der Gefahr für Gott leisten zu wollen. Wir legen grossen Wert darauf, wie wir ihm gefallen, gehorchen, ja dienen können. Unser Handeln soll jedoch Hand in Hand mit unserer persönlichen Gottesbeziehung geschehen. Die Liebe Gottes soll auch unsere treibende Kraft sein. Deshalb ist es unumgänglich, Gottes Vaterherz kennen zulernen und wie Jesus, eine innige Beziehung zum Vater zu leben.

Christen müssen Gottes Gegenwart nicht nur zwischen Kirchenbänken, sondern auch „draussen“ in der Welt erwarten. Die Richtung hat von der zentripetalen (hinein fliessenden) zur zentrifugalen (hinaus fliessenden) Dynamik gewechselt. Gott wirkt in der Welt. Unsere Rolle ist es, heraus zu finden, wo er wirkt und dann neben ihm zu gehen. Viele Evangelikale glauben, dass sie Gott in die Welt nehmen. Das ist ein Dualismus, welcher die missionale Theologie nicht unterstützt. Es kommt oft vor, dass Menschen an Jesus glauben, um nach ihrem Tod in den Himmel zu kommen. In diesem Fall wird für den Himmel im Jenseits geworben. Stattdessen geht es im Evangelium darum, für Gott lebendiger in der Welt zu sein. Umfassende Wiederherstellung bedeutet zu versuchen, in allem, was man tut, das Reich Gottes auszudrücken. Diese Aktivitäten reflektieren den lokalen Kontext und sind deshalb in ihren Formen mannigfaltig.

Für uns Christen gibt es keine örtlichen und strukturellen Einschränkungen, um Menschen mit Gottes Liebe zu begegnen. Überall kann Gott hinein wirken. Aller moderne Dualismus kann überwunden werden. In der evangelikalen Kirche existiert oft nur ein Bild, wie Kirche sein kann, dabei lässt uns die Bibel viele Möglichkeiten offen, wie Gemeinschaft gelebt werden kann. Wenn wir das Ziel verfolgen, dass Gottes umfassende Erlösung und Wiederherstellung auf dieser Welt geschehen können, müssen wir auch unsere Denkweise und unser Verhalten verändern. Wir können auch im gewöhnlichen Alltag Menschen mit Gottes Liebe konfrontieren, damit sie die Fülle des Lebens finden können.

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Die Grundlage der missionalen Theologie (2/6)

Missionale Theologie ist eine Theologie der aktiven Teilnahme an Gottes Schöpfungs- und Erlösungshandeln. Damit die christliche Mission in einer leidenden Welt bedeutsam ist, muss die Kirche auf die aktuellen Fragen und Nöte ihres Umfeldes eingehen.

Der nachfolgende Post in ein Gastbeitrag von Dina Grädel, Alain Revilloud und Mirjam Sommer Schenk, der sich mit der obigen These (These 2 von 12) auseinandersetzt.

Der Kern dieser These liegt im Denken des Einzelnen. Sie umfasst das Verständnis des Mitgestaltens dieser Welt. Die Christen unserer Gemeinde warten nicht länger auf die Erlösung sondern arbeiten daran. Sie setzen Gottes Ideen auf dieser Welt mit ihren Händen um. Das Ziel ist nicht nur, eines Tages in das Reich Gottes einzugehen, sondern es schon hier und jetzt auf der Erde sichtbar zu machen und zu erleben.

Ist eine solche Ausrichtung überhaupt denkbar? Was braucht es, um eine solches Verständnis in der Gemeinde wachzurufen?

Der massgebende Faktor dieses Wandels ist die Verantwortung. Welche Verantwortung trage ich als Christ? Wir als Gemeinde? Sind wir Christen nicht dafür verantwortlich, dass die Menschen dieser Welt das Wort Gottes hören und sehen? Und wer ist dafür verantwortlich, dass Gottes Schöpfungs- und Erlösungshandeln in dieser Welt sichtbar wird? – Ist es Gott? Sind es die Gemeinden? – Wer ist dafür verantwortlich, wenn es nicht sichtbar wird?

