17. September 2009 von Fritz Peyer | kein Kommentar
Auf der Suche nach geeigneter Lektüre über die Kirche der Zukunft bin ich unerwartet fündig geworden. Gerade rechtzeitig brachte mir die Post die “Theologischen Beiträge” ins Haus. Besonders der Artikel von Hennecke über “Glänzende Aussichten” hat es mir angetan. Ich lege alles beiseite und vertiefe mich in den Aufsatz.
Zwei Dinge faszinieren an diesem Beitrag von Hennecke:
- Eine Vision muss geklärt werden. Alle mögliche Visionen über die Zukunft der Kirche werden unreflektiert verbreitet und an den Mann und an die Frau gebracht. Hennecke macht sich die Mühe, klare Fragen an die Vision zu stellen, an eine Vision, die eigentlich eine Wiederherstellung alter Zustände darstellt. Vielleicht glorifizierter, unwirklicher und noch mehr in die Ferne gerückt.
- Die Gestalt der Kirche der Zukunft muss sich nicht daran erinnern, was wir sind. Oder gar was wir einst waren und damit die Vergangenheit glorifizieren. Die Frage nach der Zukunft der Kirche orientiert sich daran, wie die Gestalt der Kirche aussehen wird.
Im Originalton:
Und so wird deutlich, dass hier wohl keiner von uns ohne eine Vision auskommt. Um Kirche zu gestalten, braucht es eine solche Vision. Die Frage ist nur, woran diese uns zutiefst anziehende und prägende Grunderfahrung orientiert ist. Damit gilt nicht nur das Wort aus dem Buch der Sprüche: “Ohne Vision verkommt das Volk” (Spr 27,11), sondern auch: “Mit welcher Vision verkommt das Volk?” Denn es kann ja sein, dass wir mit einer Vision umgehen, die nicht in unserer Zukunft liegt, sondern in unserer Vergangenheit. Und der Verdacht liegt nahe, dass wir unsere derzeitige Mangellage orientieren an einer Vision, die in der Vergangenheit liegt: einer Re-Vision gewissermaßen. (:244)
Ich habe mich gefragt, wieso angesichts der Früchte, die es zweifellos gibt, wir doch immer wieder zurückschauen auf das, was war. Es hat mir unserer Vision zutun. Die Vision, die die meisten von uns prägt, die in die Kirche gehen, ist das, wie es war, und nicht, wie es wird. Und das ist immer stärker. Darum glaube ich nicht, dass wir schon über den Jordan ins verheissene Land gegangen sind, sondern ich glaube, dass wir zurzeit in diesem Übergang des Sterbens und Auferstehens stehen. Eine Kirchengestalt und mit ihr eine Generation des Volkes Gottes stirbt, sodass in ihrem Schutz ein neuer Beginn erfolgt, der eine ganz andere Kirchengestalt hervorbringt. (:246)
Auf jeden Fall lohnt es sich, mit Geduld auf die Kirche der Zukunft hinzuarbeiten.
Lit: Hennecke, Christian 2009. Glänzende Aussichten – Wie die Kirche einfach wird: Erfahrungen zukünftiger Ekklesiogenesis. ThBr 40. S. 238-254.
Der ganze Artikel ist auf der Seite der Theologischen Beiträge als PDF herunterzuladen.
P.S. : An der IGW-Konferenz liegen Gratisexemplare der Theologischen Beiträge auf.
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31. August 2009 von Matthias Ziehli | 2 Kommentare
Passend zum Start ins neue Studienjahr titel 20min.ch am Freitag, 28.8.09 mit den Zeilen: “Grassierender Pfarrermangel, leere theologische Fakultäten: Um das Image des Pfarrberufs war es schon besser bestellt…”, einen Artikel über Pfarrermangel. Verschiedene Promis aus dem schweizer Showbiz sollen für eine theologische Ausbildung zum Parrer/Pfarrerin geworben haben. Einige Auszüge aus dem Artikel:
- Ab 2011 wird der Pfarrermangel noch grösser, denn ab da bis etwa 2020 gehen die grossen Pfarrerjahrgänge in Pension
- Im Magazin verweisen sie an mehreren Stellen auf die finanziellen Aussichten nach Abschluss des Theologiestudiums, aber auch auf die Eigenschaft des Pfarrberufes als krisensicherer Job.
Das ist doch eine richtige Motivationsspritze für alle Theologiestudierenden!
Ob man zum Pfarrer taugt wird bei 20min.ch auch gleich über einen Quiz abgefragt. Viel Spass beim testen der “Pfarrerkompetenz“.
Das Quiz ist also nicht ganz ohne. Unsere neueinsteigenden Studierenden wurden sofort getestet und immerhin drei-viertel hat es geschafft alle 8 Fragen zu beantworten. Wenn das nicht verheissungsvoll ist?
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19. Juni 2009 von Michael | 36 Kommentare
Was hat sich nachhaltig verändert in den letzten 3 Monaten, in eurem persönlichen Leben und in dem eurer Kirche / eurer Gemeinschaft / eures Werkes? Was ist hängen geblieben von der Konferenz mit Michael Frost zum Thema “Die Zukunft gestalten. Mission und Evangelisation in der Kirche des 21. Jh.”? Wir sind gespannt auf eure Beiträge.
PS: Wer den Blog-Post “Am Montag danach” vom 30. März mit seinen 39 sehr interessanten Kommentaren noch nicht gelesen hat, dem sei dieser Blog als Einstieg zur obigen Fortsetzung herzlich empfohlen.
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11. Mai 2009 von Tobias | 2 Kommentare
Durch Zufall bin ich vor einiger Zeit auf ein kleines Buch mit dem Titel Der Christ als Rebell oder Streitreden gegen die Trägheit von Harvey Cox gestoßen. Mir scheint, dass der Autor ein gutes Feeling dafür gehabt hat, auf welche Veränderungen die Kirche in Zukunft zugeht. Ich muss dazu sagen, dass das Buch in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts erschienen ist. Er hat seine Gedanken demnach vor über 40 Jahren zu Papier gebracht. Er schreibt folgende bemerkenswerte Sätze:
Die Kirche der Zukunft wird kleiner, beweglicher, flexibler, sehr viel disziplinierter und in bezug auf die Form ihres gottesdienstlichen Lebens vielseitiger sein. Sie wird viel fröhlicher und sehr viel weniger feierlich sein, als wir es sind, wenn wir zusammenkommen. Sie wird viel weniger predigerorientiert, viel weniger kultisch, dafür diskussionsfreudiger und bereiter zum Geben und Nehmen sein.
Aus: Cox, Harvey 1968. Der Christ als Rebell oder Streitreden gegen die Trägheit,S. 71f.
Wenn ich solche und weitere Sätze lese, dann staune ich darüber, wie nahe die Beschreibung der missionalen Gemeinde ist.
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