Verantwortung tragen bedeutet sich verantwortlich fühlen und in Aktion treten. Denn Tatsache ist, wenn sich niemand verantwortlich fühlt, wird es nicht getan. Genauso verhält es sich mit der sozialen Verantwortung. Derjenige, der sich nicht verantwortlich fühlt jemandem zu helfen, wird es auch bestimmt nicht tun. Wieso sollte er auch?

Wir sind der Meinung, dass unsere Kirchen und deren Mitglieder unbedingt mehr Verantwortung tragen sollten. Die Verantwortung, selber Gottes Plan zu entdecken, und sich an seinem Handeln zu beteiligen. Das ist nicht nur Aufgabe der Pastoren, Evangelisten und Missionare. Die Verantwortung liegt auf jeder Gemeinde, jedem Christen. Das bedeutet, dass sie sich zwangsläufig mit den Fragen und Nöten ihres Umfelds auseinandersetzen und darauf eingehen.

Eine missionale Theologie fordert, uns selber zu prüfen, ob wir diese Verantwortung in unserem Leben, in unserer Familie, in unserer Gemeinde und in unserem Umfeld wahrnehmen.

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Die Grundlage der missionalen Theologie (1/6)

„Missionale Theologie weiss sich einer umfassenden biblischen Grundlage verpflichtet. Sie gründet auf Leben und Werk von Jesus Christus, auf dem Missionsbefehl (Mt 10, Mt 28, Mk 16, Lk 24, Apg 1) und auf dem Alten Testament.“

Im März 2009 hat IGW „12 Thesen zur missionalen Theologie“ veröffentlicht, die seither rege diskutiert werden. Viele fragen sich: „Was bedeutet dieser Satz für mein persönliches Leben und für das meiner Kirche / meiner Gemeinschaft / meines Werkes?“

In den kommenden Wochen gehen geben IGW-Studierende ihre Gedanken dazu weiter. Der nachfolgende Post in ein Gastbeitrag von Sarah Dosch, Matthias Gremlich, Reto Lussi und Jessica Zehnder, der sich mit der obigen These (These 1 von 12) auseinandersetzt.

Da sich Missionale Theologie einer umfassenden biblischen Grundlage verpflichtet weiss, ist es die Aufgabe der heutigen Gemeinde, diese ernst zu nehmen und nach Möglichkeiten der Umsetzung zu suchen. Dabei nehmen Jesu Leben und Wirken eine zentrale Rolle ein, ist es doch unser Ziel ihm gleich zu werden (Röm 8,29). Mit der Lesung aus der Schriftrolle in Lk 4,17ff bezeichnet Jesus den Auftrag seiner Sendung. Den Armen die Gute Botschaft zu verkünden, Gefangenen Freiheit auszurufen, den Blinden, dass sie sehen werden, Unterdrückten, dass sie frei werden und das angenehme Jahr des Herrn zu verkünden; das sind die Eckpfeiler der Sendung von Jesus und damit auch von unserer Berufung.

Um diesen Auftrag nach aussen wahrzunehmen, bedarf es einer konstanten Sammlung und Sendung. Wir sehen im Leben von Jesus beide Schwerpunkte, hat er doch einerseits die Jünger gesammelt, indem er sie zu sich gerufen, gelehrt und trainiert hat und andererseits immer wieder auch ausgesendet, um sich selbst zu multiplizieren. Den Höhepunkt dessen finden wir im Ereignis der Himmelfahrt Jesu, welches das Wirken „sammelnde Wirken“ des Heiligen Geistes an der Gemeinde mit ihrem Sendungsauftrag untrennbar verbindet (Apg 1,8).

Wir können den Auftrag der Sendung jedoch nicht nur bei Jesus und seinen Jüngern beobachten, sondern finden es auch im Alten Testament. Schon durch den Glauben und die daraus folgenden Taten des Volkes Israel sollten die Nationen Gottes Allmacht und Barmherzigkeit erkennen (2Mos 21,1ff.22,20–23,9; 3Mos 25,1ff; 5Mos 10,17ff). Wie die neutestamentliche Gemeinde sollten auch sie Gottes Licht in der Welt leuchten lassen (Mt 5,14f). Nur ein Glaube, der sich auch in praktischen Taten zeigt, ist im Sinne Gottes (Jak 2,26). Und deshalb ist es unsere Bestimmung, dass wir unsere Sendung erkennen und diese wahrnehmen.

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Cox und die Kirche der Zukunft

Durch Zufall bin ich vor einiger Zeit auf ein kleines Buch mit dem Titel Der Christ als Rebell oder Streitreden gegen die Trägheit von Harvey Cox gestoßen. Mir scheint, dass der Autor ein gutes Feeling dafür gehabt hat, auf welche Veränderungen die Kirche in Zukunft zugeht. Ich muss dazu sagen, dass das Buch in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts erschienen ist. Er hat seine Gedanken demnach vor über 40 Jahren zu Papier gebracht. Er schreibt folgende bemerkenswerte Sätze:

Die Kirche der Zukunft wird kleiner, beweglicher, flexibler, sehr viel disziplinierter und in bezug auf die Form ihres gottesdienstlichen Lebens vielseitiger sein. Sie wird viel fröhlicher und sehr viel weniger feierlich sein, als wir es sind, wenn wir zusammenkommen. Sie wird viel weniger predigerorientiert, viel weniger kultisch, dafür diskussionsfreudiger und bereiter zum Geben und Nehmen sein.

Aus: Cox, Harvey 1968.  Der Christ als Rebell oder Streitreden gegen die Trägheit,S. 71f.

Wenn ich solche und weitere Sätze lese, dann staune ich darüber, wie nahe die Beschreibung der missionalen Gemeinde ist.

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Am Montag danach

Vom letzten Donnerstag bis Samstag hat in Aarau der Kongress “Zukunft gestalten” mit Michel Frost stattgefunden. Wir sind gespannt, was euch beschäftigt. Was sind die ersten Eindrücke, Gedanken, Diskussionspunkte?

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Missional, missionarisch oder beides?

In einem Kommentar zum Artikel über die 12 Thesen zur missionalen Theologie wurden wir angeregt, hier doch mal den Unterschied zwischen missional und missionarisch zu skizzieren. Ich habe Mathias Burri, Leiter des MA-Programmes bei IGW und Mitglied der Schulleitung, gebeten, dazu einige Sätze zu Papier zu bringen. Somit bleibt mir die Freude, unseren ersten Gastbeitrag anzumoderieren. (Danke Mathias!)

Missionalist ein aus dem Englischen übernommenes Adjektiv und ist nach Oxford English Dictionary ein Synonym für missionarisch. In der theologischen Literatur wurde jedoch das Adjektiv missional in den letzten Jahrzehnten weiter entwickelt und muss heute klar von missionarisch unterschiedenwerden. Allerdings dürfen die beiden Adjektive nicht gegeneinander ausgespieltwerden, wie es teilweise im Sinne einer plumpen Bewertung von “früher waren wir missionarisch” und “heute sind wir missional” zu finden ist.

Missionarisch betont die Tätigkeit der Mission, also das Tun einer Person oder Kirche. Missional beschreibt die Identität und das Wesen, also das Selbstverständnis einer Person oder Kirche. Bei missional ist die Mission im Zentrum der Theologie, der Kirche, der Person und bestimmt ihr ganzes Sein und ihren Auftrag. (Der Begriff Mission wäre dann natürlich ebenfalls noch zu klären.) Hier eine Gegenüberstellung der beiden Adjektive:

  • Missionarisch = Beschreibung des TUNS = Mission ist eine Tätigkeit
  • Missional = Beschreibung des SEINS = Mission bestimmt die Identität

Eine missionale Kirche ist auch missionarisch. Eine missionarische Kirche muss aber nicht zwingend missional sein, da ihre missionarische Tätigkeit nur eine von vielen Aktivitäten sein kann und sie Mission nicht als Zentrum sondern als Teilaufgabe der Gemeinde sehen kann. In diesem Fall wäre die Kirche nicht missional.

Das Adjektiv missional wurzelt in der missio dei. Wichtig für den Begriff ist das Verständnis, dass Gott das Subjekt der Mission ist und nicht die Kirche. Bis zum Aufkommen des Begriffs missio dei in den 50er-Jahren fühlte sich sozusagen die Kirche als Subjekt, also verantwortlich für die Mission. Seither setzte sich das Bewusstsein durch, dass Gott selbst verantwortlich für die Mission ist. Gott ist Ausgangspunkt der Mission, er ist ein sendender Gott: “Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch” (Joh 20,21). Wir sind als Christen und Kirchen das Instrument von Gottes Mission in dieser Welt, also von unserer Bestimmung her missional. Die (missionale) Kirche ist eine von Gott in diese Welt gesendete Kirche. Dazu ein Zitat von der Website von Acts 29:

Eine Kirche, die nicht missional ist, ist nicht wirklich eine Kirche. Eine Kirche existiert durch die Mission wie die Sonne existiert durch ihr Scheinen. Wenn die Sonne nicht mehr scheint, dann hört sie auf, Sonne zu sein. Wenn eine Kirche ihre Mission verliert, dann hört sie auf, Kirche zu sein.

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Kongress Zukunft gestalten

In 8 Tagen beginnt der Kongress “Zukunft gestalten”. Wir freuen uns als IGW auf diesen Kongress uns sind gespannt, was daraus entstehen wird.

Die Konferenz wie auch ihr Thema haben ihren Ursprung im Fragen nach der Zukunft und dem Auftrag der Kirche im 21. Jahrhundert. Jede Generation, jede Kirche muss sich der Herausforderung dieser Frage stellen. Gemeinsam wollen wir nun nach zukunftsorientierten Antworten suchen. Wir tun dies in der Gelassenheit und im Wissen darum, dass der Herr der Kirche seine Gemeinde in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft geführt hat und führen wird. Die Geschichte der Kirche manifestiert so das Handeln und die Treue Gottes. Der Auftrag, die Zukunft der Kirche zu gestalten, bleibt faszinierend, so dass wir mutig die Frage nach ihrer Zukunft stellen. Denn – um es mit den Worten Nehemias zu sagen – „sie ist ja dein Volk“ (Neh 1,10).

Was wir wollen.

Wir wollen Impulse und Denkanstösse für Mission und Evangelisation der Kirche des 21. Jahrunderts vermitteln. Wir wollen grundsätzliche Fragen zur Gestalt der Gemeinde in der postmodernen und nachchristlichen Kultur diskutieren. Wichtige Stichworte sind dabei: missional, inkarnatorisch, organisch, kontextualisiert, transformierend, Netzwerk, christozentrisch, Kontrastgesellschaft, Kairos, Leben im Spannungsfeld des Reiches Gottes, in die Welt gesandt und doch nicht von der Welt, Kirche unterwegs, Multiplikation, nachhaltig. Wir wollen Denker und Praktiker verschiedener Kirchen (bestehender, re-vitalisierter, neu gegründeter usw.) zu einem innovativen Gespräch einladen, um miteinander und voneinander zu lernen. Gemeindeälteste und Pastoren, Gemeindegründer und Gemeindebewahrer, Mentoren und Mentoranden, Praktiker und Theoretiker, Studierende und Lehrende vernetzen sich so miteinander; neue Ideen und Initiativen können diskutiert und bekannt gemacht werden. Wir wollen dazu ermutigen, die eigene praktische Arbeit in der Kirche mit Freude und Leidenschaft weiterzugestalten.

Was wir nicht wollen.

Wir wollen keine Modelldiskussionen führen, sondern intensiv über die Grundlagen der Kirche der Zukunft nachdenken. Wir wollen nicht bei unseren negativen Erfahrungen stehenbleiben, sondern uns für die Mission der Kirche stark machen. Wir verachten nicht die segensreiche und teilweise notvolle Vergangenheit der Kirche, sondern lernen daraus für die Zukunft. Wir wollen nicht übereinander, sondern miteinander reden, aufeinander hören und voneinander lernen.

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Ekklesia: herausgerufen oder hineingesandt?

Manche Legenden sind schwer unterzukriegen. Vor allem, wenn sie sich so gut anhören, dass man sich einfach wünscht, sie seien wahr. Eine solche Legende ist die Behauptung, dass das griechische Wort ekklesia, das im Deutschen meist mit Gemeinde wiedergegeben wird, eigentlich “herausgerufen” bedeute und dass in dieser Bedeutung ein Wesensmerkmal dieser Gemeinde zum Ausdruck komme.

Die Argumentation läuft folgendermassen:

  1. Das griechische Wort ekklesia geht auf die Bestandteile ek (“heraus”) und kaleo (“rufen”) zurück.
  2. Ekkaleo bedeutet “herausrufen”.
  3. Aus diesem Grund ist die Gemeinde als die “Herausgerufene” zu verstehen. Sie ist die Gemeinschaft der Gläubigen, die aus der Welt “herausgerufen wurden”.

Es liegt auf der Hand, dass sich hier ein spannungsvoller Kontrast zur missionalen Theologie abzeichnet, welche die Gemeinde ja als grundsätzlich gesendet sieht. Herausgerufen oder hineingesandt: Was stimmt denn nun? Ohne diese Frage hier abschliessend beantworten zu wollen, erlaube ich mir doch den Hinweis, dass es mit der oben beschriebenen Deutung von ekklesia diverse sprachliche Probleme gibt. (Zu den theologischen Problemen darf sich gerne ein Experte für missionale Theologie äussern.) Auf zwei möchte ich hinweisen:

Erstens ist es ein Trugschluss, davon auszugehen, dass ein Wort die Bedeutung seiner Grundbestandteile als eine Art verborgenen Sinnkern mit sich trägt. Oder sie überhaupt mit sich trägt. Gut, beim Wagenheber mag das noch funktionieren. Aber wie sieht es bei Auflauf aus? Das sind ja auch zwei Teile, was aber kaum (mehr) jemand merkt. Die Zusammensetzung hat sich verselbstständigt und niemand würde auf die Idee kommen, das Wort zu zerlegen um darüber zu reden, was ein Auflauf eigentlich sei. Das gilt sowohl für die kulinarische wie auch für die biblische (unten zitierte) Verwendung. Auch der Rückgriff auf frühere Bedeutungen eines Wortes ist meistens eine schlechte Idee, weil diese in der aktuellen Verwendung in den allerallermeisten Fällen nicht mehr ins Gewicht fallen. Dass Weib (viel) früher einfach eine Ehefrau bezeichnete, dürfte mir heute kaum Punkte bringen, wenn ich die Teilnehmerinnen an einem Eheseminar so begrüsse.

Zweitens stellt das Neue Testament selbst den, der die Ekklesia als eine exklusive von Gott herausgerufene Gruppe sehen möchte, vor beträchtliche Probleme. Da wird nämlich in der Apostelgeschichte (Kap. 19) von einer Konkurrenzorganisation gesprochen:

32 Die einen nun schrien dies, die anderen jenes; denn die Versammlung war in Verwirrung, und die meisten wussten nicht, weshalb sie zusammengekommen waren … 39 “Wenn ihr aber wegen anderer Dinge ein Gesuch habt, so wird es in der gesetzlichen Versammlung erledigt werden. 40 Denn wir sind auch in Gefahr, wegen des heutigen Aufruhrs angeklagt zu werden, da es keine Ursache gibt, weshalb wir uns über diesen Auflauf werden verantworten können. Und als er dies gesagt hatte, entliess er die Versammlung.”

Dem unterstrichenen Versammlung liegt im Griechischen ekklesia zugrunde. In diesem Abschnitt ist jedoch nicht von einer oder der christlichen Gemeinde die Rede (auch wenn V. 32 durchaus Erinnerungen an die eine oder andere Mitgliederversammlung wecken dürfte). Es geht überhaupt nicht um Christen, sondern

  • in V. 32 und 40 um einen Mob, der sich in Ephesus versammelt hatte, weil das lokale Silbergewerbe sich durch die missionarischen Aktivitäten von Paulus und seinen Mitarbeitern bedroht sah und
  • in V. 39 um eine offizielle Ratsversammlung in Ephesus.

Diese Verse zeigen, dass ekklesia nicht für christliche Versammlungen und Gemeinschaften reserviert war. Stattdessen scheinen wir einen Begriff vor uns zu haben, der für ganz verschiedene Versammlungen verschiedener Menschen verwendet wurde. (Diese Vermutung wird von der Verwendung ausserhalb des NT gestützt.) In diesem Sinne ist Gemeinde eine durchaus angemessene Übersetzung, gerade in der Schweiz, wo sie laufend Missverständnisse in der Abgrenzung zur politischen Gemeinde mit sich bringt. Die Gemeinschaft der an Jesus Gläubigen verwendet mit diesem Wort einen Begriff ohne Anspruch auf Exklusivität und macht vielleicht auch dadurch deutlich, dass sie sich als Teil des Lebens hier und jetzt versteht.

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12 Thesen zur missionalen Theologie

090310-12-thesen-coverIGW denkt im laufenden Studienjahr intensiv über die missionale Theologie nach.  Im Rahmen der IGW-Konferenz haben wir öffentlich, an Weiterbildungstagen für Mitarbeitende intern diskutiert. In drei Ausgaben des Magazins VISION haben wir zu zeigen versucht, wie missionale Theologie Gemeinde und Christenleben fördert.  Die Referate, Diskussionen und Artikel münden nun in die vorliegenden Thesen.

Wir verstehen die Thesen als engagierten Beitrag an eine weiterführende Diskussion. Wir sind überzeugt, dass die missionale Theologie ihre Kraft und ihre Wirkung in jeder Form von Kirche entfalten kann. Sie wird Veränderungen in der theologischen Arbeit, im Leben und Denken sowie im Glauben und Handeln der Christen auslösen. Es geht um das Grundanliegen der Kirche Jesu: Gottes Auftrag in dieser Welt zu leben.

Die Grundlage der missionalen Theologie

1. Missionale Theologie weiss sich einer umfassenden biblischen Grundlage verpflichtet. Sie gründet auf Leben und Werk von Jesus Christus, auf dem Missionsbefehl (Mt 10, Mt 28, Mk 16, Lk 24, Apg 1) und auf dem Alten Testament.

2. Missionale Theologie ist eine Theologie der aktiven Teilnahme an Gottes Schöpfungs- und Erlösungshandeln. Damit die christliche Mission in einer leidenden Welt bedeutsam ist, muss die Kirche auf die aktuellen Fragen und Nöte ihres Umfeldes eingehen.

3. Missionale Theologie nimmt die Tatsache ernst, dass Gott die Welt liebt (Joh 3,16) und ihre umfassende Erlösung und Wiederherstellung zum Ziel hat. Sie ist dem Rettungshandeln Gottes verpflichtet, indem sie den Menschen durch die Bindung an die Person Jesu in die ursprüngliche Schöpfungsordnung hineinführt, in der die Fülle des Lebens zu finden ist.

4. Missionale Theologie versteht den Begriff der Bibeltreue umfassend. Sie strebt ein Gleichgewicht von Wort und Tat (Orthodoxie und Orthopraxis) an und misst die Treue zur Bibel nicht nur am Festhalten an der Wahrheit, sondern auch an der Fähigkeit, das Evangelium in der Welt zu inkarnieren.

5. Missionale Theologie setzt grenzüberschreitende Lernbereitschaft voraus. Sie hört auf die Brüder und Schwestern in unseren Kirchen sowie auf unsere Brüder und Schwestern in der Zweidrittelwelt, die durch ihre ganzheitliche Denkweise den Weg zu einer missionalen Theologie vorgezeichnet haben.

6. Missionale Theologie dient der Anbetung Gottes. Mission geschieht, weil Gott noch nicht überall angebetet wird, und sie geschieht bis zur Wiederkunft Jesu und der endgültigen Aufrichtung der Herrschaft Gottes. Die unterschiedlichsten Aktivitäten fördern die Anbetung Gottes: die Sorge um die Schöpfung, die es zukünftigen Generationen erlaubt, in ihr die Herrlichkeit Gottes zu erkennen; Entwicklungshilfe als Hinweis auf den suchenden Gott, der ganzheitliches Heil will; Kunst und Kultur, die Gottes Weisheit und Schönheit widerspiegeln.

Die christologische Begründung

7. Jesus Christus ist das Zentrum der Heiligen Schrift. Jesus Christus als wahrer Gott und wahrer Mensch sowie als Lehrer und Prophet ist massgebend für eine missionale Theologie, für die christliche Lebensführung, das Leben der Kirche und ihre Mission in der Welt.

8. Missionale Theologie findet dort statt, wo in der Kraft des Heiligen Geistes das Evangelium von Jesus Christus und der Ruf zum Glauben verkündet, wo Gewalt eingedämmt, soziale Gerechtigkeit geübt, aus Armut und Unterdrückung befreit und Menschen zu Würde verholfen wird (Lk 4,18-19; Mt 10,6-8).

Die ekklesiologischen Auswirkungen

9. Eine für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts relevante Kirche ist eine Kirche, die sich als Manifestation des Reiches Gottes begreift und entsprechend handelt.

10. Die wichtigste Aufgabe der Kirche ist die Verkündigung des Evangeliums vom Reich Gottes und seinem gekreuzigten und auferstandenen König Jesus. Die Verkündigung des Evangeliums in Wort und Tat auf der ganzen Welt ist ein heilsgeschichtliches Muss (Mk 13,10).

11. Frieden und Gerechtigkeit sind den alttestamentlichen Propheten gemäss ein Hauptmerkmal des Reiches Gottes. In der Kirche bildet sich dieses Reich zeichenhaft ab, und darum gehört der Einsatz für Frieden und soziale Gerechtigkeit zum Auftrag der Kirche (Jes 2,2-4; 42,1-4; Mt 5,9; Röm 14,17).

12. Die Kirche kann ihren Auftrag nur erfüllen, wenn sie sich als Alternative zu gottfeindlichen und lebenszerstörerischen Tendenzen in der Gesellschaft versteht. Als Kontrastgesellschaft kann sie umfassend und glaubhaft göttliches Heilshandeln veranschaulichen und zugänglich machen und so die Gesellschaft tiefgreifend verändern.

Begriffsklärungen

Zum besseren Verständnis klären wir einige wichtige Begriffe:

Missional: Dieser Begriff umschreibt eine durch und durch dem missionarischen Sein und Handeln Gottes in dieser Welt verpflichtete und davon durchdrungene Denk- und Handlungsweise.

Missionale Theologie: Dieser Begriff umschreibt das Bemühen, alles Reden und Lehren über Gott in erster Linie vom grundsätzlich missionarischen Wesen und Handeln Gottes in Welt und Geschichte bestimmen zu lassen.

Inkarnation: Dieser Begriff umschreibt das Geheimnis der Menschwerdung Gottes in der Person Jesu Christi mit der Konsequenz, dass sich Gott dadurch ganz in die Lebenswirklichkeit seiner Schöpfung und Geschöpfe hineinbegeben hat.

Orthodoxie: Dieser Begriff umschreibt an dieser Stelle das Bemühen um ganzheitlich reflektierte und gefestigte christliche Lehrüberzeugungen und Lehre.

Orthopraxis: Dieser Begriff umschreibt das Bestreben nach einer an christlichen Grund- und Lehrüberzeugungen orientierten praktischen Lebensführung.

Kontrastgesellschaft: Dieser Begriff umschreibt die lokale und globale christliche Weg-Gemeinschaft als gelebten Ausdruck des jetzt schon angebrochenen aber noch nicht vollendeten Reiches Gottes.

Ekklesiologie: Dieser Begriff umschreibt die christliche Lehre über die Kirche.

Christologie: Dieser Begriff umschreibt die christliche Lehre über Leben, Dienst und Werk von Jesus Christus.

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